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Brandenburg Beim Lügen ertappt: Vaut muss um Beamtenstatus zittern
Brandenburg Beim Lügen ertappt: Vaut muss um Beamtenstatus zittern
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15:11 29.03.2019
Simon Vaut, geschasster Europawahl-Spitzenkandidat der SPD Brandenburg. Quelle: dpa/SPD Brandenburg
Potsdam

Nach der Betrugsaffäre um eine ausgedachte Wohnadresse und eine gar nicht existierende Lebensgefährtin hat der Brandenburger SPD-Spitzenkandidat zur Europawahl, Simon Vaut, Ärger mit seinem Arbeitgeber. Wie der „Spiegel“ berichtet, prüft das Bundeswirtschaftsministerium derzeit den Beamtenstatus des 41-Jährigen. Laut der Online-Ausgabe des Magazins hätte Vaut am kommenden Montag endgültig verbeamtet werden sollen. Stattdessen sei er nun zu einem „klärenden Gespräch“ vorgeladen.

Vaut gibt in dem Beitrag erstmals Einsicht in sein Seelenleben nach Auffliegen des Schwindels und seinem vorzeitigen Verzicht auf ein mögliches Europa-Mandat. „Es fängt mit einer harmlosen Unwahrheit an und dann verstrickt man sich“, sagt der geschasste Kandidat. Er habe nicht aus Karrierismus gehandelt, vielmehr habe sein Verhalten biografische Gründe: „Ich bin in meinem Leben häufig umgezogen, bin nirgendwo verwurzelt“, so der gebürtige Hamburger, der in Berlin wohnt. „Ich wollte es halt besonders gut machen.“

„So enden politische Karrieren“.

Der Fall hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil der in Brandenburg völlig unbekannte Beamte in kürzester Zeit zum Spitzenkandidaten der eigentlich bodenständigen Brandenburger SPD werden konnte. Vaut sagt, er habe seinen Mandatsverzicht am Donnerstag an den Landeswahlleiter geschickt. Wortlaut: „Hiermit lehne ich, Simon Vaut, den Erwerb der Mitgliedschaft im Europäischen Parlament ab.“ Laut Spiegel kommentierte der Kandidat seinen Fall so: „So enden politische Karrieren, bevor sie angefangen haben.“

Der Bericht gibt Einblick darin, wie gutgläubig die Sozialdemokraten trotz aufkommender Zweifel mit dem Kandidaten umgingen. So ist laut „Spiegel“ einer Mitarbeiterin der Brandenburger SPD Ende September 2018 aufgefallen, dass Vaut im elektronischen Mitgliedersystem der Partei noch mit einer Berliner Adresse gemeldet war. „Hast du eine andere?“ Soll die Mitarbeiterin den Polit-Aufsteiger gefragt haben. Und: „Wäre nicht gut, wenn das noch lange so wäre.“ Vaut sagt, er habe dann eine komplett fingierte Adresse in der Brandenburger Kurstraße angegeben.

„Ich will reinen Tisch machen“.

Später erfand der Kandidat eine Trennungsgeschichte und bat Genossen in Brandenburg/Havel, seinem Ortsverband, um einen Unterschlupf. Als Fraktionschefin Britta Kornmesser - Kandidatin für die Landtagswahl – ihm ein Zimmer in ihrem Haus anbot und seinen Namen auf die Klingel klebte, ließ Vaut diese Adresse sofort ins Mitgliedersystem der Partei eintragen. Dort geschlafen hat er nie.

Dem „Spiegel“, dessen Mitarbeiter er in seiner Berliner Wohnung empfing, sagte Vaut: „Es tut mir leid, ich will reinen Tisch machen.“

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