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Brandenburg Jugendliche trotz Verbots auf Liegen fixiert
Brandenburg Jugendliche trotz Verbots auf Liegen fixiert
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15:43 10.01.2014
Quelle: dpa
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Potsdam

Vermutungen kursierten schon lange. Nun gibt es aber offenbar auch Beweise dafür, dass in den umstrittenen Kinder- und Jugendheimen der Haasenburg GmbH Fixierliegen auch nach deren Verbot im Jahr 2010 noch verwendet wurden. Das berichtete Bildungsministerin Martina Münch (SPD) am Donnerstag in der Sitzung des Bildungsausschusses im Potsdamer Landtag.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus habe im Rahmen ihrer Ermittlungen Spuren gefunden, die darauf hindeuten, dass ein Junge auf einer solchen Liege festgeschnallt wurde, als das Ministerium diese bereits verboten hatte. "Damit haben wir zum ersten Mal etwas Belastbares, das über die Aussagen von Betroffenen hinausgeht", sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding am Freitag dazu.

Das Verwaltungsgericht Cottbus hat unterdessen die Entscheidung über die Schließung der Haasenburg-Heime auf Anfang der kommenden Woche verschoben. Dies erklärte Gerichtssprecher Gregor Nocon auf Anfrage. Ursprünglich war die Entscheidung im Eilverfahren am Freitag erwartet worden. In den drei Heimen der Haasenburg GmbH in Brandenburg werden allerdings schon seit dem 19. Dezember keine schwer erziehbaren Kinder und Jugendliche mehr betreut. Nach Missbrauchsvorwürfen hatte das Ministerium ihre Räumung und Schließung angeordnet. Der Betreiber wehrt sich juristisch dagegen. Tatsächlich stoppte das Verwaltungsgericht Cottbus im Dezember die Schließung – aber nur, weil es bis dato noch keine Zeit gehabt hatte, den Fall zu prüfen. Die Jugendlichen waren zu diesem Zeitpunkt schon in anderen Einrichtungen untergebracht oder dorthin unterwegs.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in mehr als 70 Fällen wegen Misshandlungsvorwürfen gegen Erzieher und Betreteiber der Heime. Ein Abschluss der Ermittlungen sei noch nicht absehbar, sagte die Sprecherin der Behörde, Petra Hertwig. "Jeder Einzelfall muss genau geprüft werden. Und es kommen ja noch laufend neue Anzeigen herein."

Warum das Landesjugendamt als Kontrollbehörde nicht selbst auf Hinweise zur Fixierung der Heimbewohner gestoßen ist, könnte unter anderem Gegenstand der nächsten Ausschusssitzung im Februar werden. Dann soll Münch umfassend zur Rolle ihrer Behörde in dem Skandal Stellung nehmen. Die Ministerin und das Landesjugendamt waren im Zuge der Affäre selbst heftig in die Kritik geraten.

MAZonline

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