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Brandenburg Endlich Hilfe für Psychiatrie-Opfer
Brandenburg Endlich Hilfe für Psychiatrie-Opfer
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18:20 29.03.2017
Betroffene leiden noch heute unter den Folgen des damaligen Unrechts. Quelle: dpa-tmn
Potsdam

Das Mädchen, nennen wir es Gitte, litt vor 30 Jahren an Depression. Statt einer fachkundigen Psychotherapie gab es eine Einweisung in die geschlossene Psychiatrie und starke Medikamente. Wegen der völlig falschen Behandlung ist Gitte heute erwerbsunfähig. Menschen wie Gitte, aber auch deren Helfer und Betreuer, können sich ab Montag in der neuen Potsdamer Anlauf- und Beratungsstelle der Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ melden. Das Büro Am Stellwerk 1 in der Nähe des Hauptbahnhofes ist für Menschen, die einst als Minderjährige in Psychiatrien und Behinderteneinrichtungen in ganz Deutschland Repressionen und Leid erlitten. Dabei geht es um Beratung, aber auch um teilweise finanzielle Entschädigung zum Beispiel für verloren gegangene Rentenansprüche.

Bundesweite Stiftung eingerichtet

Die zunächst auf fünf Jahre angelegte Arbeitsstelle ist eine Einrichtung der im Januar dieses Jahres gegründeten bundesweiten Stiftung „Anerkennung und Hilfe“. In Brandenburg ist die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Ulrike Poppe, für das Büro verantwortlich. Geschäftsführerin und Ansprechpartner für Betroffene ist Silvana Hilliger, langjährige Mitarbeiterin von Poppe.

„Viele Betroffene leiden noch heute unter den Folgen“, sagte Sozialministerin Diana Golze (Linke) am Mittwoch bei der Vorstellung des Büros. Die nach langen politischen Diskussionen gegründete Bundesstiftung habe drei Aufgaben. Die wichtigste sei die Anerkennung, dass Minderjährigen in geschlossenen Einrichtungen der Bundesrepublik und der DDR viel Leid und Unrecht geschehen sei. Eine zweite Aufgabe der Stiftung liege in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Missstände in den Psychiatrien und Behinderteneinrichtungen. In ihnen seien viele Menschen „Tag und Nacht und gegen ihren Willen“ festgehalten worden.

Ausgestattet mit 288 Millionen Euro

Schließlich soll die Stiftung durch die Auszahlung einer Pauschale zumindest ein Stück weit finanzielle Wiedergutmachung leisten. Insgesamt ist die Stiftung mit 288 Millionen Euro ausgestattet. Brandenburg ist mit 7,9 Millionen Euro beteiligt. Die Betroffenen können eine Entschädigung von 9000 Euro erhalten, außerdem Rentenansprüche mit der einmaligen Zahlung von bis zu 5000 Euro. Für in der ehemaligen Bundesrepublik untergebrachte Minderjährige gilt nur der Zeitraum bis 1975, für das Gebiet der DDR gelten die Ansprüche für Menschen, die bis zum 2. Oktober 1990 in solchen Einrichtungen waren.

„Wichtig war uns, dass mit der Einrichtung der Stiftung auch Licht in ein weitgehend dunkles Kapitel der DDR-Geschichte hineinkommt“, sagt Poppe. Die Probleme gab es in Ost und West: Ein Menschenbild, das Behinderte und psychisch Kranke als unnütz abstempelte, Unkenntnis, fehlende Therapien, keine Privatsphäre, unsägliche sanitäre Zustände. In der DDR sei das durch Personalmangel noch verschärft worden. „Im nicht-produktiven Bereich waren die Arbeitskräfte knapp.“ Die Hospitalisierung hindere viele Betroffene bis heute, ein eigenständiges Leben zu führen. Poppe rechnet mit 2000 Menschen, die sich in der Potsdamer Stelle melden. Laut Hilliger hat es bereits Anfragen gegeben. Für eine Entschädigung muss man sich bis Dezember 2019 gemeldet haben.

Beratungsstelle Am Stellwerk 1, Telefon 0331 /23 72 92 60

Von Rüdiger Braun

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