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Brandenburg Eltern starten Petition gegen Schulreform
Brandenburg Eltern starten Petition gegen Schulreform
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13:40 21.04.2015
Ob das Lehrplan-Experiment gelingt?Foto: MAZ
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Potsdam

Für Leuchten ist es ein Leichtes. Isaac Newton, Alexander von Humboldt und Marie Curie hätten sich Phänomene selbst erarbeitet, erklären die Elternsprecher des Cottbuser Pückler-Gymnasiums. Aber ist jedes Kind ein Genie? Ab 2016/17, so sieht es der neue Rahmenlehrplan für Berlin und Brandenburg vor, sollen sich die Schüler verstärkt im Selbststudium den Naturwissenschaften nähern. Diese werden in den Klassen 5 und 6 künftig als Sammelfach unterrichtet. Fachunterricht in Biologie und Physik soll es nicht mehr geben. Für die Eltern und den Arbeitskreis Naturwissenschaften des Gymnasiums ein unerklärliches Phänomen.

Die Cottbuser haben eine Onlinepetition gegen den Lehrplan gestartet, die schon 500 Unterstützer hat. Der Plan der Länder weise „erhebliche Mängel“ auf. „Diese Mängel werden zu einem weiteren Absinken des Niveaus von Bildung und Erziehung unserer Kinder führen“, schreiben die Eltern.

6400 Unterschriften für Lehrer-Petition

Nicht nur in Cottbus wehren sich die Eltern. Auch in Wittstock beispielsweise wächst der Widerstand. Dort haben die Elternsprecher mehrerer Schulen gemeinsam ihre Kritik an den Landtag herangetragen. Grundsätzlich werde ein gemeinsamer Lehrplan für beide Länder begrüßt, sagt Landeselternsprecher Wolfgang Seelbach. Es sei zudem gut, dass der Plan durchgängig für die Klassen 1 bis 10 gelten soll. Aber: „Die Zusammenlegung der betreffenden Fächer zu Gesellschafts- bzw. Naturwissenschaften wird abgelehnt“, sagt Seelbach. Auch Geschichte und Geografie verschwinden in Klasse 5 und 6, stattdessen bekommen die Schüler eine Universalbesohlung in Gesellschaftswissenschaften. Der Geschichtslehrerverband ist darüber empört. Der preisgekrönte Berliner Lehrer Robert Rauh kämpft mit einer Petition gegen eine „Entwertung des Fachs Geschichte“ und hat schon 6400 Unterschriften gesammelt.

Die Lehrplanerneuerung sei „eine der größten Reformen im Schulbereich der letzten Jahre“, sagt Henning Schluß, Professor für Bildungsforschung an der Universität Wien. Der in Oranienburg lebende Wissenschaftler versteht die Sorgen der Eltern. Guter, fächerübergreifender Unterricht könne durchaus sinnvoll sein, erklärt er. Aber: Die Lehrer seien für dieses andere Lernen und Lehren nicht ausgebildet. Vor allem für kleine Schulen sei der Ansatz der Länder bequem, sagt Schluß: „Sie brauchen künftig nicht mehr eine Physik- und eine Biologielehrerin, sondern eine reicht aus, die den ganzen naturwissenschaftlichen Bereich abdeckt, ob sie es studiert hat oder nicht.“ Besonders Kinder aus bildungsfernen Familien seien die Verlierer. Ihnen fehle die Anregung aus dem Elternhaus, Gelerntes selbst einzuordnen.

Kritik wird von Ministerium und Senat ausgewertet

3000 Einträge gab es nach Angaben des Potsdamer Bildungsministeriums während der Online-Anhörungsphase bis Ende März zum neuen Rahmenlehrplan. Hinzu kamen Hunderte Briefe mit Anregungen und Kritik.

Die Reaktionen würden derzeit gemeinsam mit Berlin ausgewertet, sagt Ministeriumssprecher Florian Engels. Im Mai soll es erste Ergebnisse und einen weiteren Fahrplan für die Implementierung geben. Man stehe hinter den Inhalten der Reform, so Engels: „Es gibt auch viele positive Stimmen.“

Die Kritik ist vielfältig. Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg etwa bemängelt, dass Sexualerziehung als Thema verschwinde.

Auch die Gewerkschaft GEW und die CDU lehnen die Pläne ab.

Von Marion Kaufmann

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