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Brandenburg Energetische Sanierung belastet Mieter
Brandenburg Energetische Sanierung belastet Mieter
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20:06 26.01.2017
Viele Häuser in Brandenburg sind inzwischen saniert. Quelle: dpa
Potsdam

Neue Dämmung, neue Fenster, neue Heizungsanlage – dafür sinken die monatlichen Heizkosten. Doch der finanzielle Aufwand für die energetische Sanierung übersteigt die monatlichen Einspareffekte oft deutlich. Daran wird sich in Brandenburg auch in den kommenden Jahren wohl nichts ändern. „Ehrlich gesagt: Die energetische Sanierung wird nicht zu einer Warmmietenneutralität führen“, sagte Maren Kern, Chefin des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) am Donnerstag in Potsdam am Rande einer Fachveranstaltung zum energetischen Quartiersumbau.

Warmmietenneutralität bedeutet: Die Kosten für die Modernisierung von Häusern zur Energieeinsparung werden durch die sinkenden Versorgungskosten auf längere Sicht ausgeglichen. Doch das wird laut Kern in den meisten Fällen nicht erreichbar sein. Schließlich werden die Öl- und Gaspreise nicht auf ewig so niedrig bleiben. „Wichtig ist, dass die Mieter nicht über Gebühr belastet werden. Die Energiewende muss sozial verträglich bleiben“, sagte sie.

Jede zweite Wohnung in Brandenburg gehört zum Bestand des BBU. Es sind in der Regel kommunale oder genossenschaftliche Wohnungen. 7,3 Milliarden hat der Verband seit der Wende investiert, um die Gebäude energetisch auf den Stand der Zeit zu bringen. 92 Prozent der Gebäude seien inzwischen modernisiert, der CO2-Ausstoß habe dadurch um fast 80 Prozent gesenkt werden können, erklärte Maren Kern.

Doch in der Praxis bleiben die Kosten für den Umbau bei den Mietern hängen, kritisierte Rainer Radloff vom Brandenburger Mieterbund. „Unterm Strich zahlen wir alles. Dabei ist die Klimawende eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, erklärte er. „Wir fordern eine Drittel-Verteilung.“ Ein Drittel der Kosten sollen die Mieter tragen, ein Drittel die Eigentümer, und ein Drittel soll über Zuschüsse der Staat tragen. Denn bei einer Vollsanierung könne sich die Kaltmiete um bis zu drei Euro pro Quadratmeter erhöhen. „Das kommt bei manchen Kaltmieten einer Verdopplung gleich“, so Radloff.

Bis 2050 sollen die Wohnungen in Brandenburg weitgehend klimaneutral sein – also keine Treibhausgase verursachen. Da die kommunalen Wohnungsbestände inzwischen fast durchsaniert sind, setzt die Landesregierung auf neue Stadtentwicklungsansätze, darauf, dass für ganze Wohnquartiere Klimaschutzkonzepte entwickelt und umgesetzt werden. „Das Dämmen bis zum letzten Kilogramm CO2 macht keinen Sinn. Wir müssen uns auf die Quartiere konzentrieren“, sagte Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD). Kommunen, Wohnungsunternehmen, Privatleute, Versorgungsbetriebe, Schulen, Krankenhäuser – alle müssten dafür an einen Tisch und entsprechende Projekte entwickeln.

Zum Teil geschieht das bereits in Brandenburg. In Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) hat beispielsweise die größte Solarthermieanlage Deutschlands ihren Betrieb aufgenommen und liefert klimaneutrale Fernwärme für die ganze Stadt. In Potsdam soll die in den 1980er Jahren errichtet Gartenstadt Drewitz bis 2030 unter anderem durch Solarthermieanlagen zum Klimaprimus werden.

Von Torsten Gellner

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