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Brandenburg Handy erkennt Fälschungen mit einem Klick
Brandenburg Handy erkennt Fälschungen mit einem Klick
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09:42 09.12.2016
Geschäftsführer Cüneyt Göktekin  und seine Mitarbeiter entwickelten eine App zum erkennen von sogenannter elektronischer, künstlicher DNA. Das Büro liegt in Potsdam unweit des Nauener Tors.
Geschäftsführer Cüneyt Göktekin und seine Mitarbeiter entwickelten eine App zum erkennen von sogenannter elektronischer, künstlicher DNA. Das Büro liegt in Potsdam unweit des Nauener Tors. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Die Computerzeitschrift „c’t“ veröffentlichte vor Kurzem eine beunruhigende Meldung. Sie testete etliche bei Amazon gehandelte Samsung-Akkus. Kein einziger wurde wirklich von Samsung produziert. Dass viele Produkte gefälscht werden, ist bekannt, in welchem Ausmaß das geschieht, wird aber oft unterschätzt.

„Fälschungen sind ein Riesenproblem“, sagt der studierte Informatiker und Unternehmer Cüneyt Göktekin. Die Folge sind wirtschaftliche Schäden, Probleme bei der Haftung für Folgeschäden und Reputationsschäden für renommierte Marken. Unternehmen und Kunden haben also ein großes Interesse, Original und Fälschung schnell unterscheiden zu können.

Genaue Prozedur hält der Geschäftsführer geheim

Schon 2013 hatte der auf Bildverarbeitung spezialisierte Gründer Göktekin ein Patent angemeldet. Inzwischen zählt seine in Potsdam beheimatete Firma „Snaptrust“ sechs Mitarbeiter. Die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) hat jetzt für einen Millionenbetrag Anteile des Startups aufgekauft, so sehr hat sie „Snaptrust“ überzeugt.

Das einzige Instrument, das man für den Nachweis der Echtheit eines Produkts braucht, ist ein Smartphone – und ein paar Tricks, die „Snaptrust“ den um ihre Produkte besorgten Unternehmen liefert. „Wir verstecken in den gedruckten Etiketten, den Verpackungen oder auf den Produkten selbst ein Merkmal, das vom Smartphone erkannt wird.“ Die genauere Prozedur hält Göktekin natürlich geheim.

Große Bandbreite an möglichen Interessenten

Es geht aber grob gesprochen darum, dass den Unternehmen von „Snaptrust“ ein System bereitgestellt wird, das eine Kombination einzelner Bildverarbeitungsschritte für die Handykamera festlegt. Diese Kombination der Bildverarbeitungsschritte ist so etwas wie der Code, der von der mit einer entsprechenden App ausgestatteten Handykamera erkannt wird. Sie entscheidet dann: echt oder unecht. Der Code ist fälschungssicher, weil nur die jeweiligen Unternehmen ihn kennen. Außerdem ist den Etiketten oder Produktoberflächen nicht anzusehen, dass in ihnen ein zusätzliches Merkmal versteckt ist. Dieses Merkmal wirkt wie ein unsichtbares Wasserzeichen, das der Kamera die besondere Bildverarbeitung aufzwingt.

„Potenzielle Fälscher kennen die Folge der Bildverarbeitungsschritte nicht“, sagt Göktekin. „Diese sind sozusagen unser Zahlenschloss.“ Der erste Interessent für dieses „Spezialschloss“ war 2014 ein weltweit operierender Autokonzern. Der wollte verhindern, dass gefälschte Ersatzteile unter seinem Namen auf den Markt kamen. „Dort haben wir das System gecheckt, es hat alles funktioniert“, sagt Göktekin.

Die Firma hat sich dann für ein anderes System entschieden. Deshalb ist „Snaptrust“ noch nicht im Einsatz. Es gibt aber mögliche Interessenten: Pharmafirmen, Automobilfirmen, die Elektronikindustrie. Die Bandbreite reiche von großen mittelständischen Unternehmen bis zu Konzernen. Erste Anwender der Technik könnten zum Beispiel Zollbeamte sein, die mit einem Kameraklick entscheiden, ob zum Beispiel die Schuhe im Riesencontainer aus Shanghai tatsächlich Originale von Nike sind.

Großes Thema für die nächste Zeit: Marketing

„Als nächstes wollen wir wachsen und unsere Produkte weiter entwickeln“, sagt Göktekin. Marketing werde für die nächste Zeit ein ganz großes Thema sein, deshalb soll bald ein Vertriebsmitarbeiter das Team aus Informatiker, Wirtschaftswissenschaftlern und Physikern in einem Altbau in der Friedrich-Ebert-Straße ergänzen. Wie weit das nun wohlhabend gewordene „Snaptrust“ 2017 personell wachsen könnte, darauf möchte sich Göktekin nicht festlegen. „Wir sind ein Startup, da sind die Wachstumsraten nicht exorbitant.“

Trotzdem soll das kein Hindernis für neue Anwendungen sein. Zum Beispiel soll „Snaptrust“ auch für Endverbraucher interessant werden. Irgendwann sollen auch Einzelkunden in der Lage sein, mit einem Kameraklick eine Fälschung zu entdecken. Dann dürfte es auch in Haushalten keine bösen Überraschungen mehr geben, wenn endlich die bei Amazon bestellten, erstaunlich günstigen „Samsung“-Akkus eintreffen.

Von Rüdiger Braun

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