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Brandenburg Gesundheitscampus soll diesen Monat entstehen
Brandenburg Gesundheitscampus soll diesen Monat entstehen
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00:23 08.05.2018
Medizinstudenten in einem Hörsaal (Symbolbild).
Medizinstudenten in einem Hörsaal (Symbolbild). Quelle: dpa
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Potsdam

Noch in diesem Monat soll ein Kooperationsvertrag für den sogenannten Gesundheitscampus des Landes Brandenburg unterschrieben werden. Dies kündigte Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) am Freitag in der Staatskanzlei an. Die Universität Potsdam, die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg sowie die private Medizinische Hochschule (MHB) Theodor Fontane wollen künftig in einer gemeinsamen Fakultät Forschung rund um das Thema Gesundheit im Alter voranbringen. Dafür werden 16 neue Professuren ausgeschrieben.

Alle Stärken zusammengebracht

Die Universität Potsdam kann unter anderem mit ihrem Department für Sport- und Gesundheitswissenschaften zur Gesundheitsforschung beitragen. Die digitale Fakultät schließlich kann Methoden der Datenerhebung generieren und sich mit Datenschutzfragen befassen.

Die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg

verfügt über ein mit sechs Professuren ausgestattetes Institut für Gesundheit.

Die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) bildet seit 2015 pro Jahr 48 Medizinstudenten aus.

Die Errichtung eines solchen Forschungsverbunds plant das Land schon seit Jahren. Die Voraussetzungen für die neue, auf mehrere Einrichtungen und sechs Orte verteilte Fakultät sei erst vergangene Woche geschaffen worden, so Münch. Das Land habe die Finanzierung von vier Professuren für die private MHB beschlossen.

Keine staatlich finanzierte Medizinerausbildung

Ministerin Münch betonte am Freitag, dass es trotz der Zusammenarbeit der MHB mit den beiden Universitäten auch künftig keine staatlich finanzierte Medizinerausbildung in Brandenburg geben werde. Die Finanzierung der Professuren durch das Land sei „absolute Ausnahme“. Allerdings erlaube der neue Gesundheitscampus umgekehrt künftig eine medizinische Promotion in Brandenburg. Bislang sind Promotionen an der MHB nicht möglich.

Mit dem Kooperationsvertrag entstehe eine Fakultät, die die medizinische Forschung des Landes bündele, so Münch. „Es soll an Krankheiten geforscht werden, die im Land besonders relevant sind.“ Im Fokus stünden Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Demenz und Diabetes, von denen die stark alternde Bevölkerung Brandenburgs besonders betroffen sei.

„Durch die Verbindung dreier Hochschulen, außeruniversitärer Forschungseinrichtungen und Kliniken entsteht ein einmaliges dichtes Netzwerk.“ Dieses solle auch die medizinische Versorgung im Flächenland Brandenburg sicherstellen. Gründungsdekan der Fakultät soll der lange an den Berliner Unikliniken tätige Mediziner Joachim Dudenhausen werden. Er wird ein Büro auf dem Potsdamer Campus Golm bekommen.

Investition von mehreren Millionen Euro

Schon im vergangenen Jahr hatte das Land 2,2 Millionen Euro in den Campus investiert. Dieses Jahr sind Ausgaben von 3,4 Millionen Euro geplant, ab 2019 sollen jährlich rund 6,6 Millionen Euro in die neue Fakultät fließen. Finanziert werden soll davon zum Beispiel eine Professur für Polypharmakologie des Alterns. Sie untersucht, welche Wechselwirkungen beim Einnehmen verschiedener Medikamente eintreten können. Finanziert werden sollen auch sechs Professuren für Versorgungsforschung. Deren Forschungsziele legte der Dekan der MHB, Edmund Neugebauer, dar.

„Beim Herzinfarkt liegt Brandenburg bundesweit an der Spitze.“ Wissenschaftler müssten konkret prüfen, welche Faktoren eine Rolle spielten, dass Brandenburg beim jährlichen Herzbericht zusammen mit Ländern wie Mecklenburg-Vorpommern bei solchen Erkrankungen vorne liege und wie man das beeinflussen könne. „Wir wissen in vielen Bereichen noch gar nicht, was los ist“, ergänzte der Chefarzt der Abteilung Herzchirurgie am Immanuel Kant Klinikum Bernau (Barnim), Johannes Albes.

Gemeinsames Herzregisters Berlin-Brandenburg

Bei der Entwicklung neuer Theorien und Therapien spiele der Aufbau eines gemeinsamen Berlin-Brandenburgischen Herzregisters eine entscheidende Rolle. Albes nannte die Herzforschung als ein Beispiel für eine Grundlagenforschung, die zügig in praktische Anwendung umgesetzt werden könne. Um solche Forschung solle es im Gesundheitscampus vor allem gehen.

Der Präsident der Universität Potsdam, Oliver Günther, rechnet damit, dass bis zum Herbst 2021 in Brandenburg dank des Gesundheitscampus’ auch neue Studiengänge wie etwa „Versorgungswissenschaften“ in Brandenburg angeboten werden können. Langfristig könne man auch an einen gesundheitsbezogenen Sonderforschungsbereich denken.

Die Vertreter der drei beteiligten Hochschulen, neben Günther der Präsident der BTU, Jörg Steinbach und MHB-Dekan Neugebauer, sehen in dem Campus eine „win-win-Situation“ für ihre Einrichtungen. So könne dank des Gesundheitscampus’ an der MHB bald ein zweites Studienfach angeboten werden. „Wir sind auf gutem Weg, eine noch größere Universität zu werden“, so Neugebauer über seine in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) angesiedelte Einrichtung.

Von Rüdiger Braun