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Brandenburg Fliegende Werkzeuge für Handwerker
Brandenburg Fliegende Werkzeuge für Handwerker
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19:12 17.06.2018
Wie Drohnen richtig gesteuert werden, können Handwerker in Götz lernen. Quelle: Julian Stähle
Groß Kreutz

Die weiße Drohne hat eine regensichere Kapsel und trägt wahlweise Foto- oder Wärmebildkamera. „Und wir haben auch an eine hohe Akkuleistung gedacht“, sagt Tilo Jänsch, Geschäftsführer des Zentrums für Gewerbeförderung Götz (Potsdam-Mittelmark) der Handwerkskammer (HWK) Potsdam. Bei Wind und Wetter könne man das im April angeschaffte Fluggerät starten und bis zu 45 Minuten lang in der Luft lassen.

30000 Euro kostet die „md-4-1000“, die der Siegener Hersteller Microdrones geliefert und auf die Bedürfnisse des Götzer Zentrums für Gewerbeförderung zugeschnitten hat. Zum Beispiel gibt es eine Fernsteuerung für einen Schüler und eine übergeordnete Steuerung für einen Lehrer – ähnlich wie bei einem Fahrschulauto. Das Bundeswirtschaftsministerium und das Land Brandenburg haben den Kauf unterstützt. Es geht um Digitalisierung und technische Aufrüstung mittelständischer Firmen. Die HWK wird im Zentrum für Gewerbeförderung ab September dieses Jahres als eine der ersten Handwerkskammern in Deutschland überhaupt den Drohnenführerschein für Handwerksunternehmen anbieten. Der ist Pflicht für Drohnen über zwei Kilogramm Abfluggewicht.

Dachdecker und Bauunternehmen setzen schon auf Drohnen

Als „das fliegende Werkzeug für Handwerk und Planer“ bewirbt die Kammer die Fluggeräte auf ihrer Webseite. „Wir haben uns schon Anfang 2017 Gedanken darüber gemacht, wie wir mit dem Trend umgehen“, sagt Geschäftsführer Jänsch. Drohnen, da sind sich Jänsch und der HWK-Beauftragte für Innovation und Technologie (BIT), Sven Ellinger, sicher, werden zur Standardausrüstung vieler Handwerksbetriebe gehören. Die surrenden Flieger sind auch in Brandenburg kein Neuland mehr. Schon jetzt setzen Fotografen, Dachdecker, Bauunternehmen, Touristiker und die Forstwirtschaft sie ein. In Deutschland fliegen womöglich schon eine Million Drohnen, die meisten in privater Hand. Wie viele kleinere Firmen Drohnen nutzen, weiß man nicht. Es gibt noch keine Registrierungspflicht in Deutschland. Aber die Handwerkskammer Potsdam findet, es sei buchstäblich noch viel Luft nach oben.

Handwerker würden Zeit und Kosten sparen und bessere Arbeit liefern, wenn sie Fluggeräte mit Messinstrumenten nutzten, meint Jänsch. Er nennt das Beispiel des Dachdeckers. „Sie müssen kein aufwendiges Gerüst mehr bauen, wenn Sie den Zustand eines Daches an schwer zugänglichen Stellen überprüfen wollen“, sagt Jänsch. Stattdessen werde eine Drohne mit Fototechnik über das Haus geschickt. Außerdem gibt es Software, mit der Handwerker aus den Fotos die Dachfläche ermitteln können. Besonders bei komplizierter Bauweise des Daches mit Gauben und engen Winkeln spart das Aufwand.

Führerschein ab zwei Kilo

Seit dem 7. April 2017 gilt in Deutschland die „Verordnung zur Regelung des Betriebs von unbemannten Fluggeräten“. Das Regelwerk wird auch „Drohnen-Verordnung“ genannt. Demnach braucht man bei einer Drohne, die mehr als zwei Kilogramm wiegt, seit Oktober 2017 zwingend einen Drohnenführerschein. Bei Zuwiderhandlungen können schon mal 1500 Euro Bußgeld fällig sein.

Viermal gab es laut Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) seit 2015 gefährliche Eingriffe in den Luftverkehr mit Drohnen, was eine Straftat darstellt. Dabei wurden Drohnen bei den Flughäfen Schönefeld und Tegel betrieben. Dreimal wurden Gebiete mit Flugbeschränkung innerhalb Potsdams überflogen und zweimal wurden unerlaubt Fotos gemacht. Auch das waren Straftaten.

Auch Ordnungswidrigkeiten wie Flüge über Menschenmengen kamen vor. Allein 2017 war in Brandenburg 132-mal die Polizei wegen herumschwirrender Drohnen alarmiert worden. Ob die Betreiber bewusst Privat- und Gewerbegrundstücke ausspähen wollten, ist nicht klar.

Auch für den Straßenbau taugen Drohnen. „Man kann den Zustand von Straßen prüfen oder vor dem Bau das Gelände und später den Fortschritt beim Bau dokumentieren“, so Jänsch. Landwirte könnten Drohnen über Felder fliegen lassen. Dabei lässt sich ebenso gut der Zustand der Feldfrucht prüfen wie der Einsatz von Dünger verbessern. Vor der Ernte könnte man ohne Probleme nachsehen, ob auf dem Feld Kitze ruhen, die vom Mähdrescher erfasst werden könnten. Elektroinstallateure wiederum können Drohnen mit Wärmebildkameras über Photovoltaikanlagen auf Dächern schwirren lassen und so deren Zustand kontrollieren. Eine Investition sei es schon, wenn sich ein Handwerksbetrieb eine Profidrohne nebst Ausrüstung anschaffe. Die Kammer wolle aber deutlich machen, dass es sich für bestimmte Betriebe lohnen kann.

Acht Berufsgruppen, die von Drohnen profitieren könnten, nennt ein Prospekt der Handwerkskammer. „Wir werden Geschäftsmodelle entdecken, die wir jetzt noch gar nicht im Kopf haben“, sagt der Innovationsbeauftragte Ellinger. Er informiert künftig das Handwerk über die Technologie. Für die Einsätze wären meist Drohnen und Ausstattungen nötig, die mehr als zwei Kilo Abfluggewicht haben. Dafür braucht man den umgangssprachlich Drohnenführerschein genannten Kenntnisnachweis.

Ein Lehrgang mit Flugpraxis dauert zwei Tage

Zwei Tage lang dauert ab September ein Lehrgang im Ausbildungszentrum Götz. Zwölf Stunden müssen die Teilnehmer für den theoretischen Teil und für die vorgeschriebenen Prüfung aufwenden. Einen halben Tag lang gibt es Flugpraxis. Teilnehmer sollen am Ende Drohnen sicher und dem Recht entsprechen fliegen können.

Die Drohnenführerscheine sollen nur der Anfang sein. Das Thema Drohne wird auch immer mehr in die Ausbildung der Meister im Zentrum für Gewerbeförderung einfließen. Es wird künftig vor allem auch darum gehen, wie man die von Drohnen gewonnenen Daten richtig auswertet. Schon im Herbst zeigt Ellinger in einer Veranstaltung, wie Drohnen bei Inspektionen, Vermessungsaufgaben, Dokumentationen und Revision Handwerker unterstützen können. Er meint: Bald werden Drohnen zur Grundausstattung auch kleiner Betriebe gehören. 

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