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Brandenburg Golzow startet Dorfladen-Experiment
Brandenburg Golzow startet Dorfladen-Experiment
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18:52 26.05.2019
Steht seit fünf Jahren leer – der Dorfladen in Golzow. Studenten aus Hessen arbeiten daran, das zu ändern. Quelle: Patrick Peul/dpa
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Golzow/Darmstadt

So mancher Bewohner von Golzow (Märkisch-Oderland) wurde in den vergangenen Tagen überrascht: Studenten bevölkerten die leeren Räume des früheren Lebensmittelladens im ansonsten eher verschlafenen Dorfzentrum, sie luden Passanten zum Gespräch, erkundeten mit geliehenen Fahrrädern die Gegend, werkelten an Holztischen. Schnell sprach sich herum: Das seit fünf Jahren leer stehende Geschäft soll wiederbelebt werden.

„Es gab viele, die schnell begeistert waren und Hilfe anboten“, sagt Architekt und Stadtplaner Christoph Muth. Der Doktorand der TU Darmstadt schreibt seine Promotion über das einstige DDR-Vorzeigedorf im Oderbruch und kam so auf die Idee für das Projekt, auch durch den Kontakt zu Golzows Bürgermeister Frank Schütz (CDU).

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„Den Wunsch eines Dorfladens gibt es bei den 814 Dorfbewohnern schon lange, vor allem auch bei den älteren, die kein Auto haben.“ Architektur-Studenten anhand einer konkreten Aufgabe in Kontakt mit der Realität zu bringen, ist Ziel. In der Praxis bekamen die Gäste aus Darmstadt von einem Bewohner Strom, von einem anderen Schrauben für den Möbelbau, wieder andere brachten Kuchen vorbei, erzählt Studentin Emilia Kühn. „Die Golzower sind von dem Projekt begeistert, einfach auch, weil sie einbezogen, ihre Wünsche berücksichtigt werden“, sagt die Studentin.

Per Fahrrad haben Kühn und ihre sechs Kommilitonen Biohöfe, Gärtnereien, Jäger und Fischer in der Region besucht und sie dafür gewonnen, ihre Produkte künftig auch im Golzower Dorfladen zu verkaufen. Lange wurde darüber diskutiert, wie ein Betreibermodell aussehen könnte. Denn meist haben solche Tante-Emma-Läden nicht genug Einnahmen, von denen ein Händler leben könnte. Im Oderbruch versuchen sich aktuell Einzelkämpfer in Groß Neuendorf, Kienitz und Neulewin, wie Schütz erzählt. In Letschin (Märkisch-Oderland) hingegen ist ein Ladenprojekt gerade gescheitert. Vorzeige-Beispiel im Landkreis ist nach Ansicht des Bürgermeisters der Dorfkonsum mit Café in Trebnitz. Hervorgegangen ist er aus einem Projekt der Bildungs- und Begegnungsstätte Schloss Trebnitz, die sich bemüht, alle Teile des Schlossensembles neu zu nutzen.

Shop im Schloss

In die frühere Remise zog der gut besuchte Dorfkonsum, das Café wird an den Wochenenden von einer Schülerfirma geführt. Brandenburgweit bekannt wurde auch der DORV-Club Seddin (Potsdam-Mittelmark), der in einem leer stehenden Supermarkt 2011 ein neues Versorgungszentrum samt Begegnungsstätte für den Ort schuf. Gut angenommen wird auch der von der Gemeinde vermietete Dorfladen in Wahlsdorf (Teltow-Fläming).

„Der Trend geht im ländlichen Raum zu Projekten, bei denen der Laden Nahversorgung und Treffpunkt bietet, also gleich mehrere Funktionen hat“, sagt Tobias Wienand vom Brandenburger Agrarministerium. „Auch in Golzow gibt es erste Überlegungen, dass ein Verein den Laden im Dorf ehrenamtlich betreibt, dabei außerdem Fahrradreparaturen und Englisch-Nachhilfe anbietet“, erzählt Projektleiter Muth. Die Idee von „Genussgutscheinen“, die am Monatsanfang verkauft werden, um Startkapital für den Laden zu haben, sei zudem diskutiert worden.

„Wir wollen auch die Post und die Sparkasse mit ins Boot holen, damit die Leute Pakete aufgeben oder Geld abheben können“, sagt der Bürgermeister. „Wir werden jetzt die Ergebnisse dieser Projekttage auswerten und ein Konzept entwickeln, ein maßgeschneidertes Format für Golzow“, sagt Projektleiter Muth, der im August mit den Studenten wiederkommen will, um den Laden einzurichten.

Dabei komme es darauf an, nicht nur Regale zu bauen und zu füllen, sondern einen Treffpunkt für die Golzower zu schaffen, betont seine Kollegin Iman Charara. „Es gibt hier zwar ein Gemeindezentrum mit dem Filmmuseum für die Langzeitdokumentation Kinder von Golzow und der Verwaltung. Doch die Leute vermissen Räume für ungezwungenes Beisammensein“, sagt sie. Der einzige Treffpunkt sei der Friedhof, hätten ihr die Leute erzählt.

Von Jeanette Bederke