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Brandenburg Modrow: „Die Gefahr von Krieg war nach 1945 noch nie so hoch wie jetzt“
Brandenburg Modrow: „Die Gefahr von Krieg war nach 1945 noch nie so hoch wie jetzt“
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01:15 22.02.2019
Der ehemalige DDR-Ministerpräsident Hans Modrow bei seinem Vortrag in der Potsdamer Rosa-Luxemburg-Stiftung. Quelle: Hannah Rüdiger
Potsdam

Wer zu spät kam, konnte den Vortrag von Hans Modrow nur vom Türrahmen aus verfolgen: Über 60 Potsdamer drängten sich am Dienstagabend in einen kleinen Raum der Rosa-Luxemburg-Stiftung, um dem ehemaligen DDR-Ministerpräsidenten zuzuhören. Im Gespräch mit dem Historiker Gerd-Rüdiger Stephan berichtete Modrow, wie er den Mauerfall und das Ende der Sowjetunion erlebt hat – und mit welchen politischen Herausforderungen wir heute konfrontiert sind.

Als Leitfaden für Stephans Fragen diente die wissenschaftlichen Abhandlung „In Verantwortung: Hans Modrow und der deutsche Umbruch 1989/90“, die im vergangenen Jahr erschienen ist. Wortgewandt erzählte der 91-Jährige daraufhin von seinen Treffen mit politischen Schwergewichten, seinem Konflikt mit west- und ostdeutschen Geheimdiensten und seinem eigenen politischen Wirken. Ob Gorbatschow, Kohl oder Kim Il-Sung: Für alle hatte Modrow eine mitunter amüsante Anekdote parat.

Mit Kohl bei Dynamo im Stadion

Eine dieser Anekdoten drehte sich um ein inoffizielles Treffen mit Bundeskanzler Helmut Kohl, der 1988 eine private Reise in die DDR unternahm. Modrow war damals SED-Bezirkschef von Dresden. „Ich bekam die Weisung aus Berlin: Kein Treffen mit Kohl“, erinnerte sich Modrow.

Dann habe er erfahren, dass der Bundeskanzler ein Fußballspiel von Dynamo Dresden besucht. „Ich ließ es mir nicht verbieten, genau an diesem Abend auch bei Dynamo zu sitzen“, erzählte Modrow. So kam es, dass die beiden nur wenige Meter auseinander saßen. Miteinander gesprochen hätten sie bei dieser Begegnung allerdings nicht.

Modrow kritisiert Nato und Wahlkampf der Linken

In Potsdam nahm Hans Modrow auch zu aktuellen politischen Entwicklungen Stellung. Quelle: Hannah Rüdiger

Deutlich ernster wurde die Veranstaltung in der anschließenden Fragerunde, als das Publikum den Ex-Ministerpräsidenten um seine Einschätzung zu aktuellen innen- und außenpolitischen Entwicklungen bat.

Besonders mit der Nato und dem vermeintlich aggressiven Auftreten ihrer Mitgliedstaaten ging Modrow hart ins Gericht. „Die Gefahr von Krieg war nach 1945 noch nie so hoch wie jetzt“, sagte er. Die Nato-Mitglieder hätten Russland „umzingelt“, erklärte Modrow weiter. Aus dem überwiegend älteren Publikum gab es dafür viel Zuspruch.

Auch den laufenden Wahlkampf der Partei Die Linke, deren Ältestenrat Modrow seit 2007 vorsitzt, kritisierte er. „Wir sind eine Partei, die keine politischen Analysen betreibt, wir machen Politik aus dem Bauch“, sagte er. Damit müsse Schluss sein. Dem Wahlprogramm und der Partei mangele es derzeit an Profil, kritisierte Modrow. Um wieder mehr Stimmen zu gewinnen, müsse die Linke anders auftreten. „Nur zur Wahlteilnahme aufzurufen, das geht nicht in meinen Kopf. Es heißt doch Wahlkampf und nicht Wahlbitte.“

Steile SED-Karriere bis zum Ministerpräsidenten

Seine politische Karriere begann Modrow 1954 in der Berliner Bezirksleitung der SED, danach ging es steil bergauf. 1987 hatte ihn die sowjetische Führungsriege sogar als Nachfolger für Erich Honecker vorgesehen. Dieser Plan wurde jedoch nie umgesetzt. Stattdessen wurde Modrow von November 1989 bis April 1990 Vorsitzender des Ministerrates der DDR.

Nach dem Mauerfall saß der frühere SED-Politiker vier Jahre lang für die PDS im Bundestag. Als Herausgeber und Autor hat der promovierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler zahlreiche Schriften zu politischer Theorie und sozialistischen Strömungen veröffentlicht.

Bis heute unterhält er gute Beziehungen zu früheren Bruderländern der DDR: 2017 zeichnete der russische Präsident Wladimir Putin ihn mit dem Orden der Freundschaft aus; in diesem Jahr verlieh Kuba Modrow den „Orden der Solidarität“.

Von Hannah Rüdiger

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