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Flughafen BER Warum diese Männer Vögel am BER verscheuchen
Brandenburg Flughafen BER Warum diese Männer Vögel am BER verscheuchen
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00:22 27.01.2019
Richard Klauß, Referent Bird & Wildlife Control, Felix Scholz (v.l.) und Hündin Lea sind vor allem auf den Grünflächen an den Berliner Flughäfen im Einsatz. Quelle: Nadine Pensold
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Schönefeld

Möwen, Hasen, Schwalben, Wildgänse, Füchse, Mäusebussarde – auf den Grünflächen rund um den Flughafen Schönefeld und den BER tummelt sich allerhand Getier. Und das haben Richard Klauß und Felix Scholz täglich im Blick. Sie kümmern sich um „Bird and Wildlife Control“ an den Berliner Flughäfen – zu deutsch: Vogelschlag und Wildtiermanagement.

Gefahr durch Vogelschlag

Denn vor allem Vögel können für den Flugbetrieb tückisch werden. Etwa wenn ein Taubenschwarm über die Startbahn zieht, eine Schwalbe gegen das Cockpit prallt oder gar ein Flattermann in ein Triebwerk gerät. „Solche Vorfälle können schnell zu kleinen Turbulenzen im Betriebsablauf führen“, erklärt Richard Klauß, Referent für Vogelschlag und Wildtiermanagement. Die Folgen reichen von Verspätungen bis zu kostspieligen Schäden am Flugzeug und Triebwerk. „Eine Taube reicht schon aus, um einen Schaden im Triebwerk zu verursachen“, sagt der Vogelschlag-Experte. „Das kann dann auch mal schnell in den sechsstelligen Bereich gehen.“

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Zwei Jungfüchse erkunden die weiten Grünflächen in Schönefeld und rund um den neuen Hauptstadtflughafen BER. Quelle: Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg FBB

Welche Gefahr von Vögeln für den Luftverkehr ausgehen kann, wurde Anfang 2009 deutlich: Damals gerieten Wildgänse in das Triebwerk einer Maschine, die in New York Richtung Seattle startete. Die Triebwerke fielen aus, der Pilot führte eine spektakuläre Notlandung auf dem Hudson River durch. Kein Wunder also, dass „Bird and Wildlife Control“ eine vorgeschriebene Auflage für den Betrieb von Flughäfen ist.

Radar erfasst Vogelbewegungen

Über ein Radar in ihrem Einsatzfahrzeug haben Richard Klauß und sein Mitarbeiter Felix Scholz genau im Blick, wo gerade kleine und auch größere Vogelschwärme unterwegs sind. „Was der Tower an Flugbewegung der Flugzeuge sieht, können wir an Vogelbewegungen erkennen“, erklärt Richard Klauß. Mindestens zweimal pro Tag wird das Flughafengelände abgefahren. Rund 1700 Hektar gibt es da zu inspizieren.

Über ein Radar erkennen Felix Scholz und Richard Klauß (v.l), wo sich gerade Vogelschwärme tummeln. Quelle: Nadine Pensold

Auch der Vorfeldservice und Follow-Me-Fahrer haben bei ihren Kontrollfahrten stets auch einen Blick darauf, ob sich irgendwo Vögel zur Rast oder Nahrungsaufnahme niedergelassen haben. Damit sie es sich dort nicht gemütlich machen, sind die Fahrzeuge mit Signalrevolvern ausgestattet, so dass die Tiere mit Pyrotechnik verscheucht werden können – vergrämen nennt das der Fachmann. Das passiert auch mittels sechs festinstallierten Gaskanonen, die sich auf dem Gelände finden. „Die Vögel können die Druckwelle über das Gefieder wahrnehmen“, erklärt Felix Scholz. Das empfinden sie als unangenehm, daher machen sie sich davon. Solche Einsätze werden dabei immer auch der Verkehrsleitung gemeldet.

Vierbeinige Spezialistin: Jagdhündin Lea

Weil manche Vögel sich nicht lange von diesen Maßnahmen einschüchtern lassen, gehört seit einigen Monaten Jagdhündin Lea mit zum Team. Sie wird dazu ausgebildet dabei mitzuhelfen, das Federvieh effektiv zu vergrämen.

Bei ihrer Arbeit beobachten Richard Klauß und Felix Scholz aber nicht nur die Vögel auf dem Gelände. Ihre Aufmerksamkeit gehört auch den Tieren, die sich auf vier Beinen auf den Flächen der Flughafengesellschaft herumtreiben. Dazu zählen sowohl die Wildschweinrotten außerhalb der eingezäunten Bereiche als auch Hasen oder Füchse, die in den weiten Wiesen ihr Zuhause haben.

Füchse werden am Flughafen geduldet

Zwischen 25 und 30 Füchse leben rund um die Start- und Landebahnen. Zwar sind sie nicht so zutraulich wie die Stadtfüchse am Flughafen in Tegel, doch auch in Schönefeld kommen die Tiere immer wieder in die Nähe der Menschen. Aktuell schaut zum Beispiel ein Fuchspaar regelmäßig bei der Baustelle für das neue Terminal 2 vorbei, verrät Richard Klauß, der allen Mitarbeitern auf den Flughafengelände regelmäßig den richtigen Umgang mit den Wildtieren erklärt. „Die Füchse werden von uns aber geduldet“, sagt er. Denn sie helfen mit, die Vögel vom Gelände zu vergrämen, und minimieren gleichzeitig noch die Mäusepopulation.

Von Nadine Pensold

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