Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Wie Brandenburg einen kleinen Ölboom erlebt
Brandenburg Wie Brandenburg einen kleinen Ölboom erlebt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:01 26.03.2019
Die Central European Petroleum GmbH bohrt in Guhlen nach Öl und Gas. Quelle: dpa-Zentralbild
Anzeige
Potsdam

Auch wenn in Zeiten der Klimakrise viele auf Gas und Öl gar nicht gut zu sprechen sind, wird in Brandenburg wieder nach diesen Bodenschätzen gesucht. Im Bergwerksfeld Guhlen (Dahme-Spreewald) sucht die Central European Petroleum (CEP) GmbH zwischen den Ortschaften Ressen und Guhlen nach ausbeutbaren Erdöl- und Erdgasvorkommen. Etwas weiter westlich beim Ort Krugau hat die Firma im Winter 2016 eine weitere Erkundungsbohrung gelegt.

Bei Zehdenick (Oberhavel) ist die Jasper Resources GmbH nur an der Förderung des dort existierenden Erdgases interessiert. Sie hat bisher allerdings ein Areal nur seismisch untersucht. Bei den Anwohnern sorgt das für erhebliche Unruhe. Der Bund für Umwelt und Naturschutz prüft eine Klage, den Landtag hat eine Petition erreicht.

Anzeige

Doch nicht nur die Suche nach fossilen Bodenschätzen gibt es: Östlich von Golzow (Märkisch-Oderland) wird im Bergwerksfeld „Kietz“ schon seit DDR-Zeiten Erdöl gefördert. Die Förderung ist zwar rückläufig, betrug aber im Jahr 2017 immerhin noch 5419 Tonnen.

Land würde von Förderung profitieren

„Gemessen am technologischen und finanziellem Aufwand befassen sich die bedeutendsten Erkundungsvorhaben in Brandenburg derzeit mit der Aufsuchung von Erdöl und Erdgas“, sagt Jürgen Hackl, Leiter des Dezernates für Beteiligungsverfahren im Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg in Cottbus.

Brandenburg ist traditionell auch schon immer Energieland gewesen“, begründet die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums, Claudia Lippert, die Erlaubnis für Erkundungen. Das Land hätte auch wirtschaftlich etwas von einer Ausbeutung. Sollte es zu Förderung nach neuerem Recht kommen, was zum Beispiel für die Öl-undGas-Erkundungen am Rande des Spreewalds zutreffen würde, stünden dem Land gemäß der Feldes- und Förderabgabeverordnung zehn Prozent des Marktwertes zu. Allerdings bleibe die Erdöl- und Gasförderung ein kleiner Wirtschaftszweig. „Wir sind nicht Texas und nicht Saudi-Arabien“, so Lippert.

Dem würde wohl auch Hanna Jansky, Sprecherin des Unternehmens Neptune Energy Deutschland, zustimmen. Neptune Energy betreibt bei Golzow mit dem alten Feld „Kietz“ die einzige Erdölförderstelle Brandenburgs und eine der wenigen auf deutschem Festland überhaupt. „Derzeit laufen zwei Pumpen“, sagt Jansky. Aber gerade weil der Betrieb sehr klein und nicht aufwendig sei, rechne sich das Unterfangen. „Es ist wirtschaftlich.“ Grund genug für einen kleinen Ölboom in Brandenburg. So sieht das auch die Central European Petroleum GmbH (CEP).

„Natürlich importiert Deutschland viel Erdöl und Erdgas, aber die Förderung dieser heimischen Rohstoffe kann die Versorgung zumindest zu einem kleinen Teil sichern“, sagt CEP-Pressesprecherin Katrin Schwede. Die CEP habe sich 2008 vor dem Hintergrund dieses Geschäftsmodells als Tochter des kanadischen Mutterhauses Central European Petroleum Ltd. gegründet.

DDR bohrte 650 Stellen Brandenburgs an

„Die DDR hat schon seit den 50er Jahren das Gebiet des heutigen Brandenburgs großflächig und umfassend untersucht“, sagt sie. Damals wurden nach Auskunft des Landesbergbauamtes an rund 650 Stellen nach Erdgas und Erdöl gebohrt. An einigen Stellen wurde auch gefördert. „Man weiß, dass es in Brandenburg Erdöl und Erdgas gibt“, so Schwede. „Wir waren das erste Unternehmen, das sich die Daten dieser Untersuchungen noch einmal angesehen hat.“ Auf deren Grundlage und nach weiteren Untersuchungen wurden die aktuellen Projekte gestartet.

Die Central European Petroleum GmbH brachte nach seismischen Voruntersuchung ab 2009 im Jahr 2012 die Bohrung namens Guhlen 1 in der Gemeinde Schwielochsee nieder. Vier Jahre später folgte die abgelenkte, also schräge Bohrung Guhlen 1a. Sie wies ein bedeutendes Erdgas- und Erdgaskondensatvorkommen nach. Letzteres kann für die Produktion von Benzin genutzt werden. Jetzt will die Gesellschaft herausfinden, wie groß die Lagerstätte ist und ob die Vorkommen gut fließen würden. Dazu hat CEP noch in diesem Winter 2018/19 von dem bestehenden Bohrplatz die Erweiterungsbohrung Guhlen 1b abgeschlossen. Die soll bald mit einem Kurzzeit-Fördertest näher untersucht werden. Die Genehmigung für diesen Fördertest durch das Landesamt für Bergbau steht noch aus.

