Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Flughafenchef stellt Antrag zur Schließung von Tegel – Entscheidung in zwei Wochen
Brandenburg Flughafenchef stellt Antrag zur Schließung von Tegel – Entscheidung in zwei Wochen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:46 05.05.2020
Ruhe und Leere herrschen am Flughafen Tegel. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Anzeige
Potsdam

Die Entscheidung zur Zukunft des Berliner Flughafens Tegel wird erneut vertagt. Die Eigentümer der Flughafengesellschaft (FBB) Brandenburg, Berlin und der Bund konnten sich am Mittwochabend nicht darauf einigen, den Flughafen wegen des massiven Passagiereinbruchs vorübergehend vom Netz zu nehmen.

Während sich Berlin und Brandenburg für die Stilllegung aussprachen, stellte sich der Bund weiter quer. Die Gesellschafterversammlung kam am Abend nach langen Debatten zu keinem einheitlichen Votum. Sie soll erneut in 14 Tagen darüber beraten. Ein Veto legten die Gesellschafter aber nicht ein. Deswegen dürften die Tage von Tegel gezählt sein.

Anzeige

Am Vormittag hatte sich der Aufsichtsrat für den Plan von Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup ausgesprochen. Daraufhin entschied Lütke Daldrup, einen entsprechenden Antrag zur temporären Aussetzung der Betriebspflicht für Tegel zu stellen. Das Votum des Aufsichtsrats sei für ihn entscheidend, so Lütke Daldrup.

Eigner könnten BER-Chef Weisung erteilen

Die Gesellschafter könnten die Schließung Tegels nur noch mit einem Veto und einer Geschäftsführer-Weisung verhindern. „Ob sie das tun, müssen sie entscheiden“, so Lütke Daldrup. Eine solche Weisung wäre äußerst ungewöhnlich.

Der BER-Chef verwies auf den massiven Einbruch der Passagierzahlen im Zuge der Corona-Krise. Es sei deswegen im Sinne der Steuerzahler, Tegel ab dem 1. Juni für zwei Monate vom Netz zu nehmen, sagte er. Der gesamte Flugverkehr lasse sich problemlos in Schönefeld (Dahme-Spreewald) abwickeln, so Lütke Daldrup.

Mit der Schließung Tegels ließen sich pro Monat etwa sieben Millionen Euro einsparen. In den ersten drei Aprilwochen wurden in Tegel und Schönefeld nur 17.000 Passagiere abgefertigt. Im Vergleichszeitraum vor einem Jahr waren es zwei Millionen.

Binnen zwei Wochen wieder startklar

Der Airport könnte laut Lütke Daldrup im Stand-by-Modus bleiben und innerhalb von zwei Wochen wieder problemlos hochgefahren werden. Doch ob es überhaupt kommt, wenn die Reisewarnungen länger gelten, ist fraglich. Das Auswärtige Amt hatte seine Warnung vor Auslandsreisen am Mittwoch bis Mitte Juni verlängert. Es könnte also durchaus sein, dass Tegel, wenn er einmal vom Netz geht, bis zum 31. Oktober gar nicht mehr gebraucht wird.

Dann soll der neue Flughafen BER nach 14jähriger Bauzeit den Betrieb aufnehmen. Die Rechtslage besagt, dass die Betriebserlaubnis für Tegel sechs Monate nach Eröffnung des BER erlischt.

Tegel kostete nur 430 Millionen Mark

Zuletzt flogen an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld nur etwa 1000 Passagiere pro Tag. Das erleichtert auch den BER-Start, weil der Neubau voraussichtlich nicht unter Volllast in Betrieb gehen muss. Im vergangenen Jahr gab es in Berlin noch 35,6 Millionen Fluggäste – also durchschnittlich knapp 100 000 pro Tag.

Der wichtigste Flughafen der Region war in seiner jetzigen Gestalt 1974 nach den Plänen des Architekten Meinhard von Gerkan eröffnet worden, der auch den BER in Schönefeld entworfen hat. Kosten des Neubaus seinerzeit: 430 Millionen Mark. Auch damals hatte sich die öffentliche Hand als Bauherr (Berlin und Bund) mächtig verrechnet und die Baukosten um zwei Drittel zu niedrig angesetzt. Ähnliches hat sich beim Flughafen BER wiederholt.

Um die Finanzen der Flughafengesellschaft steht es einer neuen Untersuchung zufolge äußerst schlecht. Der BER werde ohne weitere Zuschüsse bald nach seiner Eröffnung zum Insolvenzfall, schreiben die Gutachter.

Von Torsten Gellner