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Brandenburg „Glückskäfer Reisen“ insolvent: Das müssen Kunden jetzt wissen
Brandenburg „Glückskäfer Reisen“ insolvent: Das müssen Kunden jetzt wissen
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18:32 17.01.2018
Als kompetent, preiswert und freundlich bewirbt sich der Reiseveranstalter auf seiner Webseite. Quelle: Screenshot Glücksreisen
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Potsdam

Einmal auf hoher See eine Kreuzfahrt zu machen – dieser Traum ist nun womöglich für viele Brandenburger geplatzt. Das Amtsgericht Charlottenburg hat am Montag für den Berliner Veranstalter „Glückskäfer Reisen“ ein Insolvenzverfahren angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Stephan Thiemann von der Kanzlei Pluta bestellt. Der Rechtsanwalt ließ mitteilen, dass er und sein Team „kurzfristig die Möglichkeiten der Fortführung des Reiseunternehmens“ prüfen.

Veranstalter war Verbraucherzentrale als unseriös bekannt

Für Verbraucherschützer kommt die Insolvenz des Unternehmens nicht überraschend. Wiederholt hatte es in den vergangenen Jahren bei der Brandenburger Verbraucherzentrale Beschwerden über den Veranstalter gegeben. „Glückskäfer Reisen sind uns seit Längerem als unseriös bekannt“, sagt Sabine Fischer-Volk, Rechtsreferentin bei der Brandenburger Verbraucherzentrale. Allein im vergangenen Jahr hätten sich 15 Brandenburger über den Veranstalter beklagt.

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Nach Auskunft der Verbraucherschützerin waren die Kunden außer sich, weil sie eine Pauschalreise bei dem Veranstalter gebucht hatten, aber trotz Zahlung des vollen Preises bis heute keine Reiseunterlagen bekamen. Auch ein sogenannter Reisesicherungsschein sei nicht übergeben worden. Dieser belegt, ob und bei welchem Versicherer der Veranstalter gegen eine Insolvenz abgesichert ist. „Urlauber sollten aber niemals zahlen, wenn ein solcher Schein nicht schon mit der Reisebestätigung übergeben wird“, rät die Expertin.

Brandenburgerin wartet seit neun Monaten auf Reiseunterlagen

Fischer-Volk erinnert sich an einen besonders „heftigen“ Fall einer Brandenburgerin aus Frankfurt (Oder). Sie hatte im April 2017 eine Kreuzfahrt nach Südamerika gebucht und dafür damals 7200 Euro an den Reiseveranstalter gezahlt. Am 21. April 2017 erhielt sie zwar eine Reisebestätigung, jedoch fehlen bis zum heutigen Tag die Unterlagen für die Kreuzfahrt, die die Frau in der kommenden Woche antreten will.

Andere Brandenburger hatten sich an die Verbraucherzentrale gewandt, weil der Veranstalter gebuchte Reisen abgesagt hatte, ohne jedoch den bereits entrichteten Reisepreis zurückzuzahlen.

Über das unseriöse Geschäftsgebaren des Reiseveranstalters hatte auch die MAZ im März 2017 berichtet. Damals fiel die Kreuzfahrt für zwei Märker aus. Das Rentnerpaar aus Brandenburg an der Havel wollte sich über die Reise von Miami nach Italien nur informieren, erhielt aber sofort eine Buchungsbestätigung und eine Rechnung über insgesamt 4700 Euro.

Kunden sind verärgert

Nach der Pleite des Berliner Reiseveranstalters „Glückskäfer Reisen“ liegen die Nerven vieler Kunden erst recht blank. „Der Veranstalter ist seit Tagen nicht zu erreichen, das Geschäft in Berlin ist geschlossen“, schreibt ein Leser der MAZ. In seinem Fall hatten die Eltern einen Urlaub im Wert von 6000 Euro gebucht und müssen nun bangen, ob ihre bei dem Unternehmen gebuchten Reisen stattfinden oder ob sie das Geld zurückerstattet bekommen. Darüber entscheidet jetzt der Insolvenzverwalter. „Wir raten den Kunden, sich mit ihren Fragen an uns zu wenden“, sagt Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Der Berliner Reiseveranstalter „Glückskäfer Reisen“ verkauft Kur- und Wellnessreisen sowie Bus- und Flugreisen. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin wurde 2014 gegründet und beschäftigt 22 Mitarbeiter. Zum Unternehmen gehört zudem die Marke meinkapitän.de, die sich auf die Vermittlung von Kreuzfahrten spezialisiert hat.

Von Diana Bade