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Brandenburg Hohenzollern wollen angekratztes Image aufpolieren
Brandenburg Hohenzollern wollen angekratztes Image aufpolieren
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17:09 05.01.2020
Reichskanzler Adolf Hitler und Kronprinz Wilhelm von Preußen im Gespräch während der Feier vor der Garnisonkirche in Potsdam am 21. März 1933 („Tag von Potsdam“). Quelle: Bundesarchiv
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Potsdam

Die Hohenzollern wollen offenbar mit einer Informationsoffensive gegen den Imageschaden ankämpfen, den das Haus im Entschädigungsstreit mit dem Staat erlitten hat. Wie „Der Spiegel“ am Samstag berichtete, will der Rechtsanwalt der ehemaligen Kaiserdynastie, Markus Hennig, auf dem kommenden Historikertag in München sprechen. Das Magazin beruft sich auf eine Korrespondenz zwischen dem Anwalt, dem Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) sowie dem Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam (ZZF), Martin Sabrow.

Anwalt will Rederecht auf Historikertag

Hohenzollern-Anwalt Henning soll demnach die Historiker darum gebeten haben, als Gast ein Rederecht auf dieser wichtigen Versammlung der geschichtswissenschaftlichen Zunft zu erhalten. Die Sache ist deshalb brisant, weil die Hohenzollern gegen mehrere Historiker mit rechtlichen Mitteln vorgehen. Das Potsdamer ZZF ist selbst davon betroffen. Martin Sabrow hatte deshalb einen offenen Brief an den Chef des Adelshauses, Georg Friedrich Prinz von Preußen, geschrieben und von einer „Unkultur der Einschüchterung“ gesprochen. Die Adelsfamilie greife mit ihrem juristischen Vorgehen die Freiheit der Wissenschaft an.

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Hohe Strafandrohung gegen ZZF-Historiker

Hintergrund ist eine Einstweilige Verfügung, mit der die Nachfahren des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. dem ZZF-Mitarbeiter Winfried Süß bestimmte Einschätzungen im Hohenzollernstreit haben untersagen lassen – unter Androhung eines Ordnungsgelds in Höhe von 250.000 Euro, ersatzweise sechs Monate Ordnungshaft. Auch der Historikerverband hatte das rechtliche Vorgehen des Adelshauses scharf kritisiert und entschieden, es zum Thema auf dem Historikertag zu machen. Dort soll es unter dem Tagesordnungspunkt „Nutzung des Rechts bei der Abwehr historischer Erkenntnisbildung und -verarbeitung“ behandelt werden. Laut „Spiegel“ leitet Historiker Sabrow die Sektion zu dem Hohenzollern-Streit. Er verteile auch das Rederecht, so das Magazin.

Adelshaus soll Anwälte zurückpfeifen

Sabrow soll laut Spiegel dem Hohenzollernanwalt geschrieben haben, er räume ihm „gern“ Rederecht ein – allerdings nur, wenn das Adelshaus dann nicht mehr mit ihm oder anderen vortragenden Historikern im Rechtsstreit liege. Mit anderen Worten: Der Prinz solle seine Anwälte zurückpfeifen.

Rechtliche Schritte gegen Forscher und Journalisten

Die Preußen schießen scharf, wenn es um Publikationen über ihre Haltung zum Nationalsozialismus in den 1930er Jahren geht. Denn es hängt viel Geld an der Frage, ob die Hausspitze damals mit ihrem Verhalten Hitler beim Griff nach der Macht half. Laut Gesetz sind jene Kräfte von Entschädigungen für Enteignungen in der sowjetischen Besatzungszone ausgenommen, die den Nationalsozialisten „erheblichen Vorschub“ geleistet haben. Dabei geht es nicht nur um 1,2 Millionen Euro Geldansprüche, sondern auch um etliche Kunstgegenstände, Bücher, Dokumente und andere historische Objekte. Der Gesamtwert der Forderungen liegt nach Schätzungen im dreistelligen Millionenbereich.

