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Brandenburg Gericht verurteilt Medizinpanscher aus Brandenburg
Brandenburg Gericht verurteilt Medizinpanscher aus Brandenburg
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00:19 26.11.2017
Im Havelland wurden tonnenweise illegale Dopingmittel produziert.
Im Havelland wurden tonnenweise illegale Dopingmittel produziert. Quelle: dpa
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Potsdam/Augsburg

Einer der größten Funde der Zollfahndung Berlin-Brandenburg hat nun zu teils hohen Haftstrafen geführt: Das Landgericht Augsburg verurteilte eine Bande von Aufputsch- und Potenzmittelpanschern aus Berlin und Brandenburg zu mehrjährigen Haftstrafen; der Hauptangeklagte Krystian W. (32) muss für sechs Jahre hinter Gitter. Die Zollfahndung hat im vergangenen Jahr zwei Tonnen illegaler Doping- und Arzneimittel sichergestellt, die in Untergrundlaboren in Berlin und Brandenburg hergestellt wurden.

Der vorbestrafte W. betrieb nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft bis zu seiner Festnahme im Mai 2016 einen schwunghaften Handel mit teils gefälschten, teils wirkstofflosen Dopingmitteln, deren Abnehmer er insbesondere in der Kraftsportszene fand. Seine rechte Hand dabei war Ronny L. (35) aus Mühlenbeck (Oberhavel). Beide betrieben laut Staatsanwaltschaft zwischen 2012 und 2014 ein Labor in einem Bungalow in Brieselang (Havelland).

Die Rohstoffe kamen aus China

Dort ging es zeitweise hoch her. So stellten die Dopingmittelbande selbst Steroidlösungen her, deren Rohstoffe W. aus China bezog. Damit befüllten die Panscher Ampullen und klebten Etiketten bekannter Aufputschmittel drauf. Unterstützung erhielten sie von einer ganzen Reihe von Strohmännern, die sich die China-Rohstoffe und den Laborbedarf gegen ein Handgeld an ihre Privatadresse liefern ließen.

Als der Handel gut lief wollte Krystian W. laut Staatsanwaltschaft die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. So holte er seinen kleinen Bruder Damian (30) mit ins Boot, der recht bald eine gewisse Fertigkeit im Befüllen von Kapseln und Etikettieren zeigte: Damian W. benötigte zwischen 40 bis 60 Minuten für 1000 Kapseln. „An guten Tagen“, so heißt es in der Anklageschrift, „schaffte er zwischen 5000 und 7000 Kapseln“. Für 1000 Pillen erhielt er von seinem Bruder anfangs 15, später 25 Euro.

Labor wurde nach Berlin verlagert

Ab April 2015 überredete Krystian W. noch den Rüdersdorfer Benjamin S., den W. noch aus seiner Zeit als Schreiner kannte und der gerade arbeitslos war, in das Geschäft einzusteigen. Aus Angst, entdeckt zu werden, verlagerte er sein Labor nach Berlin, ehe der illegale Handel aufflog.

Der Fall wurde in Augsburg verhandelt, weil eine der Angeklagten in der Fuggerstadt einen schwunghaften Handel mit den Dopingmitteln aufgebaut hatte. Außerdem hatte die auf solche Delikte spezialisierte Schwerpunktstaatsanwalt München den Fall aus Berlin übernommen.

Von Torsten Gellner

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