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Brandenburg Forscher plädiert für schnellen Waldumbau
Brandenburg Forscher plädiert für schnellen Waldumbau
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17:36 29.07.2019
Der märkische Wald braucht mehr Laubbäume und Totholz. Quelle: Julian Michael Klein
Eberswalde

Pierre Ibisch ist Professor für Naturschutz und Forschungsprofessor für Ökobasierte nachhaltige Entwicklung an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) (Barnim). Er sorgt sich um den märkischen Wald.

Gehören Waldbrände in Zukunft immer zum Erscheinungsbild des Sommers in Brandenburg?

Pierre Ibisch: Es hängt natürlich davon ab, ob es auch künftig diese Wetterextreme geben wird. Da spricht leider einiges dafür. Außerdem wird das Risiko sehr, sehr groß, wenn weiterhin so große Waldflächen in Brandenburg von den Kiefernforsten dominiert werden.

Es ist ja schon eine Umbildung in Richtung Mischwald in Gange. Müsste man da noch schneller sein?

Es würde schon helfen, wenn man nur eine dichte Schicht von Laubbäumen im Unterholz hätte. Sobald Laubbäume massiv nachwachsen, haben wir schon eine deutliche Reduktion des Feuerrisikos. Die kleinen Bäume brennen weniger gut, spenden Schatten, und die Laubstreu ist feuchter. Um den Prozess der Waldentwicklung hin zu Laubbäumen zu beschleunigen, müsste man auch nach neuen Wegen suchen.

Gefällte Bäume im Wald lassen

Woran denken Sie da?

An der HNEE probieren wir zum Beispiel aus, gefällte Kiefern auf der Fläche zu belassen, damit die Stämme auf dem Boden verrotten. Dadurch wird der Boden feuchter und kühler. Gleichzeitig kommt Licht an den Boden, und andere Pflanzen wachsen nach. Solche Strategien sind natürlich kurzfristig mit ökonomischen Einbußen verbunden.

Pierre Ibisch ist Spezialist für den Umgang mit komplexen Ökosystemen. Quelle: Thomas Wachs

Will heißen?

Das bedeutet, dass man auch mal mehr Totholz im Wald belassen muss und weniger herausnehmen kann, um das wirtschaftlich zu nutzen.

Bräuchte das Land Brandenburg eigentlich eine spezielle Task Force „Waldbrand“?

Ich glaube, es wäre eine gute Idee, wenn man sich über verschiedene Sektoren und auch über die verschiedenen Waldbesitzarten hinweg zusammensetzen und darüber nachdenken würde, welche Praktiken auf den Prüfstand müssen, welche Strategien zur Verfügung stehen und ob nicht auch neue Vorschriften gemacht werden müssen.

Keine Einschläge im Sommer

Welche Änderungen wären bei den Praktiken und bei den Regeln denkbar?

Es sollte zum Beispiel selbstverständlich sein, dass im Sommer im Wald keine Einschläge erfolgen. Es betrifft aber auch den Umgang mit geschädigten Flächen nach Bränden oder Stürmen. Man sollte zumindest einen gewissen Anteil des Totholzes auf der Fläche belassen, um den Aufbau des Bodens und seine Wasserspeicherfähigkeit zu fördern.

Wie sehen Sie eigentlich die Zukunft des märkischen Waldes in Zeiten des Klimawandels?

Alles, was wir über den Klimawandel wissen, deutet darauf hin, dass er uns bislang nur negativ überrascht hat. Die Erwärmung schreitet schneller fort, weil durch Rückkoppelungen neue Mechanismen in Gang kommen. Insofern müssen wir uns darauf einstellen, dass es schwierig wird. Der Wald wird sich verändern. Es wird den Wald in Brandenburg weiterhin geben, aber es werden andere Arten eine Rolle spielen, als die die uns bisher vertraut sind.

Kiefernforst hält Klimawandel nicht aus

Zum Beispiel?

Wir müssen befürchten, dass nicht nur die Kiefernforsten nicht durchhalten werden, sondern auch die Buchen Schwierigkeiten bekommen. Darauf gibt es schon jetzt deutliche Hinweise. Dagegen könnte man sich vorstellen, dass künftig etwa Eichen, Linden oder Hainbuchen eine größere Rolle spielen.

Eine aktuelle Studie der ETH Zürich sagt, mit mehr Bäumen ließe sich der Klimawandel effektiv bekämpfen. Glauben Sie das auch?

Die Studie überschätzt meiner Meinung nach aus einer Reihe von methodischen Gründen das Potenzial für die Aufforstung weltweit. Sie überschätzt auch die Möglichkeit der Kohlenstoffaufnahme aus der Atmosphäre. Ich denke, im besten Fall kann durch die Aufforstung nur so viel Kohlenstoff in die Wälder geholt werden, wie er durch Entwaldung freigesetzt worden ist. Eine Kompensation der Treibhausgase aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe kann der Wald nicht leisten. Das bedeutet aber nicht, dass Aufforstung grundsätzlich eine schlechte Idee ist. Aufforstung sehe ich eher in der offenen Landschaft, um zur Kühlung und zur Pufferung beizutragen. Das brauchen wir ganz dringend. Wir brauchen mehr Bäume auf landwirtschaftlichen Flächen und in Siedlungsbereichen. Man muss aber auch dazu sagen: Aufforstung wird nicht leichter unter diesen extremen klimatischen Bedingungen, weil es immer schwieriger wird, dass die jungen Bäume anwachsen.

Äcker mit Hecken bepflanzen

Könnte Brandenburg hier auch einen Beitrag leisten?

Ich würde dringend raten, dass Brandenburg sich bemüht, die großen Ackerschläge, also die Felder ohne Hecken und Strukturen, die es bei uns verbreitet gibt, zu verkleinern. Dort könnten wir Hecken und Gehölzkorridore pflanzen. Das hätte auch positive Effekte für die Landwirtschaft selbst und den Wasserhaushalt auf den Flächen. Beispielregionen sind etwa die Barnimer Feldmark oder die Uckermark. Es gibt in Brandenburg viele Regionen, wo wir tatsächlich eine ausgeräumte Landschaft haben.

Und im brandenburgischen Wald selbst?

Im Wald selbst wäre ich zurückhaltender und würde lieber sehen, was die Ökosysteme selbst gestalten. Da gibt es ein Potenzial, das wir gegebenenfalls unterschätzen. Auf keinen Fall würde ich aber dazu raten, weitere exotische Baumarten von anderen Kontinenten einzuführen, die vermeintlich besser gewappnet sind gegen den Klimawandel. Damit schaffen wir eher neue ökologische aber auch ökonomische Risiken.

Von Rüdiger Braun

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