Vier renommierte Historiker haben bislang Gutachten in dem Streit zwischen der Dynastie und dem Staat abgegeben. Sie widersprechen einander – je nach Quellenlage und Auftraggeber. Mindestens einer der kritischen Gutachter wurde juristisch von den Hohenzollern angegangen.

Ein Hohenzollernprinz war SA-Mann

Ebenfalls unter anwaltlichem Sperrfeuer stehen zahlreiche Medien und die Nachrichtenagentur dpa, die über den Fall berichtet haben. Auch gegen die Märkische Allgemeinen Zeitung (MAZ) hat der Prinz seine Anwälte losgeschickt.

Kronprinz Wilhelm war zeitweilig Unterstützer von Hitler, so bei der Reichspräsidentenwahl 1932, weil er sich einen wichtigen Platz in einem neuen Staat erhoffte. Prinz August-Wilhelm war bei der SA Standarten- und später Obergruppenführer.

Adelshaus überarbeitet familieneigene Homepage

Zu öffentlichen Erklärungen sieht sich das ehemalige Königshaus auch an anderer Stelle gedrängt. Kürzlich erst ließ es die familieneigene Homepage überarbeiten. Dort legt der heutige Haus-Chef Georg Friedrich Prinz von Preußen ausführlich seine Sicht der Dinge dar. Unter www.preussen.de führt der Prinz zum Beispiel aus, seine Familie gehe ausschließlich gegen Falschmeldungen vor. Etwas anderes sei „presserechtlich auch gar nicht möglich“. Mit dem rechtlichen Vorgehen leiste die Familie einen „Beitrag für die Öffentlichkeit“, heißt es auf der Web-Seite.

Wohnrecht im Schloss?

Interessant sind Aussagen zu einem Wohnrecht für Familienmitglieder unter anderem in den Potsdamer Schlössern Cecilienhof und Lindstedt, wie es der Ex-Dynastie vorschwebt. Die Hausführung betont auf der Homepage, dass „eine umfassende gütliche Einigung an der Frage des Wohnrechts nicht scheitern werde“. Weiter heißt es dort zur Wohnrechtsfrage, es sei „nach der Wiedervereinigung aus der Landesregierung Brandenburg in den 90er Jahren ein Vorschlag gekommen, der in diese Richtung zielt“. Sowohl die Landesregierung als auch die Schlösserstiftung hätten „konkrete Angebote“ gemacht, „im Rahmen einer Vergleichslösung Liegenschaften an die Familie (zurück) zu übertragen“. Bereits zu DDR-Zeiten habe es „konkrete Überlegungen gegeben, der Familie ein Wohnrecht auf Schloss Cecilienhof anzubieten“, heißt es in dem Text auf der Webseite. Es handele sich also um „keine ,Erfindung‘ der Familie“.

Historiker erhält erneut Anwaltspost

Gerade die Schlösserfrage hatte für viel öffentliche Empörung gesorgt. Zuletzt hatte die neue Kulturministerin Brandenburgs, Manja Schüle (SPD), Mitte Dezember gesagt: „Meine Phantasie reicht jedenfalls nicht so weit, mir vorzustellen, dass unser Schloss Cecilienhof jemals wieder ein Wohnsitz der Familie der Hohenzollern wird.“ Eine von der Linkspartei gestartete Volksinitiative gegen Hohenzollern-Entschädigungen hat mittlerweile mehr als 14.000 Unterstützer.

Wie groß tatsächlich die Aussichten sind, dass die Hohenzollern ihre juristische Offensive gegen Kritiker einstellen, bleibt fraglich. Historiker Sabrow äußerte in einem Interview im Magazin Cicero am 3. Januar, sein Kollege habe gerade wieder Anwaltspost von der ehemaligen Monarchenfamilie erhalten. Die Hohenzollern „halten unbeirrt an ihrer Strategie fest und setzen den Rechtsstreit gegen ihn fort“, folgert Sabrow.

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Von Ulrich Wangemann

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