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Brandenburg Für acht Millionen Euro nicht einmal ein WC
Brandenburg Für acht Millionen Euro nicht einmal ein WC
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14:30 22.06.2013
Absperrgitter, viel Beton: Der Regionalbahnhof von Erkner. Quelle: Klaus Stark
Erkner

Siegfried von Rabenau ist gar nicht glücklich. „Früher gab es in Erkner einen Bahnhof, dort gab es einen Fahrkartenschalter, Tunnel zu den mal vorhandenen Gleisen, ein WC und eine Bahnhofsgaststätte“, klagt er. „Jetzt gibt es ein saniertes Gebäude in Maria-Theresia-Gelb, ohne Fahrkartenschalter, ohne Tunnel zu den nicht mehr vorhandenen Gleisen, kein WC und nur einen Imbiss draußen dran.“ Kritiker von Rabenau ist nicht irgendwer: Er saß immerhin drei Jahre lang im Brandenburger Landtag und war von 1990 bis 1992 Vize-Vorsitzender der SPD in Brandenburg.

Harte Worte über einen Bahnhof, in dessen Renovierung bis Ende 2012 mehr als acht Millionen Euro flossen. Bundesmittel vor allem, aber auch Land, Kreis und Stadt haben sich beteiligt. Seither ist Erkner (Oder-Spree) so etwas wie ein Aushängeschild nicht nur der Bahn, sondern auch von Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) geworden. Das mag damit zusammenhängen, dass Vogelsänger selbst in der Gerhart-Hauptmann-Stadt wohnt und lange Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung war.

In Erkner endet die S-Bahn-Linie 3 und hat Anschluss an den Regionalexpress RE 1 MagdeburgFrankfurt (Oder)Eisenhüttenstadt. Rund 8000 Menschen steigen hier täglich ein und aus. Wie kommen sie zurecht? Anscheinend nicht besonders gut. „Beim Umsteigen laufen Sie nur so Treppen rauf und runter“, schimpft eine ältere Frau. „Das ist alles viel zu weit weg. Wir haben keinen Bahnhof, nur einen Haltepunkt.“

 Die Renovierung des Bahnhofs in Erkner hat mehr als acht Millionen Euro gekostet. Aber längst ist nicht alles gut: „Früher gab es in Erkner einen Bahnhof, dort gab es einen Fahrkartenschalter, Tunnel zu den mal vorhandenen Gleisen, ein WC und eine Bahnhofsgaststätte“, klagt er. „Jetzt gibt es ein saniertes Gebäude in Maria-Theresia-Gelb, ohne Fahrkartenschalter, ohne Tunnel zu den nicht mehr vorhandenen Gleisen, kein WC und nur einen Imbiss draußen dran“, bemängelt ein Kritiker.

Die MAZ-Bahnhofskritik: Der neue S-Bahnhof ist prima – abgesehen von den langweiligen Bodendeckern. Das für viel Geld energetisch sanierte und wärmegedämmte Empfangsgebäude hingegen steht sehr funktionslos in der Gegend herum. Seine Hauptaufgabe ist es offenbar, möglichst schön und bedeutend auszusehen. Mit Ausnahme eines Blumenladens ist die Halle völlig leer. In einem Nebengebäude immerhin ein Imbiss, links ein Schreibwarenladen mit Fahrkartenverkauf. Kein Warteraum, keine einzige Toilette. Beim Imbiss kostet die Toilettenbenutzung 70 Cent.

Erst nach einer Weile kapiert man: Der eigentliche Regionalbahnhof liegt in Form von zwei Bahnsteigen rund 150 Meter entfernt – auf einer Straßenbrücke. Mit seinen unbequemen Sitzbänken, den Abfalleimern, den Mini-Wartehäuschen, den Absperrgittern und den Unmengen an verbautem Beton, die eher an einen Bunker aus dem Krieg erinnern, ist er so trostlos wie viele andere Bahnhöfe auch. Immerhin wird dort angezeigt, wann welcher Zug wohin fährt – bei der Bahn keineswegs eine Selbstverständlichkeit.
Was für ein riesiger Fehler das Auseinanderreißen von S-Bahn- und Regionalbahnhof gewesen ist, zeigt ein Beispiel: Der Reisende kommt mit einem Kinderwagen aus Friedrichshagen und will nach Frankfurt (Oder). Das bedeutet 100 Meter auf dem Bahnsteig, 26 Stufen treppab, alternativ ein Fahrstuhl. Weitere 150 Meter über den Vorplatz, zwischen Autoverkehr durch die dunkle Unterführung, dann 34 Stufen aufwärts oder über eine 120 Meter lange Rampe.

Knapp 400 Meter Laufweg – so macht Umsteigen absolut keinen Spaß. „Hier passt einfach alles zusammen“, lobte Minister Vogelsänger damals bei der Eröffnung. Er muss irgendwo anders gewesen sein.

Von Klaus Stark

In der nächsten Folge in einer Woche wird der Bahnhof in Meyenburg besichtigt.

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