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Brandenburg Hendricks erntet Shitstorm wegen Bauernregeln
Brandenburg Hendricks erntet Shitstorm wegen Bauernregeln
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17:49 03.02.2017
Liegt das Schwein im frischen Stroh, grunzt es laut und lebensfroh. Quelle: dpa
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Potsdam

„Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.“ Oder: „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm.“ Sprüche wie diese sollen demnächst in ganz Deutschland auf Plakatwänden stehen. Eine Kampagne von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die mit „Neuen Bauernregeln“ für eine „nachhaltige Landwirtschaft“ werben will, sorgt bei den alteingesessenen Bauern für mächtig Ärger. Die Rede ist von staatlichem Mobbing, von einer Kampfansage, von Bauernbashing. Der Grund: Die Bauern fühlen sich von den Sprüchen in ihrem Berufsethos diffamiert.

Auch Brandenburgs Bauern würden die Ministerin derzeit wohl am liebsten mit einer Mistgabel vom Hof jagen. Bauernverbandspräsident Henrik Wendorff schäumt vor Wut: „Ich habe lange nicht so einen diffamierenden Unsinn gelesen“, sagt er. „Was mich an dieser Kampagne am meisten stört, sind noch nicht mal die enormen Kosten für den Steuerzahler, sondern das ist der populistische, einseitige und deswegen unwahre Blick auf die Landwirtschaft von heute und die Ideologie dahinter.“ Wendorff, der selbst Biolandwirt ist, hält Hendricks Kampagne für nichts geringeres als eine „billige Beleidigung unseres Berufsstands“.

Tiefpunkt der agrarpolitischen Diskussion

Eine Sprecherin von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) äußerte sich „sehr verwundert“ über die Kampagne. Am Donnerstag hatte das Bundesumweltministerium elf „neue Bauernregeln“ veröffentlich, die auch in 70 deutschen Städten plakatiert werden sollen. Unter anderem wird gereimt: „Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt.“

Nach Ansicht des Bauernverbands kann das Umweltministerium nicht mehr ernst genommen werden. Generalsekretär Bernhard Krüsken bezeichnete es als „Tiefpunkt in der agrarpolitischen Diskussion, wenn ein Ministerium glaubt, mit Schüttelreimen Politik und öffentliche Debatten vorantreiben zu können“. Das Umweltministerium wies die Kritik zurück. „Uns geht es nicht darum, einen Berufsstand zu diffamieren“, versicherte ein Sprecher. Man wolle lediglich im Rahmen einer gesellschaftlichen Debatte „auf spielerische und humorvolle Art“ auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen.

Von Torsten Gellner