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Brandenburg Dynastie im Wandel der Zeiten
Brandenburg Dynastie im Wandel der Zeiten
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15:22 24.02.2014
Georg Friedrich Prinz von Preußen, aktueller Haus-Chef der Hohenzollern. Quelle: dpa
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Potsdam

Während Adelsgeschlechter wie die Bismarck-Nachfahren in Friedrichsruh mit Scheidungs- und Alkoholschlagzeilen aufhorchen lassen und Welfenprinz Ernst August wahlweise den Titel „Pinkelprinz“ oder „Prügelprinz“ verliehen bekam, zeigen sich die Nachfahren Friedrichs des Großen ziemlich zahm. Hohenzollern-Chef Georg Friedrich, der 2011 in der Potsdamer Friedenskirche seine Gattin Sophie ehelichte, zelebriert heute mit Frau und Zwillingssöhnen das skandalfreie Landleben in Norddeutschland.

Trauung in der Potsdamer Friedenskirche

» Bei der Hohenzollernhochzeit in Potsdam lief (fast) alles perfekt: Harmonie mit kleinen Zwischenfällen

Dafür rumpelte es früher ordentlich hinter den Preußen-Kulissen. Georg Friedrichs Ururgroßvater, Kaiser Wilhelm II., verwechselte seine Familie teilweise anscheinend mit einer Kompanie. „Die Kinder sahen ihren Vater meist nur bei Paraden und anderen öffentlichen Anlässen. Der Kontakt der Monarchen zu seinen Söhnen erfolgte fast ausschließlich durch die Vermittlung des jeweiligen Chefs des Militärkabinetts“, schreibt der Potsdamer Hohenzollern-Experte Jörg Kirchstein in seinem Buch „Kaiserkinder“.

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Die Hohenzollern waren seit dem 15. Jahrhundert im Gebiet Brandenburgs aktiv, sie stellten später deutsche Könige und Kaiser. Heute hat die einstige Herrscherfamilie keine politische Macht mehr. Gegenwärtiges Oberhaupt der Hohenzollern ist Georg Friedrich Prinz von Preußen, der eine enge Beziehung zu Potsdam hat.

Der älteste Kaisersohn, ebenfalls auf den Namen Wilhelm getauft, zeigte eher Neigungen zum leichten Leben. In Potsdam, wo er sich den soliden Ruf eines Schürzenjägers erworben hatte, residierte er mit seiner Familie in dem im englischen Landhausstil errichteten Schloss Cecilienhof. Nach der Abdankung folgte er seinem Vater zunächst ins niederländische Exil. Auf der Nordsee-Insel Wieringen bewohnte er bis 1923 zwei einfach eingerichtete Zimmer in einem Pfarrhaus, ehe er wieder nach Deutschland zurückkehren durfte. Viele Mitglieder der Familie waren an der Havel geblieben und nahmen rege am gesellschaftlichen Leben teil. Prinz Oskar, Herrenmeister des Johanniterordens, lebte beispielsweise am Fuß des Pfingstbergs in der Villa Quandt. Generell stand die Stadt immer noch sehr unter dem Eindruck ihrer royalen Vergangenheit. Monarchistische Tendenzen waren in der Bevölkerung noch Anfang der 1930er Jahre viel stärker vertreten als Sympathien für die Nationalsozialisten.

Ein gebürtiger Potsdamer war auch Louis Ferdinand, der zweitälteste Sohn von Kronprinz Wilhelm und Kronprinzessin Cecilie. 1907 geboren, wurde er an seinem zehnten Geburtstag traditionsgemäß – symbolisch – als Leutnant in das 1. Garde-Regiment zu Fuß eingestellt und erhielt von seinem Großvater den Schwarzen Adlerorden. 1938 heiratete er in seiner Geburtsstadt Kira Kirillowna Romanowa, die Tochter des Großfürsten Kyrill Wladimirowitsch von Russland. 1940 fiel sein älterer Bruder, der ebenfalls den Traditionsnamen Wilhelm trug, im Frankreich-Feldzug. Doch schon vorher war Louis Ferdinand auf Platz eins einer möglichen Thronfolge vorgerückt. Wilhelm hatte nämlich wegen seiner Heirat, die als nicht standesgemäß betrachtet wurde, auf sein Erstgeborenenrecht verzichtet.

Um die Ebenbürtigkeit der Ehepartner rankten sich auch in den letzten Jahrzehnten viele Zwistigkeiten im Hause Hohenzollern. Wer einer Bürgerlichen oder Nicht-Standesgemäßen die Hand reichte, verlor laut Hausgesetz den Nachfolgeanspruch, was bei den Betroffenen für einiges böses Blut sorgte.

Der Enkelsohn des 1994 verstorbenen Louis Ferdinand, Georg Friedrich, hat mit Sophie aus dem Hause Isenburg jedenfalls eine Wahl getroffen, die auch vor den gestrengen dynastischen Augen Bestand hat. Dass man nicht unbedingt blaues Blut in den Adern braucht, um eine glückliche Ehe zu führen, zeigen aber viele andere Preußen-Ehen. Bestes Beispiel sind Franz Friedrich Prinz von Preußen, der in der Landeshauptstadt im Immobiliengeschäft tätig ist, und seine Gattin Susann, eine ehemalige Pianistin.

Von Ildiko Röd

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