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Brandenburg Dauergast in Film und Fernsehen: Haupt- und Nebenrollen für das Berliner Kriminalgericht
Brandenburg Dauergast in Film und Fernsehen: Haupt- und Nebenrollen für das Berliner Kriminalgericht
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14:57 17.02.2020
Die Eingangshalle im Kriminalgericht Moabit mit Treppenaufgängen. Quelle: Jens Kalaene/dpa
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Berlin

Die Aufregung ist nicht vergessen: Als Schauspieler Elyas M'Barek im Berliner Kriminalgericht erscheint und einen echten Prozess verfolgt, gucken alle nur nach hinten auf die Zuschauerbank zu ihm. Die Gerichtsleute seien nervös gewesen, die Verhandlung etwas holprig, erinnert sich Gerichtssprecherin Lisa Jani an den Besuch des prominenten Schauspielers („Fack ju Göhte“), der sich auf eine Rolle in dem Film „Der Fall Collini“ vorbereitete. Der Streifen, in dem M'Barek einen Anwalt spielt, kam im vergangenen Jahr heraus.

Berliner Gerichte werden bis zu 40 Mal pro Jahr zu Filmkulissen

Nicht nur das altehrwürdige Berliner Kriminalgericht ist immer wieder eine gefragte Adresse für Filmleute. Jedes Jahr werden Säle, Foyers oder Treppen in Berliner Gerichtsgebäuden im Schnitt bis zu 40 Mal für Film- und Fernsehaufnahmen gebucht, wie die Sprecherin der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), Johanna Steinke, auf Anfrage mitteilte. 2019 schlossen Filmfirmen 31 Mal entsprechende Verträge ab.

Der Saal 700 im Kriminalgericht Moabit. Quelle: Jens Kalaene/dpa

Großes Interesse gibt es laut BIM etwa auch für das historische Gerichtsgebäude in der Littenstraße mit imposanter Eingangshalle. Die BIM ist Eigentümerin der Gerichtsgebäude in Berlin, sie vermietet nach eigenen Angaben die Motive.

In den vergangenen zwei Jahren konnten durch die „Motivvermietung“ laut BIM-Sprecherin Einnahmen im niedrigen sechsstelligen Bereich erzielt werden. Der größte Teil davon fließe in die Landeskasse. Vereinbart werden mit Filmfirmen entweder Pauschalen oder Stundensätze. Und: Jede Filmproduktion müsse eine Haftpflichtversicherung vorweisen, die für eventuelle Schäden an den Drehorten aufkäme.

Denkmalgeschützter Bau

Im Kriminalgericht sagt Sprecherin Jani, auch die beeindruckende Treppe in der Haupthalle des mehr als 100 Jahre alten Gebäudes sei ein immer wieder gern ins Bild gerücktes Motiv. Für „Der Fall Collini“ nach dem Buch von Ferdinand von Schirach stammten einige Aufnahmen aus dem denkmalgeschützten Bau an der Turmstraße in Moabit. Eine Nebenrolle spielte das Gericht demnach auch in den Serien „Die Heiland – Wir sind Anwalt“ und „Four Blocks“ sowie in „Keinohrhasen“.

Das Kriminalgericht ist laut Jani Europas größter zusammenhängender Gerichtskomplex für Strafsachen. Auch der Saal 138 mit historischer Holzverkleidung sei optisch sehr ansprechend und werde gern für Filmaufnahmen gebucht, berichtet Jani. In dem ZDF-Film „Naomis Reise“ gibt es in dem Saal einen Prozess, in dem ein echter Richter die Verhandlung führt.

Keine Prozesse während der Dreharbeiten

Schauspieler, Kameraleute und Regisseure können laut Jani nur drehen, wenn keine Prozesse parallel stattfinden – also meist am Wochenende. Kürzere Drehs seien auch morgens zwischen 6 und 8 Uhr möglich – vor Öffnung des Hauses für das Publikum. „Abends lassen wir grundsätzlich keine Dreharbeiten zu. Denn es kann nicht vorausplant werden, wann die letzte Gerichtsverhandlung zu Ende ist.“

Der Eingangsbereich des Berliner Landgerichts in der Littenstraße im Bezirk Mitte. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa

Der Sicherheitsdienst des Gerichts legt demnach fest, wie viele Justizbedienstete die Dreharbeiten begleiten sollen. Für Wachtmeister und ihre Kolleginnen sei das eine Nebentätigkeit, die von den Filmteams bezahlt werden muss.

Kopfschütteln oder Heiterkeit unter Richtern gebe es, wenn es trotz Hinweisen durch das Gericht im Film nicht realistisch zugehe, ist zu hören. So habe einmal ein Regisseur einen Schauspieler-Verteidiger neben den Film-Angeklagten in eine Box aus Panzerglas gesetzt – „er hat es so einfach optisch schöner gefunden“, meint Richterin Jani. Die besonders gesicherte Box sei aber ausschließlich für Angeklagte, die aus der Untersuchungshaft ins Gericht gebracht werden.

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Von Jutta Schütz