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Brandenburg Finanzwirt klingt trockener als es ist
Brandenburg Finanzwirt klingt trockener als es ist
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15:38 05.06.2019
Johanna Bogen und Max Böttcher lernen an der Landesfinanzschule Königs Wusterhausen. Quelle: Gerlinde Irmscher
Königs Wusterhausen

„Wenn Sie nur etwas mit Zahlen machen möchten, dann sind Sie hier nicht richtig.“ - Als Johanna Bogen zum Anfang ihrer dualen Ausbildung an der Landesfinanzschule in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) diesen Satz von einem Dozenten hört, ist sie zunächst erschrocken. Damals hatte die heute 21-Jährige gerade ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre bei einem großen Unternehmen an den Nagel gehängt, um sich neu zu orientieren. „Ich wollte nicht so weit von Zuhause weg, ein sicheres Gehalt als Beamtin und flexible Arbeitszeiten“, schildert die Luckenwalderin ihre Beweggründe, sich für die Ausbildung zur Finanzwirtin im mittleren Dienst zu entscheiden. Bereut hat sie es ebenso wenig wie ihr Kommilitone Max Böttcher, der sich für den gehobenen Dienst und damit für die Fachhochschule in Königs Wusterhausen entschieden hat.

An der Landesfinanzschule beziehungsweise Fachhochschule für Finanzen findet der theoretische Teil der Ausbildung beziehungsweise des Studiums statt. Nach erfolgreichem Abschluss steht den Absolventen der Weg in die Finanzverwaltung des Landes offen.

Gute Mathekenntnisse und Interesse für Gesetze notwendig

„Gute Mathekenntnisse, vor allem in den Grundrechenarten, Prozentrechnung und Dreisatz, sind natürlich gefragt, aber eben nicht ausschließlich“, bestätigen Johanna Bogen und Max Böttcher. Worum keine angehende Finanzwirtin beziehungsweise kein angehender Diplom-Finanzwirt herumkommt, sind Gesetze, Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften. Das ist gar nicht so langweilig, wie es sich anhört, meinen beide. „Erst einmal fühlt man sich vielleicht von dem Steuerrecht erschlagen. Aber es ist ja auch nicht so, dass man alles auswendig wissen muss. Man muss nur wissen, wo es steht“, fügt Johanna Bogen erklärend hinzu.

Für Max Böttcher gab es zu Beginn seines dualen Studiums weniger Überraschungen, absolvierte er doch zunächst eine Schnupperwoche im Finanzamt seiner Heimatstadt Königs Wusterhausen. „Das hat mir gut gefallen. Damals habe ich bemerkt, wie viele Aufgabenbereiche es dort gibt. Mir hat auch der Umgang mit den Menschen Spaß gemacht, sei es am Telefon oder mit den Kollegen vor Ort“, so der 21-Jährige. Während seines dreijährigen Studiums an der Fachhochschule ist er 15 Monate im Finanzamt, wo er bereits reale Steuerfälle bearbeitet.

Langweilige Büroarbeit ist ein Klischee

Praxisnah ist auch die zweijährige Ausbildung, die Johanna Bogen absolviert: Bei ihr wechseln Fachtheorie und Berufspraxis, insgesamt kommt sie auf 16 Monate im Finanzamt Luckenwalde. Von den Kollegen in ihren jeweiligen Ämtern wurden beide gut aufgenommen und sie schwärmen von der viel gepriesenen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die wirklich gegeben sei. Wenn sie schon einmal dabei sind, räumen sie ein weiteres Klischee aus – das der langweiligen Büroarbeit: „Jeder Steuerfall ist individuell und anders“, sagt Max Böttcher. Spannend kann es auch sein, im Außendienst zu arbeiten. Dabei erleben die Anwärter beispielsweise auch den Berufsalltag von Vollziehungsbeamten inklusive Betriebsprüfung oder gar Pfändung. „Dafür muss man der Typ sein“, hat Böttcher festgestellt, den Bilanzen mehr als Steuerfahndung interessieren.

Ausbildung und auch Studium werden bezahlt

Sowohl für das Studium als auch für die Ausbildung werden Anwärtergrundbezüge bezahlt. Wer nicht nach Königs Wusterhausen pendeln möchte, kann auf dem Campusgelände ein möbliertes Zimmer mieten. „Während der Prüfungsphasen, wenn wir uns mit Lerngruppen treffen, ist es super, gleich hier zu wohnen“, meint Johanna Bogen, die ebenso wie Max Böttcher dann länger bleibt.

Im August schließen beide Ausbildung beziehungsweise Studium ab. Und danach? Drei Finanzämter im Land Brandenburg können sie als Wunscharbeitsplatz angeben, aber eigentlich möchten beide dort bleiben, wo sie gelernt haben. Ein besseres Kompliment können sie der Ausbildung in den Finanzämtern gar nicht machen.

Familie und Freunde sehen die Karrierewege der Finanzwirte entspannt. Manchmal bekommen sie zwar eine Steuerfrage gestellt, aber sollte das überhandnehmen, weiß sich Max Böttcher schlagfertig zu helfen: „Als Beamte dürfen wir gar nicht steuerberatend tätig werden.“

Der Weg in die Finanzverwaltung

Der Ausbildungs- und Hochschulinformationstag findet am 15. Juni 2019 von 9.30 bis 14 Uhr auf dem Campus des Aus- und Fortbildungszentrums, Schillerstraße 6, in Königs Wusterhausen statt. Außerdem gibt es auf etlichen Messen einen Stand der Brandenburger Finanzverwaltung. So zum Beispiel am 24. August bei „Zukunft Ausbildung“ am Oberstufenzentrum Königs Wusterhausen, Brückenstraße 40, sowie am 10. September 2019 von 8.30 bis 14.45 Uhr im Vocatium Potsdam, MBS Arena, Olympischer Weg 6.

Das Online-Bewerbungsportal für eine Einstellung in der Finanzverwaltung im Spätsommer 2020 ist seit 1. Juni 2019 freigeschaltet.

Internet: www.steuer-deine-zukunft.de

Von Claudia Braun

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