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Brandenburg Haasenburg widerspricht Kinderquälerei
Brandenburg Haasenburg widerspricht Kinderquälerei
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17:00 17.06.2013
Quelle: dpa
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Potsdam

Die Berliner Zeitungtaz“ berichtete in ihrer Samstagausgabe, dass in dem Heim der Haasenburg GmbH in der Gemeinde Schwielochsee (Dahme-Spreewald)  im Rahmen sogenannter „Anti-Aggressionsmaßnahmen“ Kinder mit Gurten für den Kopf und die Oberschenkel fixiert worden sein sollen. Die Betroffenen hätten infolgedessen teils Frakturen erlitten. Außerdem sollen Psychopharmaka und Neuroleptika an die Insassen verabreicht worden sein. Diese könnten erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen haben.

Die Kinder, die in den Heimen untergebracht sind, seien meist zwischen zwölf und 16 Jahren alt und stammten aus Familien, in denen Alkohol, Arbeitslosigkeit und sexueller Missbrauch zum Alltag gehörten. Die Zeitung beruft sich unter anderem auf interne Dokumente und Aussagen ehemaliger Mitarbeiter. Ein Sprecher des Unternehmens bestreitet die Vorwürfe. Obwohl bereits Beschwerden vorlägen, sei bisher nur oberflächlich vonseiten des Landes Brandenburg kontrolliert worden. Auch die Anzeige einer ehemaligen Insassin sei ohne Folgen geblieben.

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Auf der Homepage teilte das Unternehmen mit, dass es „gequälte Kinder“ und „Horror am Waldrand“ nicht gebe. Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg hat auf Grund der Vorwürfe dennoch eine Untersuchungskommission angekündigt. Die Kommission soll schnellstmöglich ihre Arbeit aufnehmen und intensiv den Umgang mit den Kindern und Jugendlichen, bei denen gerichtlich eine geschlossene Unterbringung zugelassen wurde, in den Einrichtungen des Trägers untersuchen, teilte das Ministerium am Montagnachmittag mit.

Das Brandenburger Bildungsministerium wies den Vorwurf der Nachlässigkeit am Sonntag zurück. Von den jungen Heimbewohnern, die aus gestörten Verhältnissen kämen, lägen keine Beschwerden vor. Man kenne die geschilderten Fälle nicht, werde aber den Heimbetreiber zur Stellungnahme auffordern, sagte Sprecher Stephan Breiding.

Am Montag fügte Breiding hinzu, dass man sich um Aufklärung bemühe. In der Vergangenheit bekanntgewordene Missstände wie Einheitskleidung oder die Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Heiminsassen durch Fixierung seien nach Wissen des Ministeriums inzwischen abgestellt worden, sagte er.

Andreas Büttner, Fraktionsvorsitzender der FDP im Landtag, erklärte: „Wir nehmen das mit Entsetzen zur Kenntnis.“ Sollten sich die Vorwürfe erhärten, müssten „alle strafrechtlichen Konsequenzen“ gezogen werden. Jürgen Maresch, früherer Bundespolizist und heutiger Landtagsabgeordneter der Linken, forderte, dass keine Kinder mehr in dem Heim in Jessern untergebracht werden, bis die Vorwürfe aufgeklärt sind.

Laut Paragraf 1631b BGB ist die geschlossene Unterbringung bei Kindern zulässig, „wenn sie zum Wohl des Kindes, insbesondere zur Abwendung einer erheblichen Selbst- oder Fremdgefährdung, erforderlich ist und der Gefahr nicht auf andere Weise, auch nicht durch andere öffentliche Hilfen, begegnet werden kann“ . (ang/epd)

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