Antrag auf Bewilligung zur Gewinnung von Erdöl und Erdgas wurde 2017 bewilligt

Außerdem will CEP irgendwann die Erweiterungsbohrung Guhlen 2 verlegen. Man müsse die Lagerstätte genauer prüfen, so Schwede. „Wir wollen sehen, was da genau ist und ob eine Förderung wirtschaftlich möglich wäre.“ Das hänge zum Beispiel davon ab, ob das Gas oder Öl von alleine in solch ein Bohrloch strömt. Ein Antrag auf Bewilligung zur Gewinnung von Erdöl und Erdgas im Feld hat das Landesamt für Bergbau schon 2017 bewilligt. Damit verfügt die Gesellschaft aber lediglich über das exklusive Recht zur Ausbeutung des Feldes. Konkrete Fördermaßnahmen müssen extra bewilligt werden.

Die CEP hat außerdem schon im Winter 2015/16 die Bohrung Märkische Heide 1 bei Krugau und im Frühjahr 2017 von dieser Bohrleitung ausgehend die Bohrung Märkische Heide 1a angelegt. Gesucht wurde nach Lagerstätten im Karbonat und Sandstein, die möglicherweise Öl oder Gas führen. Die Ablenkung Märkisch Heide 1a fand tatsächlich entsprechende Energieträger vor, allerdings war das Speichergestein nicht besonders durchlässig. Trotzdem prüft CEP, ob das Feld entwickelt werden kann.

„Wir fokussieren uns jetzt erst einmal auf Guhlen“, sagt Sprecherin Schwede. Letztlich sei das Unternehmen davon überzeugt, auch solche kleineren deutschen Lagerstätten wirtschaftlich ausbeuten zu können. Auf dieses Marktsegment habe sich CEP in Deutschland spezialisiert. Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist sie deshalb mit Bohrungen unterwegs.

Ganz in der Nähe von Guhlen hatte die Bayerngas GmbH Ambitionen. Auf Grundlage von Daten noch aus DDR-Zeiten hat sie in der Nähe von Beeskow (Oder-Spree) nach Gasvorkommen gesucht. In knapp 3000 Metern Tiefe fand die Firma tatsächlich Sandstein mit Gas, entschied sich aber gegen eine Nutzung. Inzwischen hat die Genexco GmbH die Rechte der Bayerngas GmbH übernommen.

Anwohner befürchten Umweltprobleme

Nach Auskunft eines Sprechers beinhaltet die Übernahme der Lizenz vor allem die Rückbauverpflichtung der Bohranlage. „Wir prüfen derzeit mögliche Alternativen“, so der Sprecher. Eine künftige Gasförderung auf dem Feld schloss er nicht völlig aus. Genexco prüft aber vor allem eine Neunutzung etwa in Form von Geothermie. „Das würde aber eine neue Lizenz erfordern“, so der Sprecher.

Solche Eingriffe in die Landschaft stoßen auf Widerstand. Die Bürgerinitiative „Gegen Gasbohrung Zehdenick/Templin und die Umweltorganisation BUND Brandenburg liegen zur Zeit mit der Jasper Resources GmbH im Clinch. Diese hat östlich von Zehdenick (Oberhavel) bisher nur eine rund zehn mal zehn Quadratkilometer große Fläche untersucht, aber das Unternehmen will natürlich irgendwann Speicherstrukturen auch anbohren.

Das versuchen die Bürgerinitiative und der BUND Brandenburg zu verhindern. Die Bürgerinitiative hat eine Petition gegen das Projekt im Brandenburgischen Landtag eingereicht. Der stellvertretende BUND-Vorsitzende Thomas Volpers sagt dazu: „Große Teile des Feldes Zehdenick-Nord liegen in Schutzgebieten. Der Erhalt der Landschaft und der naturnahe Tourismus sollten hier Vorrang vor der Erdgasgewinnung haben." BUND-nahe Experten wie der Wasserwirtschaftler Bernd Ebeling oder der Charité-Arzt Karl Christian Bergmann sehen durchaus Gefahren für die Umwelt und die Gesundheit.

Theoretisch wären noch viel mehr Bohrungen möglich. An die Neptune Energy Deutschland gingen nach der Wende alte unbefristete Bergbauberechtigungen über. Insgesamt hat das Unternehmen elf Flächen mit Bergbauberechtigung. Sie liegen durchweg im Osten Brandenburgs, die meisten im Landkreis Spree-Neiße. „Kurz und mittelfristig sind keine Bohrungen geplant“, sagt Neptune-Sprecherin Hanna Jansky. „Ausschließen kann man das aber nicht.“ Ob sich das Unternehmen eines Tages wieder seines alten Bergwerkseigentums annehmen werde, hänge zum Beispiel auch von der Entwicklung der Rohstoffpreise ab.

Erdöl und Erdgas aus Brandenburg dürften aber Spartengeschäft bleiben. Den Hauptenergieträger des Landes toppen sie selbst in Zeiten der Kohleausstiegs nicht. Im vergangenen Jahr förderte die Leag im Lausitzer Revier in Jänschwalde und Welzow Süd immer noch fast 32 Millionen Tonnen Braunkohle.

Grundsätzlich wirtschaftlich interessant sind aber nicht nur die Energieträger, sondern auch Mineralien wie Kiessand, Kies, Sand, Quarzsand, Ton und Hartgestein. 109 fördernde Betriebe haben zum Beispiel 2017 insgesamt 16,3 Millionen Tonnen Kies und Sand gehoben. Auch 3,1 Millionen Tonnen Kalkstein waren abgetragen worden.

Von Rüdiger Braun