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Brandenburg Schulstreik fürs Klima? Das sagen junge Brandenburger
Brandenburg Schulstreik fürs Klima? Das sagen junge Brandenburger
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00:21 01.04.2019
Lena Kernchen aus Neuruppin ist eine von vielen Klima-Demonstrierenden in der Mark. Quelle: Peter Geisler
Potsdam

Am Freitag wollen wieder zahlreiche Schüler aus der Region in Berlin für mehr Klimaschutz demonstrieren – diesmal zusammen mit ihrem Vorbild Greta Thunberg.

Die Umweltbewegung „Fridays for Future“ geht auf die 16-jährige Schwedin zurück. Seit August 2018 demonstriert sie jeden Freitag vor dem Stockholmer Reichstag für den Klimaschutz, statt zur Schule zu gehen. Nach der Berliner Demo will Thunberg im Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) mit Wissenschaftlern über den Klimawandel sprechen.

Auch in Brandenburg bewegt dieses Thema viele junge Menschen. Wir haben einige von ihnen gefragt, warum sie sich bei „Fridays for Future“ engagieren – oder auch nicht.

Paula Krause (15), Schülerin am Potsdamer Einstein-Gymnasium

Paula Krause aus Potsdam (l.). Quelle: MAZ

Ich finde, dass unser Klima uns alle angeht. Es ist einfach unfair, wenn nur Menschen entscheiden, die die Konsequenzen dieser Entscheidungen gar nicht mehr miterleben. Deswegen bin ich seit der zweiten Demonstration am 25. Januar hier in Potsdam bei „Fridays for Future“ dabei. Und nur, weil wir am Freitag während der Schulzeit protestieren, bekommen wir doch so viel Aufmerksamkeit. Würden wir am Samstag demonstrieren, hieße es doch: „Das sind ja nur die Jugendlichen“. So müssen sich die Leute mit uns beschäftigen.

Tom Ritter (18), Schüler am Oberstufenzentrum Luckenwalde

Tom Ritter aus Luckenwalde. Quelle: MAZ

Als ich zum ersten Mal von „Fridays for Future“ gehört habe, dachte ich, die Demonstranten wollten nur die Schule schwänzen. Doch dann habe ich mich näher mit dem Thema auseinandergesetzt und bin inzwischen überzeugt, dass man sich selbst für Dinge einsetzen muss, um etwas zu bewegen. Zuerst habe ich im Januar alleine vor dem Kreishaus gestanden. Einige Wochen später bei der Demo in Luckenwalde waren wir dann schon mehr als 80.

Wir wollen künftig auch in anderen Orten im Landkreis Teltow-Fläming Zeichen setzen. Es ist wichtig, nicht nur zu reden, sondern auch etwas zu tun. Deshalb habe ich mich auch an der Putzaktion in Luckenwalde beteiligt. Zu meinem 18. Geburtstag habe ich mir nicht das Geld für den Führerschein schenken lassen, sondern mir ein Fahrrad gewünscht. Ich wünsche mir, dass sich in den Köpfen aller Menschen etwas verändert – auch auf politischer Ebene.

Lena Kernchen (15), Schülerin aus Neuruppin

Lena Kernchen aus Neuruppin. Quelle: Fabian Lamster

Ich sehe „Fridays for Future“ als eine Möglichkeit, mehr Leute für das Thema Klimawandel zu sensibilisieren und Politikern klar zu machen, was sie da gerade verhandeln: unsere Zukunft. Als 15-Jährige darf ich noch nicht selbst kandidieren oder wählen. Um wenigstens ein bisschen Einfluss zu nehmen, gehe ich auf die Straße. Denn wenn die Politiker jetzt nicht handeln, zerstören sie unsere Zukunft – und nicht wir durch eine Fehlstunde.

Mir ist wichtig, dass wir nicht auf das Schwänzen reduziert werden, sondern dass unsere Angst gesehen wird. Angst davor, dass Politiker verantwortungslose Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg treffen, deren Konsequenzen irreparabel sind. Um dafür so viel Aufmerksamkeit wie möglich zu bekommen und um auch endlich Taten zu sehen, verlassen wir die Schulen früher.

Florian Jankwitz (16), Schüler aus Brandenburg an der Havel

Florian Jankwitz aus der Havelstadt Brandenburg. Quelle: MAZ

Die „Fridays for Future“-Demonstrationen machen für mich wenig Sinn. Wir Schüler können wenig bewegen, wir sollten lieber in der Schule sitzen. An einem Samstag würden bestimmt auch weniger Demonstrationen stattfinden. Stattdessen würde ich mir konkrete Handlungen von den Jugendlichen wünschen: Regelmäßige Aufräumaktionen gegen den Müll in der Region zum Beispiel. Außerdem wünsche ich mir umweltfreundlichere Autos und weniger Abfälle in Gewässern. Auch die Bußgelder sollten erhöht werden, um Umweltverschmutzer zu bestrafen.

Lennard Kober (13), Schüler am F. F. Runge-Gymnasium Oranienburg

Lennard Kulgemeyer aus Oranienburg. Quelle: MAZ

Ich stelle mir schon die Frage, warum ich zur Schule gehen und lernen soll, wenn meine Zukunft doch im Grunde gar nicht sicher ist. Allein was so ein Kohlekraftwerk an Feinstaub, Quecksilber und schädlichen Stoffen ausstößt, finde ich furchteinflößend. Mit Nachhaltigkeitsthemen habe ich mich bereits vor „Fridays for Future“ beschäftigt und versuche, auch selbst so zu leben: Mein Frühstück nehme ich in die Schule in einer Edelstahlbrotbüchse mit, ich benutze Glastrinkflaschen und Stofftaschentücher, kaufe Klamotten Second Hand und ernähre mich vegetarisch.

