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Brandenburg Erbstreit: Dagmar Frederic muss wohl blechen
Brandenburg Erbstreit: Dagmar Frederic muss wohl blechen
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21:05 04.03.2014
Dagmar Frederic bei einer Aufzeichnung des MDR im Dezember 2013 in Chemnitz (Sachsen).
Dagmar Frederic bei einer Aufzeichnung des MDR im Dezember 2013 in Chemnitz (Sachsen). Quelle: dpa
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Frankfurt (Oder)

Für Entertainerin Dagmar Frederic (68) sieht es nicht gut aus. In einem jahrelangen Erbstreit ließ Maike Imig, Vorsitzende Richterin am Frankfurter Landgericht, am Dienstag so gut wie keinen Zweifel: Frederic muss rund 100.000 Euro, die sie im Jahr 2003 von der Witwe des früheren DDR-Kulturministers Siegfried Wagner geschenkt bekam, zurückgeben. Die inzwischen verstorbene Brunhilde Wagner sei zum Zeitpunkt der angeblichen Schenkung nicht mehr „geschäftsfähig“ gewesen.  „Dieser Zustand war auch für die Beschenkte offenkundig“, so Imig.

Das Gericht hatte im Vorfeld der Verhandlung ein Gutachten in Auftrag gegeben. Daraus geht hervor, dass die an Demenz erkrankte Wagner aufgrund einer „fortschreitenden geistigen Störung unfähig zur freien Willensentscheidung“ gewesen war. Frederic hatte das Vermögen Wagners damals treuhänderisch verwaltet. „Nach Auffassung des Gerichts muss sie das Geld zurückzahlen, denn der Zustand  der Schenkerin war offensichtlich“, sagte die Vorsitzende Richterin, die aufgrund der aus ihrer Sicht eindeutigen Rechtslage auf die Anhörung von Zeugen verzichtete.

Das galt auch für eine weitere Summe von 26.410 Euro. Dieses Geld hatte Frederic laut Gericht vom Konto der Frau Wagner nach deren Tode abgehoben. Die Entertainerin sah sich im Recht, weil sie im Testament der Minister-Witwe als Alleinerbin bestimmt worden war. Diesen letzten Willen aber hatte Wagner im Jahre 2006 nicht einmal mehr selbst unterschreiben können. Das Dokument war angefochten worden, der Rechtsstreit lief zum Zeitpunkt der Geldabhebungen bereits. Nach Auffassung des Gerichts handelte Frederic vor diesem Hintergrund nicht gutgläubig, sie konnte sich nicht sicher sein, dieses Geld auch wirklich behalten zu dürfen. 2012  hat das Berliner Kammergericht das Testament für nichtig erklärt. Der Staat sieht sich als rechtmäßigen Erben des Wagner-Vermögens und fordert das Geld zurück.

Kläger-Anwalt Christoph C. Paul hatte eine Morddrohung erhalten. Quelle: dpa

Entertainerin Frederic war entgegen vorheriger Ankündigungen nicht persönlich zu dem Gerichtstermin erschienen, der von einem großen Medienaufgebot begleitet wurde. Richterin Imig fragte Frederics Rechtsanwalt Bernhard Juppel, ob er denn das zurück zu zahlende Geld gleich mitgebracht habe, was dieser jedoch verneinte. Er beharrte darauf, Zeugen könnten belegen, dass der desolate Geisteszustand der Frau Wagner nicht erkennbar gewesen sei. Eine gütliche Einigung, wie Richterin Imig erhoffte, wird es nicht geben. Sie setzte den Termin für eine Entscheidung des Gerichts für den 4. April an. Ob dann der juristische Schlussstrich unter den seit Jahren andauernden Rechtsstreit gezogen wird, muss sich zeigen. Denn gegen die Entscheidung des Gerichts können die Verfahrensbeteiligten Berufung einlegen, so dass vor dem Brandenburger Oberlandesgericht erneut verhandelt werden muss.

