Hitze und Trockenheit: Brandenburgs Grundwasserpegel sinken auf Rekordtief
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Brandenburg Brandenburgs Grundwasserstände sinken auf Rekordtief
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Hitze und Trockenheit: Brandenburgs Grundwasserpegel sinken auf Rekordtief

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16:16 12.08.2020
Ausgetrocknet ist das Flussbett der Schwarzen Elster, ein Nebenfluss der Elbe. Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
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Potsdam

Die trockenen Sommer der vergangenen Jahre und die niederschlagsarmen Winter zehren an den Grundwasservorräten in Brandenburg. Im Vergleich zu 2018 haben sich die Grundwasserstände deutlich nach unten entwickelt und sind teilweise auf ein Rekord-Tief gefallen.

Zwischen 2018 und 2020 wurden an einem Drittel der gut Tausend Messstellen im Land die bisher erfassten Tiefststände noch einmal unterschritten. Das geht aus einem Bericht zum Landeswasserhaushalt hervor, den Umweltminister Axel Vogel (Grüne) am Mittwoch im Umweltausschuss des Landtags vorstellte.

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Hochwasser ist Mangelware geworden“

Hochwasser ist Mangelware geworden in Brandenburg. Unser neues Extrem heißt Dürre und Niedrigwasser“, sagte Vogel. „Weil das kein Problem ist, das nur für ein Jahr besteht, brauchen wir ein Niedrigwasserkonzept“, sagte er. Ein solches Konzept, das sich an die Wasserbehörden im Land richten soll, wird gerade erarbeitet.

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir weniger Grundwasser haben und deshalb weniger entnehmen können“, sagte Vogel. Denkbar sei ein Klima-Abschlag, den Unternehmen oder andere Institutionen für eine Wasserentnahme zahlen sollen. Eine kurzfristige Entspannung der Wasserspeicher sei nicht zu erwarten, machte der Minister deutlich. „Es müsste sieben Monate lang doppelt so viel regnen wie eigentlich üblich, damit wir das Defizit der vergangenen zwei Jahre ausgleichen können. Das ist illusorisch“, sagte er.

Potsdamer verbrauchen 60 Prozent mehr Wasser

Unterdessen steigt der Wasserverbrauch an, weil mehr geduscht wird, Pools gefüllt und Gärten bewässert werden. Bei den Potsdamer Stadtwerken liegt der tägliche Wasserverbrauch derzeit rund 60 Prozent über dem üblichen Durchschnittswert. Normal wäre für diese Jahreszeit eine Wasserentnahme von 30.000 Kubikmetern am Tag, sagte Stadtwerke-Sprecher Göran Böhm. „Wir liegen aktuell bei mehr als 45.000 Kubikmetern.“

Dies sei bereits in den vergangenen zwei Jahren mit den trockenen Sommern ähnlich gewesen. Dass sich der Wasserverbrauch in Potsdam erhöhe liege auch an der wachsenden Stadt. Eine akute Gefahr für die Wasserversorgung sehen die Stadtwerke nicht. „Aber wir beobachten das Thema natürlich“, so Böhm.

Fischtreppen gesperrt, Flüsse ausgetrocknet

In mehreren Landkreisen wurde deswegen die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern wie Seen oder Bächen wegen der Trockenheit beschränkt oder wie in Potsdam verboten. Zum Teil wurden Fischtreppen in Bächen gesperrt, um ein zu starkes Ablaufen zu verhindern. Die Schwarze Elster ist seit Monaten trockengefallen. Der Wasserstand der Talsperre Spremberg an der ist um 177 Zentimeter gesunken.

Lesen Sie auch: Potsdam verbietet Wasserentnahme – und langt selbst zu

Die Rhinspeicher bei Neuruppin sind nur noch zu neun Prozent gefüllt. Ohne weitere Niederschläge seien die restlichen Wasservorräte binnen weniger Tage aufgebraucht, hieß es im Bericht des Umweltministeriums. Ähnlich die Situation des „Dossespeichers“ bei Kyritz: Die Talsperre führt laut Bericht nur noch zehn Prozent ihres Volumens. Extremwerte bei den Grundwasserständen sind unter anderem im Bereich der Nuthe-Notte-Niederung, der Luckenwalder Heide, der Spreetalniederung, Leuthener Sandplatte bei Beeskow, im Barnim oder bei Cottbus zu verzeichnen.

In der Lausitz droht das Calpenzmoor auszutrocknen. Es wird durch Niederschläge und Grundwasser gespeist. Nach Ansicht von Umweltschützern, Grünen und Linkspartei ist das – neben den klimatischen Veränderungen – vor allem auf den sechs Kilometer entfernten Braunkohlen-Tagebau Jänschwalde des Kraftwerksbetreibers Leag zurückzuführen.

Von Torsten Gellner