Stress mit der Schule hatte ich bislang noch nicht, als ich das erste Mal in Berlin bei der Demo dabei war, wurde das als entschuldigter Fehltag vermerkt. Die Schule hat uns mitgeteilt, dass das Fehlen beim zweiten Mal als unentschuldigter Fehltag vermerkt wird und dann auch so auf dem Zeugnis erscheint. Das nehme ich aber in Kauf – und meine Eltern auch.

Maximilian Kowol, 18 Jahre, Schüler aus Neuruppin

Maximilian Kowol aus Neuruppin. Quelle: Peter Geisler

Ich habe Angst um meine Zukunft. Die Polkappen schmelzen schneller. Die Temperaturen steigen immer schneller. Die Gletscher schmelzen. Tiere verenden, weil ihnen die Lebensgrundlage fehlt. Immer heftigere Wetterextreme tauchen gehäuft auf. Und die Politik macht kaum etwas, dabei sind die Ausmaße, die die CO2-Einsparungen inzwischen annehmen müssten, nur noch mit bundes- und weltpolitischen Maßnahmen zu stemmen. Damit die Verantwortlichen das endlich einsehen, gehe ich auf die Straße.

Wir brauchen kein Klimakabinett, wir brauchen nur eine Bundesregierung, die die unzähligen guten Vorschläge endlich umsetzt. Es gibt gute Vorschläge für eine funktionsfähige und klimafreundliche Bahnpolitik. Es gibt gute Vorschläge für einen guten, erschwinglichen und klimafreundlichen ÖPNV. Es gibt Konzepte für eine grünere Agrarpolitik. Doch all das verlangt Mut. 2008 hatte die Große Koalition den Mut, Banken zu verstaatlichen und die Grundlage unseres Wirtschaftssystems zu retten. Jetzt muss der Mut kommen, unsere Lebensgrundlage zu retten.

Lea Wegner (17), Schülerin aus Brandenburg an der Havel

Lea Wegner aus der Havelstadt Brandenburg. Quelle: MAZ

Mich stören Umweltverschmutzungen sehr. Deshalb freue ich mich, dass Schüler bei „Fridays for Future“ demonstrieren. Auch ich will ein Zeichen setzen. Für mich haben Glasflaschen, Papier und Plastikmüll in Gewässern nichts verloren. Mir ist es wichtig, langfristig zu denken und für die nächste Generation eine saubere Umwelt zu hinterlassen. Ich wünsche mir mehr Rücksicht und Umweltbewusstsein von den Brandenburgern und kann mir auch härtere Strafen für Müllsünder vorstellen. Man sollte außerdem nicht jeden Tag mit dem Auto fahren, um Abgase zu vermeiden. Ich fahre stattdessen lieber mit dem Rad oder laufe.

  Vincent Bartolain (18) aus Deetz, Schüler am Gymnasium Werder

Vincent Bartolain aus Deetz. Quelle: MAZ

Ich bin das erste Mal im Dezember bei „Fridays for Future“ in Potsdam mitgelaufen – bei Regen und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Aber ich habe mich auch schon vorher für den Klimaschutz engagiert und bin Direktkandidat der Grünen für die Landtagswahl. Die Demonstrationen finde ich wichtig, um gesellschaftlichen Druck aufzubauen – um den Finger in die Wunde zu legen. Und wir merken schon jetzt, dass es etwas bringt. Bei uns am Gymnasium Werder kommen immer mehr Schüler und laufen am Freitag bei den Demos mit.

Sophie Awe (15), Schülerin aus Königs Wusterhausen

Sophie Awe aus Königs Wusterhausen. Quelle: privat

Ich glaube fest daran, dass jeder einzelne von uns etwas bewirken kann. Und genau deshalb setze ich mich bei den Demos für den Klimaschutz ein. „Fridays for Future“ steht für den Zusammenhalt von Menschen, die das gleiche Ziel haben – den Politikern zu zeigen, dass sich dringend etwas an unserer Klimapolitik verändern muss. Wir kämpfen für unsere Zukunft und wollen gerade mit Provokation darauf aufmerksam machen, dass auch junge Menschen politisch engagiert sein können. Wir können nicht ewig warten, wir müssen handeln. Ich möchte dieses Thema in meinem Landkreis Dahme-Spreewald gerne noch größer machen und bin deshalb dabei, in Königs Wusterhausen eine Demonstration zu organisieren. Ich glaube, dass es einen guten Eindruck macht, wenn sich auch kleinere Orte an der Bewegung beteiligen.

Friederike Kupka (17), Schülerin aus Luckenwalde

Friederike Kupka (17) demonstiert nicht mit. Quelle: Annika Jensen

Ich gehe nicht auf die „Fridays for Future“-Demos, weil sie während der Schulzeit anfangen. Außerdem gehe ich generell nicht so gerne auf Demonstrationen. Für mich ist wichtiger, dass man erstmal bei sich selbst anfängt, etwas zu ändern. Am besten wäre es zum Beispiel, nur ein Glas Müll im Monat zu produzieren. Ich habe Hoffnung, dass alle mal darüber nachdenken und zumindest einen Schritt in die richtige Richtung machen. Der Mensch braucht die Natur, aber die Natur braucht den Menschen nicht, so einfach ist das.

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