Der Rechtsstreit vor dem Frankfurter Landgericht wurde am Dienstag unter starken Sicherheitsvorkehrungen geführt. Der Grund: Im Vorfeld hatte Rechtsanwalt Christoph C. Paul, der den Nachlassverwalter der Witwe Wagner und damit die Klägerseite vertritt, eine anonyme Morddrohung erhalten. Er sollte lieber nicht zu dem Gerichtstermin erscheinen, dort würde bereits eine Ladung Blei auf ihn warten, hieß es in dem per Fax eingegangenen Schreiben. Paul erstattete Strafanzeige und kam trotzdem.

Der Berliner Anwalt zeigte sich nach der nur 10-minützigen Verhandlung zufrieden. „Die Haltung des Gerichts war eindeutig. Es geht basierend auf dem Gutachten davon aus, dass Frau Frederic die Tragweite ihres Handelns bewußt war“, resümierte er.

Wie viele Zuschauer und Medienvertreter hätte er sich gewünscht, dass die Entertainerin persönlich vor Gericht erscheint. „Sie geht ja davon aus, dass alles rechtmäßig war. Das hätte sie dann auch öffentlich sagen können“, kritisierte er. Für ihn ist die beharrliche Haltung der Gegenseite durchaus menschlich. „Wenn man davon überzeugt ist, im Recht zu sein, gibt man nichts einfach so zurück.“

Von Jeanette Bederke

Entertainerin mit DDR-Nationalpreis

  • Dagmar Frederic wurde als Dagmar Elke Schulz am 15. April 1945 in Eberswalde (Barnim) geboren. Ihr Vater war der hiesige Tierpark-Direktor.
  • Mit 16 Jahren hatte sie ihren ersten Auftritt in Eberswald. Sie absolvierte eine Lehre als Apothekenhelferin und studierte später an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin.
  • Der Showmaster und Talentesucher Heinz Quermann entdeckte sie 1966 bei einem Casting für die Fernsehreihe „Herzklopfen kostenlos“. Schulz nahm Gesangsunterricht in Berlin.
  • Der Berliner Friedrichstadt-Palast engagierte sie 1967 für Auftritte mit Musical-Melodien, unter anderem My Fair Lady. Von 1969 bis 1975 trat sie im Duett mit Siegfried Uhlenbrock auf.
  • Im DDR-Fernsehen moderierte sie ab 1973 verschiedene Unterhaltungssendungen. Sie präsentierte die Revue „Ein Kessel Buntes“ und die Preisverleihung der Fernsehlieblinge. Sie war Mitglied der Blockpartei LDPD.
  • 1981 erhielt sie gemeinsam mit dem Sänger Peter Wieland den Nationalpreis der DDR aus den Händen Erich Honeckers. Sie hatte Wieland 1977 geheiratet, 1983 wurde die Ehe geschieden. 1984 eröffnete sie den Neubau des Friedrichstadt-Palasts mit dem ersten Lied.
  • Nach der Wiedervereinigung übernahm sie die Fernseh-Formate „Meine Show“, ARD-Sommer-Melodien und „Wünsch Dir was“ an der Seite von Dénes Törzs. 2005 moderierte sie auf dem Berliner Gendarmenmarkt das Konzert Klassik Open Air.
  • 2008 bis 2011 moderierte Dagmar Frederic auf dem privaten Hörfunksender Radio Paloma samstags die Sendung Schönes Wochenende. Aufgrund einer Programmreform trennte sich der Sender von Frederic und vier weiteren Moderatoren.
  • Seit Juli 2012 moderiert Dagmar Frederic beim Berliner Rundfunksender Radio B2 die Deutsche Hitparade.
  • Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck bezeichnete Dagmar Frederic als „Valente des Ostens“. Sie ist Schirmherrin des Cottbuser Hauses der McDonald’s Kinderhilfe und des „Wohnprojekts Undine“ des Sozialwerks des Demokratischen Frauenbundes in Berlin-Lichtenberg.
  • Seit 2002 ist Dagmar Frederic zum fünften Mal verheiratet. Sie wohnt in Woltersdorf (Oder-Spree).
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