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Brandenburg Ermittlungen gegen Kartoffelkartell
Brandenburg Ermittlungen gegen Kartoffelkartell
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18:27 12.05.2013
Kartoffeln sollen künstlich versteuert worden sein.
Kartoffeln sollen künstlich versteuert worden sein. Quelle: Henry Mundt
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Die „Süddeutsche Zeitung“ nannte unter Berufung auf einen nicht genannten Branchen-Insider eine Summe von mehr als 100 Millionen Euro. Laut „Bild“-Zeitung summieren sich die illegal angehäuften Gewinne über zehn Jahre hinweg sogar auf rund eine Milliarde Euro.

Eines der neun betroffenen Unternehmen kündigte in Mönchengladbach für die kommenden Tage eine Stellungnahme an. Vorher werde man sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Mehrere andere Unternehmen wollten keine Stellungnahme abgeben oder waren nicht erreichbar.

Der Kartellrechtsexperte Maxim Kleine sagte der „Welt am Sonntag“, je weniger Anbieter, desto anfälliger sei eine Branche für illegale Preisabsprachen. Klagen der Handelsketten gegen die Kartoffelverarbeiter seien wahrscheinlich, wenn sich der Verdacht bestätige. Ein Verband kleiner Bauern begrüßte die Ermittlungen. Nicht nur die Verbraucher, sondern auch viele Landwirte seien durch Absprachen großer Kartoffelhandelsbetriebe möglicherweise massiv geschädigt und betrogen worden, erklärte der niedersächsische Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Ottmar Ilchmann. Der Sprecher des Landesbauernverbandes Brandenburg, Holger Brantsch, sagte der MAZ, ihm sei bislang nichts von Preisabsprachen unter märkischen Kartoffelverarbeitern bekannt. Der Landwirt habe aber kaum Alternativen beim Kauf von Saatkartoffeln. „Man muss eben den Preis bezahlen, der verlangt wird“, so Brantsch. Viele Bauern seien über feste Lieferverträge beim Bezug des Saatgutes wie beim Weiterverkauf an große Firmen gebunden.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sprach von einem Skandal, sollte sich der Verdacht illegaler Absprachen bestätigen. Es könne nicht sein, dass wenige große Spieler die Konditionen diktieren und die Landwirte und Verbraucher die Zeche zahlten.

Laut „Süddeutscher Zeitung“ sollen 80 bis 90 Prozent der großen Verarbeitungsbetriebe in der Kartoffel- und Zwiebelbranche regelmäßig Preise abgesprochen haben, zu denen die Supermarktketten beliefert wurden. Die Gewinnmarge soll so rasant gestiegen sein und sich mitunter verzehnfacht haben – vor allem auf Kosten der Verbraucher. Diese hätten in den Supermärkten weit mehr gezahlt als notwendig.

Das Bundeskartellamt hatte am Freitag Ermittlungen wegen illegaler Preisabsprachen bestätigt. Neun Firmen aus dem Bereich Erzeugung und Vertrieb seien durchsucht worden. Gegen fünf weitere Betriebe wurden Bußgeldverfahren eingeleitet. Die Wohnung eines Verdächtigen wurde überprüft. Es handele sich vorerst aber um einen Anfangsverdacht. Laut „Bild“ stammen fünf der verdächtigen Firmen aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern.

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