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Brandenburg Gemeinsames Lernen überfordert Brandenburgs Schulen
Brandenburg Gemeinsames Lernen überfordert Brandenburgs Schulen
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19:12 20.11.2018
Inklusion ist das große Ziel, geht aber nur schleppend voran. Quelle: dpa
Potsdam

Immer mehr Schulleiter und Eltern finden, behinderte Schüler und Schüler mit Lernschwierigkeiten sollten gemeinsam mit anderen Schülern an regulären brandenburgischen Schulen unterrichtet werden. Allerdings kommt Brandenburg bei der Umsetzung solcher auch von der UN-Behindertenrechtskonvention geforderten Maßnahmen nicht voran. Das sind die Kernaussagen eines Gutachtens, das der Bildungsexperte Wilfried W. Steinert im Auftrag der Bündnisgrünen erstellt hat. Es wurde am Dienstag von der bildungspolitischen Sprecherin der Grünen, Marie Luise von Halem, und dem Autor selbst vorgestellt.

Inklusion wird grundsätzlich gewollt

„Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist: Inklusion wird grundsätzlich begrüßt“, sagt Steinert. 90 Prozent der von ihm befragten Schulleitungen bewerteten das gemeinsame Lernen als positiv. Immerhin 72 Prozent der befragten Eltern fanden, Inklusion sei ein Menschenrecht, das auch in Brandenburg verwirklicht werden müsse. Tatsächlich habe das Land Brandenburg auch seit 1992 auf Inklusion gesetzt. „Es geht also nicht um das Ob, sondern nur das Wie.“ Aber beim „Wie“ deckte das Gutachten einige gravierende Mängel auf.

„Lehrermangel und fehlende Ressourcen verhindern eine gute Bildung für alle“, so Steinert. An 60 Prozent der Schulen fehle es an Personal, fast die Hälfte der befragten Schulleitungen klagten, dass es zu wenig sonderpädagogische Lehrkräfte gebe. Auch habe man zu wenig Zeit für gemeinsames Lernen. Lehrkräfte, die das gemeinsame Lernen koordinieren sollen, müssten zugleich selbst unterrichten. So bewege sich das Personal am „Rand des Burnouts“. 40 Prozent der Schulleitungen sind laut Studie der Ansicht, dass es nicht gelinge, alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen zu fördern. Einen Grundfehler sieht Steinert darin, dass das brandenburgische Schulgesetz nicht an die Herausforderungen des inklusiven Unterrichts angepasst worden sei. Deshalb hätten Kommunen etwa keine Richtlinien, wie ein inklusives Schulgebäude aussehen müsse.

Landesregierung muss einen Rahmen schaffen

„Um die Inklusion ist es still geworden“, stelle die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, von Halem fest. Das liege wohl nicht zuletzt daran, dass die konkreten Schritte zu einem gemeinsamen Lernen in Brandeburg nur schleppend umgesetzt würden. Erfreulich sei einerseits, dass Inklusion grundsätzlich gewollt sei. „Erschreckend sind die Bedarfe.“ von Halem forderte von der Landesregierung ein Leitbild und Standards. „Die Landesregierung ist verpflichtet, einen Rahmen zu schaffen.“ Als Beispiel für die Weigerung, solche Rahmenbedingungen zu schaffen nennt von Halem den Finanzierungsvorbehalt für inklusive Maßnahmen. Der Prozess der Inklusion sei „holprig“ geworden und werde das Land wohl noch lange beschäftigen.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Bildung (GEW) Brandenburg, Günther Fuchs, stimmt den wesentlichen Kritikpunkten zu. Im Schulgesetz sei zum Beispiel nicht das Recht eines Schülers auf individuelle Förderung verankert. „Das geschieht deswegen nicht, weil es dann Eltern und Schüler auch einfordern könnten.“

Wenig Leute im schulpsychologischen Dienst

Der Anspruch könne gar nicht eingelöst werden, weil es wie vom Gutachten geschildert die Ressourcen nicht gebe, weder genügend Lehrer noch Fachkräfte für den schulpsychologischen Dienst. „In Brandenburg kommen auf einen Schulpsychologen 10000 Schüler, im Bundesdurchschnitt sind es nur 5000.“ Sollte ferner der tatsächliche sonderpädagogische Bedarf an den Schulen gedeckt werden, müssten umgehend bis zu 600 Sonderpädagogen eingestellt werden. Die gebe der Markt nicht her. Die brandenburgische Politik habe bei der Ausbildung entsprechenden Personals versagt.

Das Bildungsministerium selbst wollte sich am Dienstag noch nicht zum Gutachten selbst äußern. Ministeriumssprecher Ralph Kotsch verweist aber auf Zahlen zum Beginn des neuen Schuljahres im vergangenen August. Damals hatte das Land 210 Stellen mehr als im Schuljahr zuvor vorgesehen. Diese hatten vor allem der Umsetzung des Konzepts „gemeinsames Lernen“ gedient.. Außerdem wurde inzwischen die Zahl der Studienplätze für das Lehramt an der Universität Potsdam deutlich erhöht, um auch den künftigen Bedarf decken zu können

Von Rüdiger Braun

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