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Brandenburg Wie der BER ans Netz gehen soll – und was noch alles schief gehen kann
Brandenburg Wie der BER ans Netz gehen soll – und was noch alles schief gehen kann
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17:57 29.11.2019
Der BER glich einer ewigen Baustelle. Jetzt soll damit Schluss sein. Quelle: Gellner
Schönefeld

Mit neun Jahren Verspätung soll am 31. Oktober 2020 die erste reguläre Maschine am Flughafen BER landen. Ohne großen Pomp – auf eine Eröffnungsparty, wie sie seinerzeit im Mai 2012 mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im neuen Schönefelder Terminal geplant war, will Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup verzichten. Es wäre nach dieser schier endlosen Abfolge von Pannen und Pleiten auch ein eher peinliches Bild. Wer würde sich da für was feiern?

Ob es im kommenden Jahr tatsächlich etwas zu feiern gibt? Der BER-Boss ist sich sicher, dass der Eröffnung nichts mehr im Wege steht. Trotzdem ist sein Zeitplan ehrgeizig. Und Restrisiken bleiben, auch wenn sie im Vergleich zu früheren Projektständen beherrschbar scheinen.

Die Rauchschürzen und der Bahnhof

An der unterirdischen Schnittstelle zwischen dem Bahnhof und dem Terminal gibt es ein „Kommunikationsproblem“. Vereinfacht gesagt, können die Brandschutzanlage des Flughafens und der des Bahnhofs nicht so gut miteinander. Sie müssen sich aber verstehen und die Brandschutztechnik muss in beiden Bereichen aufeinander abgestimmt funktionieren. Das Problem liegt aber, so beteuert man bei der Flughafengesellschaft, auf Seiten der Bahn, die hier noch ihre Software nachbessern müsse.

In diesem Bereich gibt es außerdem noch Ärger mit den Rauchschürzen – Schutzvorhänge, die im Brandfall von der Decke gelassen werden und verhindern sollen, dass sich Rauch ausbreitet und verwirbelt. Die verbauten Motoren sind ungeeignet für den Job. Sie können die Schürzen nur ganz herunterlassen oder gar nicht – Zwischenstufen beherrschen sie nicht, sollen sie aber. Deswegen müssen die Motoren getauscht werden. Bis Weihnachten sollen sie eingebaut sein.

Die vollen Kabelschächte

Heute kann oder will niemand in der Flughafengesellschaft sagen, warum das Problem mit überbelegten Kabelschächten noch immer nicht behoben ist. Es hat bislang noch jeden Flughafenchef beschäftigt. Mehrmals war es als praktisch gelöst bezeichnet worden. Die Insolvenz der damit beauftragten Firma Imtech hatte die Sanierungsarbeiten zwischenzeitlich zurückgeworfen. Die Arbeiten werden sich wohl noch bis ins nächste Jahr hinziehen.

Die unzertifizierten Dübel

Das Problem mit Dübeln, denen die Zulassung, genauer der sogenannte Verwendungsnachweis fehlt, hält Lütke Daldrup für medial aufgebauscht und eher für eine Formalie. Die Metallstifte – es geht nicht um gemeine Plastikdübel – sind sicher, allerdings fehlen ihnen die nötigen Zertifikate. Sie sind Opfer der langen Bauzeit. Vor ein paar Jahren waren sie noch zugelassen.

Die komplexe Bauabnahme

Das Bauamt in Königs Wusterhausen im zuständigen Landkreis Dahme-Spreewald muss den Flughafen genehmigen. Das ist ein gewaltiger Prozess, die Ordner mit den Unterlagen dürften eine Lkw-Ladung füllen. Zuletzt hatte es geheißen, dass sich die sogenannte Fertigstellungsanzeige bis ins nächste Jahr verzögern werde. Der Prozess hat aber schon angefangen. Mitte November wurden die ersten Unterlagen eingereicht. Dennoch, wird sich die Prüfung hinziehen. Der Flughafen rechnet mit mehreren Monaten.

Die große Generalprobe

Nach der Baufertigstellungsanzeige soll im April das sogenannte ORAT-Programm starten. Dabei werden die Abläufe am BER unter Realbedingungen getestet, damit auch die Mitarbeiter, die noch in Tegel und am alten Schönefelder Flughafen arbeiten, die neue Umgebung kennenlernen. Teil der Generalprobe ist auch der Testlauf mit 20.000 Komparsen. Das sind doppelt so viele wie beim Probebetrieb im Jahr 2012. Sie sollen Schwachstellen aufspüren. Anhand ihrer Bewegungsmuster lässt sich auch erkennen, ob die Beschilderung im BER verständlich ist. Voraussichtlich im Januar will der Flughafen die Komparsen offiziell zur Bewerbung auffordern.

Der sanfte Umzug

Der Flughafen Tegel muss, so die Auflagen, innerhalb von einem halben Jahr nach Eröffnung des BER vom Netz genommen werden. 2012 träumte die damalige Geschäftsführung davon, Tegel quasi über Nacht leer zu räumen und sämtliches technisches Gerät über die gesperrte Stadtautobahn nach Schönefeld zu transportieren – ein überaus riskanter Plan. Lütke Daldrup plant einen Umzug in mehreren Schritten. Easyjet wird als erste Airline mit ihrer Flotte an den BER ziehen. Am Samstag, 31. Oktober, sollen nach jetziger Planung abends die ersten Maschinen am BER landen, dann aber noch auf der Nordbahn (die auch von Schönefeld Alt genutzt wird). Am Sonntag sollen die am Vorabend gelandeten Maschinen erstmals vom BER starten.

Die zweite BER-Piste, die Südbahn, wird ab dem 4. November beflogen. Am Wochenende des 7. und 8. November sollen schließlich die restlichen Airlines nach Schönefeld ziehen und der Flughafen Tegel dann schließen.

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Von Torsten Gellner

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hat sich festgelegt: Der neue Berlin-Brandenburger Großflughafen BER soll am 31. Oktober 2020 eröffnen. Dieses Datum nannte der BER-Chef am Freitag im Aufsichtsrat. Es ist bereits der siebte Eröffnungstermin für das Pannenprojekt.

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