Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Ganz Brandenburg ist ein Terrarium
Brandenburg Ganz Brandenburg ist ein Terrarium
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:43 23.09.2013
Norbert Schneeweiß mit einer europäischen Sumpfschildkröte.
Norbert Schneeweiß mit einer europäischen Sumpfschildkröte. Quelle: Peter Geisler
Anzeige
Potsdam

Lotti könnte auch in Brandenburg zubeißen. Laut Norbert Schneeweiß von der Naturschutzstation Rhinluch (Ostprignitz-Ruppin) des Landesamtesumweltamtes (LUGV) versteckt sich so manche Schnappschildkröte in märkischen Sümpfen, obwohl sie dort eigentlich nichts verloren hat. Immerhin sind fünf von ihnen durch Beobachtungen und Fotoaufnahmen engagierter Bürger nachgewiesen worden.

Die fast bis zu einem halben Meter große Schildkrötenart kommt ursprünglich nur in Nordamerika vor. Aber weil Märker und Berliner junge Schnappschildkröten gekauft haben, der ausgewachsenen Exoten jedoch überdrüssig wurden, sind sie nun auch in Brandenburg immer mal wieder anzutreffen. Die Schnappschildkröten wurden einfach ausgesetzt. Damit teilen sie das Schicksal unzähliger Rotwangen- und anderer Schmuckschildkröten, die als Tierbabys Kinder und deren Eltern verzückten, später dann in der Havel oder im Branitzer Park bei Cottbus landeten. Besonders in Berlin selbst und im gesamten Speckgürtel tauchen die Exoten immer wieder auf. Aber auch das Cottbuser Umland und der Spreewald sind inzwischen ein neues Verbreitungsgebiet der Schmuckschildkröten.

„Es ist schon ein Problem“, sagt Schneeweiß. „Seit 1990 haben wir in Brandenburgs Gewässern 194 Einzelexemplare exotischer Schildkröten sicher nachgewiesen.“ Das sei nur die Spitze des Eisberges. „Es gibt sicher mehr als 500 fremdländische einzelne Schildkröten in Brandenburg, wenn nicht sogar mehr als 1000.“ Von den entdeckten oder gefundenen Exemplaren auf das gesamte Vorkommen zu schließen, sei schwierig. Dagegen liege die Zahl der einheimischen Europäischen Sumpfschildkröten „deutlich unter 100 Exemplaren“.

Die Europäische Sumpfschildkröte im Rahmen eines märkischen Projektes zu schützen, ist Schneeweiß' eigentliches Anliegen. Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind die nördlichsten Verbreitungsgebiete dieser Schildkröte mit vielen Unterarten. Doch gegenüber all den von Brandenburgern und Berlinern gekauften und dann sorglos ausgesetzten Schildkröten geraten sie allmählich ins Hintertreffen.

Die oftmals aggressiveren Exoten stellen nicht nur eine Nahrungs- und Revierkonkurrenz für die letzten verbliebenen „echten“ märkischen Schildkröten dar. Sie können sie auch mit fremdartigen Krankheiten infizieren. Während wärmeliebende Arten wie die Rotwangen- und andere Schmuckschildkröten einen harten Winter oft nicht überleben, können zum Beispiel Schnappschildkröten gut über den Winter kommen und wären in der Lage, sich dauerhaft anzusiedeln. Genau wie die aus Frankreich oder Spanien eingeschleppten Europäischen Sumpfschildkröten.

Die bringen durch Kreuzung mit der einheimischen Art deren Fortpflanzungsrhythmus durcheinander. Während die Sumpfschildkröte der Mark viel früher Eier legt, legen die südeuropäischen Unterarten später und manchmal sogar zweimal. Der neue, kreuzungsbedingte Rhythmus verringert die Anzahl der Nachkommen und führt zum Aussterben der heimischen Vorkommen.

Das alles unterläuft die Schutzbemühungen für die einheimische Sumpfschildkröte, in die das Land jährlich 12000 Euro investiert und für die private Stifter sogar rund 65.000 Euro hinzugeben. Umweltministerin Anita Tack (Linke) ärgert sich deswegen über gedankenlose Halter. „Es ist unverantwortlich, exotische Tiere illegal zu halten oder sie gar in freier Natur auszusetzen“, mahnt sie.

Die Schildkröten bedrohten nicht nur einheimische Libellen und Amphibien. „Auch die ausgesetzten Tiere selbst leiden in der ungewohnten Umgebung“, sagt Tack. Die Schildkröten stürben langsam und qualvoll.

Von Rüdiger Braun

Potsdam "Keule" treten am Donnerstag beim Bundesvision Songcontest mit "Ja genau" für Brandenburg an - "Wir werden den Sieg nach Hause tragen"
24.09.2013
23.09.2013