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Brandenburg „Schallende Ohrfeige für Vogelsänger“
Brandenburg „Schallende Ohrfeige für Vogelsänger“
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18:38 19.05.2019
Die Sprühaktionen sind gestoppt. Quelle: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dp
Potsdam

Nach dem Einsatzstopp des Insektizids „Karate Forst flüssig“ in Brandenburg hat der Naturschutzbund (Nabu) eine Neuausrichtung der Forstwirtschaft gefordert. Vorrang müssten natürliche Formen des Pflanzenschutzes haben, sagte der Landesvorsitzende Friedhelm Schmitz-Jersch am Samstag. Dazu zähle ein Umbau des Walds zum Mischwald. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) hatte am Freitag das Versprühen des Insektizids gegen den Schädling „Nonne“ gestoppt.

Artenschutz muss stärker berücksichtigt werden

„Dem Beschluss kommt aus Sicht des Nabu [...] grundsätzliche Bedeutung zu“, sagte Schmitz-Jersch. Künftig sei das Versprühen von Insektiziden nur unter erheblich engeren Bedingungen und bei Sicherstellung des Artenschutzes möglich.

Der Nabu hatte gegen das Versprühen des Insektizids mit Hubschraubern im Landkreis Potsdam-Mittelmark geklagt. Während das Verwaltungsgericht Potsdam den Einsatz für zulässig erklärte, stoppte das OVG das Versprühen. Nun muss sich das Verwaltungsgericht erneut damit befassen. Die Naturschützer befürchten durch das Insektizid eine schwerwiegende Schädigung des gesamten Öko-Systems.

Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade betonte, der Einsatz sei notwendig, um die Wälder vor dem Schädling zu retten. „Von den rund 7700 Hektar befallenen Kiefernwäldern wurden bislang rund zwei Drittel behandelt“, sagte Schade. Für das restliche Drittel gebe es nur noch ein Zeitfenster von zwei Wochen. „Dann ist der Einsatz nicht mehr sinnvoll“, sagte der Sprecher. Er betonte, bei dem Einsatz des Insektizids gehe es nicht um eine politische Entscheidung. „Die Empfehlung wurde vom Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse ausgesprochen.“

Genehmigungsbehörde hatte auf Prüfungen verzichtet

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke nannte die Entscheidung des OVG eine „schallende Ohrfeige“ für Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Das Gericht hatte in seinem Beschluss moniert, dass „die Genehmigungsbehörde die erforderlichen naturschutzrechtlichen, insbesondere artenschutzrechtlichen Prüfungen nicht durchgeführt“ habe. Um insbesondere Wildbienen zu schützen, forderte Raschke zudem ein Programm zum Ausstieg aus dem Einsatz von Pestiziden in Brandenburg. Der Grünen-Politiker verwies dabei auf einen Bericht der Aurelia-Stiftung, die sich für den Schutz der Bienen einsetzt. Danach seien im Landkreis Barnim 600 Kilogramm Honig mit Glyphosat verunreinigt worden, weil auf einem zu einem Imker angrenzenden Feld ein Unkrautvernichtungsmittel ausgebracht worden sei.

In Brandenburg laufen derzeit zwei Volksinitiativen zum Schutz der Insekten. Die Initiative „Artenvielfalt retten - Zukunft sichern“ und „Mehr als nur ein Summen - Insekten schützen, Kulturlandschaft bewahren!“.

Von Klaus Peters

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