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Brandenburg Gaffer behindern Arbeit von Rettungskräften
Brandenburg Gaffer behindern Arbeit von Rettungskräften
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14:14 30.06.2019
Eine Sichtschutzplane mit dem Piktogramm «Fotografieren verboten» spannt auf einem Übungsgelände der Feuerwehrtechnischen Zentrale des Landkreises Jerichower Land in Sachsen-Anhalt vor einem simuliertem Unfallort. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentra
Potsdam

Polizei und Rettungskräfte in Brandenburg bekommen es bei ihren Einsätzen immer wieder mit Gaffern zu tun, die ihnen den Weg versperren oder sogar handgreiflich werden. „Leider kommt es immer mal wieder zu körperlichen Übergriffen und Beleidigungen gegenüber Rettungskräften und Sanitätern“, bestätigte der Sprecher des Brandenburgischen Feuerwehrverbands, Sebastian Kalabis. In vielen Fällen spielten Alkohol und andere Drogen eine Rolle. In Brandenburg seien diese Fälle aber im Gegensatz zu Berlin eher selten.

Grundsätzlich mit dem Handy in der Hand

Zu größeren Ausschreitungen ist es im Bereich der Autobahnpolizei der Polizeidirektion West zwar noch nicht gekommen. Aber auch dort beobachten die Beamten, dass Autofahrer extra langsam an einer Unfallstelle vorbeifahren, um das Geschehen zu dokumentieren. „Der Trend ist zu erkennen, dass einige Verkehrsteilnehmer grundsätzlich dann mit dem Handy in der Hand an der Unfallstelle vorbeifahren, um noch schnell ein Video drehen zu können“, sagte Autobahnpolizeileiter Sven Koppe. Grundsätzlich versuchten die Beamten deshalb, die Unfallstelle mit Einsatzfahrzeugen der Polizei oder Feuerwehr als Sichtschutz abzuschirmen.

Rettungskräfte werden behindert

Gaffer behinderten Helfer vor allem, weil sie den Zugang zum Notfallort versperrten, sagte Bonny Oppermann von der Johanniter-Unfall-Hilfe in Brandenburg an der Havel. Auch Rettungsmannschaften, die getrennt anrückten, könnten so kaum durch die Menge kommen. Darüber hinaus werde Hilfe für Patienten auch deshalb schwieriger, weil Schaulustige für bessere Fotoaufnahmen immer näher an den Unfallort herankommen wollten. „Das behindert unsere Arbeit, zumal wir dabei auch unser Equipment im Auge behalten müssen“, sagte Oppermann.

Keine Statistik über Gaffer

Sowohl Feuerwehr als auch Polizei können allerdings keine Aussagen darüber treffen, ob das Phänomen zunehmend zum Problem wird. Eine Statistik über Gaffer wird von der Feuerwehr nicht geführt. „Dazu haben die Feuerwehrleute keine Zeit“, sagte Sebastian Kalabis. Und auch Stefanie Klaus, Sprecherin im Potsdamer Polizeipräsidium, berichtete, dass die Beamten vor Ort oft gar nicht die Kapazitäten dazu hätten, die Personalien von Gaffern aufzunehmen.

Bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe

„Strafrechtlich relevant wird das sogenannte Gaffen erst in Kombination mit anderem Verhalten wie Behinderung von Rettungskräften und unterlassener Hilfeleistung“, informiert die Polizeisprecherin. Sie verweist auf den Paragrafen 201 im Strafgesetzbuch. Der umfasse auch Bildaufnahmen, die die Hilflosigkeit anderer Menschen zur Schau stellten und dadurch Privatsphäre verletzten. „Hier drohen bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe“, ergänzt Stefanie Klaus.

Kaum Anzeigen gegen Gaffer

Für das Behindern von Rettungskräften können Bußgelder von bis zu 1000 Euro fällig werden, wie Stefan Kalabis erklärt. „Wir holen im Falle des Falls die Polizei dazu“, berichtet Bonny Oppermann. Allerdings müsse jeder Rettungsdienstmitarbeiter selbst eine Anzeige gegen Gaffer stellen, was sehr aufwendig sei. Zudem würden die Verfahren in den meisten Fällen eingestellt. „Das motiviert natürlich noch weniger dazu, einen Gaffer zur Anzeige zu bringen“, so die Johanniter-Sprecherin.

Damit es gar nicht erst soweit kommt, müssen aus Sicht von Oppermann vor allem Prävention und Aufklärung geleistet werden. Denkbar wären demnach staatliche Aufklärungskampagnen, die an die Emotionen, das Gewissen und an das Mitgefühl der Menschen appellieren.

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Von Christian Bark