Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Ausnahmesommer: Wird diese Hitze bald zur Regel?
Brandenburg Ausnahmesommer: Wird diese Hitze bald zur Regel?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:54 24.07.2018
Kinder können sich am See über den heißen Sommer freuen. Für viele andere sind die hohen Temperaturen besorgniserregend. Quelle: dpa
Anzeige
Potsdam

Der bislang außergewöhnlich heiße Sommer in diesem Jahr könnte in den kommenden Tagen für neue Rekorde sorgen. „Ich gehe davon aus, dass diese Woche die bislang heißeste des Jahres wird“, sagt Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Für Mittwoch kündigt der Experte Temperaturen bis zu 35 Grad in Brandenburg an. Damit würde auch der Einzelrekord des Jahres übertroffen. „Am wärmsten war es bisher mit 33,4 Grad in Holzdorf (Elbe-Elster)“, sagt Lux. „Sehr außergewöhnlich dabei ist, dass diese Temperatur schon im Mai gemessen wurde“.

Doch ein Ausnahmesommer wird es nicht bleiben: „Wir befinden uns bereits im Klimawandel“, sagt Hydrologe Fred Hattermann vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung. „In 20, 30 Jahren wird dieser Sommer mit seinen Temperaturen keine Ausnahme, sondern ein Durchschnittssommer sein“. Ob es dabei so trocken wie in diesem Jahr oder so feucht wie im vergangenen Jahr werden wird, sei noch nicht vorauszusagen. „Aber auch wenn ein Einzelereignis noch keinen Trend macht, passt der Sommer zu dem, was wir uns unter dem Klimawandel vorstellen.“

Anzeige

Waldbrandgefahr fast überall hoch oder sehr hoch

Das hat auch aktuell für Brandenburg Folgen: Neben der außergewöhnlichen Hitze ist der Sommer in Brandenburg in diesem Jahr zusätzlich ungewöhnlich trocken. Die Gefahr für Waldbrände wird aktuell fast überall als hoch eingestuft. Im Landkreis Elbe-Elster wird sogar vor sehr hoher Gefahr gewarnt. Auch die Wasserstände der Gewässer liegen deutlich unter den Mittelwerten, die sonst für diese Zeit üblich sind.

Für die Fischer im Land werden diese niedrigen Wasserstände im Land immer bedrohlicher. „Gerade für die Teichfischer ist der Zustand aktuell katastrophal“, sagt der Geschäftsführer der Landesfischereiverbandes, Lars Dettmann. Vielerorts werde sogar eine Notabfischung in Erwägung gezogen. Dabei werden alle Fische aus Sauerstoffmangel in ein anderes Becken umgesetzt. Die Fischer müssen mit hohen Verlusten rechnen.

Landwirte sind zu Notschlachtungen gezwungen

Einige Landwirte hat die Dürre bereits zu Notschlachtungen und Notverkäufen gezwungen. Der Grund: Wegen der miserablen Ernte fehlt den Betrieben das Grünfutter. „Wir haben einen Ernteausfall von 70 Prozent bei Getreide und Futter“, sagt Elard von Gottberg von der Agrargenossenschaft Ziesar. Wenn es nicht bald regne, müsse Milchkuhbestand weiter verkleinert werden.

Die Wasserqualität der Badeseen im Land ist derweil noch ausgewiesen gut. Auch die Entwicklung der für Badegäste teilweise gefährlichen Blaualgen, die hoher Sonneneinstrahlung besonders gedeihen, ist nicht höher als üblich. Keine der überprüften Badestellen, musste bislang gesperrt werden. Die Sichttiefe, die oft als Hinweis für vermehrtes Algenvorkommen dient, ist allerdings an sieben Seen im Land unter der Schwelle von einem halben Meter. Im Rangsdorfer See liegt sie sogar nur bei 30 Zentimetern.

Hitze besonders für Senioren gefährlich

Besonders für ältere Menschen kann die anhaltende Hitze sogar zu einer Gefahr werden. Davor warnen Krankenversicherungen wie die Barmer: „Ältere Menschen trinken ohnehin oft zu wenig“, sagt die Landesgeschäftsführerin Gabriela Leyh. Gerade Senioren seien dann dem erhöhten Risiko eines Hitzschlages ausgesetzt.

Bereits die vorherigen drei Monate waren wärmer als üblich. Der April war sogar der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. „Ich bin gespannt, wie viele Rekorde am Ende des Sommers noch gefallen sein werden“, sagt Wetterexperte Lux.

Von Ansgar Nehls

24.07.2018
27.07.2018