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Brandenburg "Die feige Sau schoss mir gezielt in den Rücken"
Brandenburg "Die feige Sau schoss mir gezielt in den Rücken"
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17:49 15.05.2014
Der querschnittsgelähmte Wachmann hat am Donnerstag vor dem Landgericht in Frankfurt (Oder) ausgesagt.
Der querschnittsgelähmte Wachmann hat am Donnerstag vor dem Landgericht in Frankfurt (Oder) ausgesagt. Quelle: dpa
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Frankfurt (Oder)

Torsten H. ist der klassische Bodyguard: breites Kreuz, Glatze, Tätowierungen an Hals und Händen. Nur der Rollstuhl und die dünnen Beine passen nicht ins Bild. Der 33-Jährige kann sich gut an den Tag vor zweieinhalb Jahren erinnern, als ihn ein Schuss zum Krüppel machte.

An dem sonnigen, kalten Morgen des 2.Oktober 2011 hatte er als Personenschützer die Tochter der Unternehmerfamilie P. in Bad Saarow begleitet, als sie von der Pferdekoppel zurückkehrte. Er habe plötzlich „ein ungutes Gefühl“ gehabt, sagte H. gestern als Zeuge im Maskenmann-Prozess, "als würde uns von hinten jemand beobachten". Als er sich umdrehte, sah er in wenigen Metern Entfernung einen Maskierten in ausgewaschenem Bundeswehr-Tarnzeug, der mit ausgestrecktem Arm und einer Waffe auf H. sowie die hinter ihm stehende blonde Unternehmertochter zielte. "Der schrie: Stehenbleiben, sonst verpasse ich euch einen Kopfschuss".

"Die feige Sau schoss mir gezielt in den Rücken"

Vor diesem Überfall war bereits die 61-Jährige Unternehmerfrau von einem Maskierten niedergeknüppelt worden. Daraufhin hatte sich der reiche Immobilienmakler entschlossen, seine Familie von einer Sicherheitsfirma betreuen zu lassen. Eine besondere Gefährdung war aber laut H. nicht ersichtlich, deshalb war er unbewaffnet. "Hätten wir uns hingelegt, wie der Täter wollte, wäre für uns Feierabend gewesen", glaubt H., seit zwölf Jahren nebenberuflich in der Branche. Er machte ein paar Schritte auf den Angreifer zu, redete beruhigend auf ihn ein. Der jedoch herrschte unbeeidruckt die junge Frau an, sich auf den Boden zu legen. "Louisa hockte sich völlig erschrocken hin, ich sagte ihr, sie soll wieder aufstehen, da stand sie dann zur Salzsäule erstarrt", erinnert sich H., der Louisa aufforderte loszurennen. Sie rannte.

"Ich habe gedacht, ich werde augenblicklich hingerichtet", sagte die 25-Jährige als Zeugin. Dass der Maskierte tatsächlich schießt, damit hatte der unbewaffnete Bodyguard nicht gerechnet. Er schaute Louisa nach. Dann passierte es: "Die feige Sau schoss mir gezielt in den Rücken. Dabei hätte er auch auf die Beine zielen können, um mich außer Gefecht zu setzen", erklärt H. wütend. Die Kugel durchschlug die Lunge, die Wirbelsäule, die Leber. "Es war ein Gefühl, als würde mich ein elektrischer Schlag treffen." H. sackte zusammen, alarmierte am Boden liegend mit dem Handy seinen Chef, die Polizei und seinen Bruder, der als zweiter Personenschützer auf dem Grundstück der Unternehmerfamilie geblieben war. H. hörte noch zwei Schüsse, die der Maskierte abgab. Die 25-Jährige Louisa bestätigte: "Ich sah im Wegrennen, wie Torsten nach dem ersten Schuss zusammensackte." Nach dem zweiten Knall, als sie schon weiter weg war, spürte Louisa eine Druckwelle am Ohr, dann sah sie vor sich eine Kugel in den Weg einschlagen. H. sagte über den Täter: "Er war ein geübter Schütze, hundertprozentig."

Torsten H. ist seitdem querschnittsgelähmt. Unterhalb des Bauchnabels fühlt er nichts mehr. Drei Tage in der Woche arbeitet er in einer Behörde. Dass der auf der Anklagebank sitzende Mario K. es war, der ihn zum Krüppel schoss, kann H. nicht ausschließen. "Von der Statur her passt er." Das Gesicht habe er nicht erkannt.

Von Jeanette Bederke

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