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Brandenburg Zukunft des Lausitzring: Die Tage der großen Events gezählt?
Brandenburg Zukunft des Lausitzring: Die Tage der großen Events gezählt?
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17:11 23.07.2019
Noch immer finden auf dem Lausitzring Rennen statt, die DTM.wieder Ende August. Quelle: Foto: Bernd Settnik/DPA
Klettwitz

Es hätte das Mega-Event des Jahres für die Region werden können: Sängerin Nena mit ihrer großen Open-Air-Tournee zu Gast auf der Rennstrecke Dekra Lausitzring in Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz). 10.000 Fans wurden erwartet. Doch stattdessen kamen zum Konzert Anfang Juni nur 5.000 Zuschauer und die Stimmung beim Streckenbetreiber Dekra ist gedämpft. Ob in Zukunft noch große Zuschauer-Events auf dem Lausitzring stattfinden werden, ist unklar.

Das Nena-Konzert könnte sinnbildlich kaum besser für den Lausitzring stehen: Mit großen Erwartungen und viel Euphorie gestartet – letztlich aber nicht ganz das Ziel erreicht. Selten waren alle Plätze auf den Zuschauertribünen ausverkauft. Dennoch gibt es eine Zukunft für die Rennstrecke.

Traum von Formel 1

Als der Lausitzring Ende der 1990er-Jahre geplant wurde, träumten manche Investoren von der großen Rennsport-Welt und Formel-1-Rennen in der Lausitz. 158 Millionen Euro kostete der Bau bei seiner Eröffnung im Jahr 2000. Doch schon im Jahr 2002 meldete der damalige Betreiber Insolvenz an.

Die Renn- und Teststrecke Lausitzring aus der Vogelperspektive. Quelle: Dekra

Vor zwei Jahren, nach mehreren Betreiberwechseln, kaufte die Prüfgesellschaft Dekra 2017 die Strecke und baut sie seitdem zum Testzentrum aus. Zwar finden nach wie vor verschiedene Rennen auf dem sogenannten Euro Speedway Lausitz statt, aber die Formel 1 ist bis heute nie in der Lausitz gewesen.

Bekenntnis zum Motorsport

„Die Veranstaltungen müssen für die Organisatoren rentabel sein und das ist schwierig, wenn nur wenige Zuschauer kommen“, sagt Volker Noeske, Chef des Dekra-Testzentrums am Lausitzring. Man habe sich 2017 bewusst dazu entschieden, zweigleisig zu fahren und den Lausitzring sowohl als Renn- und als Teststrecke zu nutzen. Aber: „Es muss sich rechnen“, wie Noeske sagt. Die Dekra ist zwar Eigentümer des Lausitzrings, betätigt sich allerdings nicht selbst als Veranstalter, sondern vermietet die Rennstrecke an Kunden. „Wir stehen zum Motorsport, aber am Ende entscheiden die Zuschauer“, sagt Noeske.

Das Kern-Geschäft der Dekra – das Testen von Kraftfahrzeugen – lässt sich auf dem Lausitzring und dem benachbarten Testzentrum sehr gut auch ohne Zuschauer durchführen. Der Standort entwickle sich „sehr positiv“, wie Noeske sagt. Inzwischen arbeiten 200 Menschen bei der Dekra in Klettwitz, vor 15 Jahren waren es noch 65.

Geisterstadt und 5G-Netz

Die Entwicklung von einer Renn- und Teststrecke hin zu einer Test- und Rennstrecke schreitet schnell voran und ist noch nicht abgeschlossen. Seit 2017 hat die Dekra bereits eine zweistellige Millionensumme investiert. Das Ziel: Klettwitz soll Europas größtes unabhängiges Zentrum für automatisiertes und vernetztes Fahren werden. Dafür baut die Prüfgesellschaft eine neue Schallmessstrecke, eine Fahrzeug-Halle mit weiteren Büro-Arbeitsplätzen und eine Art „Geisterstadt“, in der mobile Kulissen reale Straßensituationen in Städten simulieren sollen. Das gesamte Lausitzring-Gelände soll mit dem Hochleistungsnetz 5G ausgestattet werden, damit selbstfahrende Autos kabellos miteinander kommunizieren können.

Mehr als nur eine Rennstrecke

Der Lausitzring besteht aus mehreren Rennstrecken. Neben dem 3,2 Kilometer langen tri-ovalen „Superspeedway“ gibt es einen 4,5 Kilometer langen Grand-Prix-Rundkurs, der beliebig angepasst werden kann. Außerdem gehören zum Lausitzring über 20 Hektar Offroad-Gelände und mehrere Multifunktionshallen.

Die Haupttribüne neben der Zielgeraden ist 35 Meter hoch und bietet Platz für 25.000 Zuschauer. Insgesamt können bis zu 120.000 Menschen die Rennen live vom Streckenrand aus verfolgen.

Die Brandenburgische Regierung lobt das Vorhaben. „Wir sind sehr froh, dass die Dekra sich in der Lausitz engagiert. Die Region bietet hervorragende Rahmenbedingungen“, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), als er unlängst in Klettwitz zu Besuch war. Im Gepäck hatte er eine Vereinbarung, dass die Regierung auch künftig die Dekra auf dem Lausitzring unterstützt, wenn das Strukturstärkungsgesetz zum Kohleausstieg im Bundestag beschlossen ist.

Neues Abgaslabor eröffnet

Neu auf dem Gelände ist ein modernes Abgaslabor. Die Dekra verfügt nun über zwei Prüfstände, mit denen die Emissionen eines fahrenden Autos gemessen werden können. Die Maschinen sind zwar in der Vergangenheit von illegaler Auto-Software überlistet worden (Diesel-Skandal), trotzdem seien sie „sehr sehr sicher“, wie Dekra-Testchef Volker Noeske meint.

Die Dekra hat am Lausitzring in Klettwitz ein neues Abgas-Test-Labor in Betrieb genommen. Quelle: Jonas Nayda

Zur Sicherheit hat die Dekra sich zusätzlich noch eine mobile Messstation angeschafft, die hinten an ein Auto geschnallt werden kann. Damit können die Abgase auch außerhalb des Labors gemessen werden, also im Realbetrieb, während das Auto über die Straßen fährt.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD, 3. v.r.) begutachtet das mobile Abgaslabor der Dekra in Klettwitz. Quelle: Jonas Nayda

In den nächsten Monaten soll das Testzentrum langsam in den regulären Betrieb genommen werden. Laut Volker Noeske stehen bereits mehrere Kunden-Firmen Schlange. Für die Dekra ist der Lausitzring als Teststrecke offenbar rentabler, als als Rennstrecke.

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Von Jonas Nayda

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