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Brandenburg Gedenkstätten-Direktor Morsch gegen Pflichtbesuche
Brandenburg Gedenkstätten-Direktor Morsch gegen Pflichtbesuche
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00:43 21.04.2018
Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg (Oberhavel) Quelle: Robert Roeske
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Oranienburg

Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, hat sich gegen verpflichtende Besuche in KZ-Gedenkstätten ausgesprochen. „Nicht zuletzt die Erfahrungen in der DDR haben gezeigt, dass diese Formen von ‚Zwangspädagogik’ häufig kontraproduktiv wirken und das historische Lernen eher verhindern als befördern“, sagte Morsch am Montag in Oranienburg dem Evangelischen Pressedienst (epd). So seien die Gedenkstätten in ihrer großen Mehrheit gegen Pflichtbesuche von Schülern. Vielmehr müssten die Bedingungen für Gedenkstättenfahrten in den Schulen verbessert werden.

Morsch leitet unter anderem die Gedenkstätte im ehemaligen KZ Sachsenhausen. Der Historiker betonte, für Besuche müsse im Schulalltag genügend Zeit zur Verfügung stehen, einschließlich der Vor- und Nachbereitung: „Nur dann können Lernerfolge erzielt und Einstellungen verändert werden.“

Morsch reagierte damit auf Äußerungen der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD), die sich angesichts aktueller antisemitischer Vorfälle in Deutschland für Pflichtbesuche in ehemaligen Konzentrationslagern ausgesprochen hatte. „Ich fände es sinnvoll, wenn jeder, der in diesem Land lebt, verpflichtet würde, mindestens einmal in seinem Leben eine KZ-Gedenkstätte besucht zu haben“, sagte Chebli der „Bild am Sonntag“. Das gelte auch für Zuwanderer. KZ-Besuche sollten zum Bestandteil von Integrationskursen werden, sagte Chebli, die Tochter palästinensischer Flüchtlinge ist.

Morsch, der die Gedenkstättenstiftung seit 1997 leitet und Ende Mai in den Ruhestand geht, sagte, es sei „dringend erforderlich, dass der Berliner Senat endlich bessere Bedingungen für Gedenkstättenbesuche von Schulklassen schafft“. Diese Besuche seien seit Jahren rückläufig und hätten sich „inzwischen auf niedrigem Niveau stabilisiert“. Grund seien innerschulische Probleme, die derartige Klassenbesuche erschwerten. „Besuchten 2006 noch 386 Schulklassen aus Berlin die Gedenkstätte Sachsenhausen, so waren es 2017 nur 230.“

Von Lukas Philippi

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