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Brandenburg Grüne wollen Spargelfolien verbannen
Brandenburg Grüne wollen Spargelfolien verbannen
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18:09 05.04.2018
„Völlig einseitig“ findet Spargelbauer Ernst-August Winkelmann den Vorstoß der Grünen. Quelle: dpa-Zentralbild
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Potsdam

Am Wochenende erst wurde Brandenburgs erste Spargelstange in Beelitz gestochen – dank wärmender Folien auf den Feldern. Doch jetzt wollen die Grünen per Gesetzesinitiative den Einsatz der Plastikplanen weitgehend verbieten. In einem am Dienstag vorgestellten Antrag für die Landtagssitzung im April fordert die Partei, Folien dürften auf höchstens zehn Prozent der Flächen einer Anbauregion verwendet werden. Derzeit wachsen mindestens 90 Prozent des Stangengemüses unter Kunststoff.

„Nicht nur das Landschaftsbild wird beeinträchtigt, es gehen auch massive negative Folgen für die Artenvielfalt mit den Folien einher – insbesondere von Vögeln“, sagt der agrarpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Benjamin Raschke.

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Beheizte Planentunnel im Freiland wollen die Grünen verbieten, das Land solle zudem Landwirten, die als Kompensation für den Planeneinsatz Hecken und Blühstreifen anlegten, deutlich mehr Geld zur Verfügungs stellen. Zuletzt sollen nach Vorstellung der Grünen öffentliche Kantinen nur noch Spargel anbieten, der „nachweislich keine Beeinträchtigung mit sich bringt“, so Raschke. Das schaffe einen „stabilen Absatzmarkt“ für Gemüse von ungeschützten Feldern.

Landesweit belegte der Spargelanbau laut Statistikamt Berlin-Brandenburg im Jahr 2015 rund 0,28 Prozent der Ackerfläche.

Als Beleg für den angeblichen biologischen Schaden der Plastikwirtschaft führen die Grünen eine im Auftrag des Landesamts für Umwelt 2013 erstellte Studie zum Vogelbestand in der Gegend östlich von Brandenburg/Havel, dem Vogelschutzgebiet Mittlere Havelniederung an. Diese Expertise eines Instituts für Ökologie und Naturschutz resümiert, der Folieneinsatz habe binnen zehn Jahren 21 Arten im Untersuchungsgebiet aussterben lassen – unter anderem Habicht, Sperber und Rotmilan.

Im Agrarministerium hält man den Vorstoß der Grünen für „überzogen“, so Sprecher Hans-Joachim Wersin. Die Datenbasis der Untersuchung gebe keineswegs her, dass der Spargelanbau Schuld an dem Artenschwund sei. Für die Spargelhöfe – Brandenburg ist zweitgrößter Lieferant unter den Bundesländern – wäre ein Folienverbot „eine Katastrophe“, sagt Wersin. Spargelbauer Ernst-August Winkelmann, von dessen Klaistower (Potsdam-Mittelmark) Hof der erste Spargel vom Wochenende stammt, kritisiert: „Der Vorschlag ist völlig einseitig. Ohne Folien gibt es keinen Spargelanbau mehr in Brandenburg.“ Die Dämme würden der Erosion zum Opfer fallen, Winde würden den leichten Sandboden davon wehen. In ganz Deutschland seien Planen im Einsatz – auch im biologischen Landbau. Die Abdeckung habe wesentliche ökologische Vorteile, so Winkelmann: Die Bauern müssten weniger Pestizide einsetzen, weil das Unkraut kaum noch wachse. Der Wasserverbrauch sinke deutlich wegen der geringeren Verdunstung. Außerdem könne man mit den wärmeabweisenden (weiß) oder -anziehenden (schwarz) Folien die Ernte so steuern, dass an heißen Tagen kein Überangebot entstehe. Falle das Mittel weg, seien die Spargelstecher überfordert.

Spargel sei gesund, schmackhaft und dank Folieneinsatz auch erschwinglich, sagt Jürgen Schulze vom Verband der Ostdeutschen Spargel- und Beerenobstanbauer (VOSBA). Die Wertschöpfung bleibe im Land. „Lassen Sie und das bewahren“, so Schulze.

Von Ulrich Wangemann

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