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Brandenburg Fusion: Vier Tage Kommunismus – mit Stauwarnung
Brandenburg Fusion: Vier Tage Kommunismus – mit Stauwarnung
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11:39 26.06.2019
Ein ehemaliger Flugzeughangar steht auf dem Gelände des Kultur- und Musikfestivals Fusion. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Lärz/Neustrelitz

Ungeachtet der erwarteten Hitze hat an der Mecklenburgischen Seenplatte die Hauptanreisewelle zum alternativen „Fusion“-Festival begonnen. Wie eine Polizeisprecherin am Mittwochmorgen in Neubrandenburg sagte, haben die Veranstalter – wie in Vorjahren – das erste Einfahrtstor zum Festivalgelände bei Lärz bereits geöffnet.

Stau auf der Bundesstraße 198 droht

Es gebe bereits erste Staus. Betroffen sei die Kreisstraße 18 – die lange Zufahrt von der Bundesstraße 198 – zu dem Ex-Militärflugplatz. Auch auf der B 198 sei schon viel Verkehr. Für das Festival, das bis Sonntag dauern soll, wurden laut Veranstalter rund 70 000 Karten verkauft. Nach Angaben der Polizei sind rund 5000 „Fusion“-Besucher und Helfer schon in den Vortagen angereist. Die Beamten haben mit ersten Verkehrs- und Drogenkontrollen an den Zufahrtsstraßen begonnen.

In Vorjahren Fahrer unter Drogen gestoppt

In den Vorjahren wurden immer wieder Betäubungsmittel in Autos entdeckt und einzelne Fahrer unter Drogeneinfluss gestoppt. Das Treffen soll laut Veranstalter „vier Tage Ferienkommunismus“ mit Musik, Theater, Kino, Installationen und Diskussionsforen bieten. Ein Streit zwischen Veranstalter und Behörden über Sicherheitsvorkehrungen wurde wenige Tage vor Beginn des Festivals beigelegt. Behörden und Organisatoren seien nun gut vorbereitet, sagte eine Sprecherin der Polizei Neubrandenburg. Es werde eine Polizeiwache am Eingang eingerichtet und Beamte könnten anlassbezogen das Gelände betreten. „Wir haben einen freundlichen und konstruktiven Austausch“, sagte Linus Neumann vom Veranstalter Kulturkosmos Müritz.

Das Wort «Kulturkosmos» und ein Stern mit der typischen „Fusion-Rakete“ am Tor zum Eingangsbereich des Geländes Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Vergessen ist der vor rund einem Monat beigelegte Streit aber nicht. Polizei, Überwachung und Kontrolle werden zum „künstlerischen und inhaltlichen Motto der diesjährigen Fusion“, schrieben die Veranstalter Ende Mai in einem Newsletter. Auf dem Programm stehen Vorträge mit den Titeln „Schöne neue Polizeigesetze“ und „Drogen und Verkehrssicherheit“. Auch der Konflikt um das Einsatzkonzept wird in einem Talk „#fusionbleibt“ aufgearbeitet.

Anfang Mai war der bereits seit November lodernde Streit zwischen Polizei und Kulturkosmos öffentlich geworden. Nach 22 Jahren „Fusion“ hatte Neubrandenburgs Polizeipräsident Nils Hoffmann-Ritterbusch erstmals eine Wache und anlasslose Streifen auf dem 100 Hektar großen privaten Festivalgelände gefordert. Die Polizei verwies auf eine neue Versammlungsstättenverordnung, die seit 2018 in Mecklenburg-Vorpommern gelte. Nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg 2010 und dem Terroranschlag an der Berliner Gedächtniskirche 2016 werde Sicherheit bei Großveranstaltungen anders gesehen.

Polizeiwachen bei anderen Festivals üblich

Bei anderen Festivals wie dem „Hurricane“ in Niedersachsen mit vergleichbaren Besucherzahlen gehören mobile Polizeiwachen und Streifen auf dem Gelände seit vielen Jahren dazu. Zur „Fusion“ passe die ständige Polizeipräsenz jedoch nicht, argumentierten die Veranstalter: „Unsere Gäste haben den ganz klaren Wunsch nach Privatsphäre“, sagte Neumann.

Das alternative, nicht-kommerzielle Festival verspreche „vier Tage Ferienkommunismus“ mit Musik, Theater, Kino, Performance, Installationen sowie vegetarischer Kost. Es gibt keine Sponsoren und keine Werbung. Die „Fusion“ wolle eine Parallelgesellschaft schaffen; eine Flucht aus dem Alltag sein und zeigen, wie eine bessere Welt aussehen könnte, schreibt der Kulturkosmos auf seiner Website. Und zu diesem Konzept gehöre auch die Eigenverantwortung: Das Festival sei so sicher wie ein Kirchentag, weil man aufeinander Acht gebe.

Für Spannungen hatte ein vorläufiger Einsatzplan vom März gesorgt, in dem laut einem Bericht von „Zeit Online“ etwa 100 Beamte rund um die Uhr im Schichtdienst auf dem Gelände unterwegs sein sollten. Zudem sei vorgesehen gewesen, Räumpanzer und Wasserwerfer bereitzustellen.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) verteidigte die Suche nach neuen Einsatzkonzepten zunächst: „Was man 20 Mal falsch gemacht hätte - möglicherweise - muss man nicht ein 21. Mal falsch machen“, sagte Caffier. Einige Wochen darauf versprach er jedoch, dass die Fusion nicht an der Polizei scheitern werde.

138 000 unterzeichneten Petition gegen hohe Polizeipräsenz

Der Clinch ums Sicherheitskonzept schlug hohe Wellen: Rund 138 000 Menschen unterzeichneten eine Petition, die sich gegen anlasslose Polizeipräsenz auf friedlichen Kulturveranstaltungen aussprach. In Lärz demonstrierten Einwohner für „ihre“ Fusion. Die Polizei habe ein fiktives Bedrohungsszenario aufgebaut, sagte der Bürgermeister des Ortes, Hartmut Lehmann (CDU). Auch die Schauspielerin Meret Becker („Tatort“) setzte sich für die Veranstaltung ein: „Ich habe selten so viele friedfertige Menschen erlebt wie bei der Fusion.“

Wie viele Beamten in diesem Jahr im Einsatz sind, wollte die zuständige Polizeibehörde nicht sagen. Es seien aber weniger als die in dem alten Sicherheitskonzept diskutierten 1000 Polizisten.

Von Winfried Wagner

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