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Brandenburg IHK-Mitglieder zahlten für Stimmings Knöllchen
Brandenburg IHK-Mitglieder zahlten für Stimmings Knöllchen
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19:20 21.03.2014
Quelle: Michael Hübner
Potsdam

Das ist noch der kleinste Posten, den die Aufarbeitung der Privilegienaffäre innerhalb der Potsdamer IHK ausmacht. Ein interner Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat das „System Stimming“ durchleuchtet – und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nach Recherchen des RBB weitgehend bestätigt. Stimming, der offiziell nur ein Ehrenamt bekleidete, soll durch seinen pompösen Führungs- und Repräsentationsstil die Kammer rund 600 000 Euro gekostet haben.

Stimming gönnte sich für sein „Ehrenamt“ einen Dienstwagen der Extraklasse. Der angeblich 140 000 Euro schwere Wagen sollte dem Bericht zufolge stets auf dem neuesten Stand gewesen sein. Stimming orderte demnach häufig neue Modelle. Wenn er damit falsch parkte oder geblitzt wurde, rechnete er auch dies über die Kammer ab. Bei den beiden anderen Kammern in Frankfurt (Oder) und Cottbus gibt es für die Präsidenten übrigens gar keinen Dienstwagen.

Weil er so viel um die Ohren hatte, ließ der Ehrenamtler auf IHK-Kosten eine Sekretärin an seinem Privatunternehmen, einer Baufirma in Brandenburg/Havel, arbeiten. 180 000 Euro soll er dafür abgerechnet haben – natürlich bei der IHK. Eine Sekretärin für den Kammerpräsidenten in Frankfurt oder Cottbus gibt es nicht. Dort haben die Kammerrepräsentanten nicht mal ein eigenes Büro.

Seit Dezember ermittelt die Potsdamer Staatsanwaltschaft

Ganz anders Victor Stimming. Er residierte in einem repräsentativen Dachgeschossbüro in der Potsdamer IHK-Zentrale, wollte sich aber zusätzlich mit dem Kauf der Villa Carlshagen, die idyllisch am Ufer des Templiner Sees liegt, ein Denkmal setzen. Stimmings Idee, dort eine IHK-Stiftung unterzubringen, konnte in der Kammer bisher nie richtig erklärt werden. Seit Dezember liegt die Sanierung der fünf Millionen Euro teuren Villa auf Eis. Die IHK prüft den Wiederverkauf des Hauses.
Zuvor spülte das Anwesen aber kräftig Geld in das Stimming-Imperium, das sich Victor mit seinem Sohn Kai teilt, der ebenfalls im Baugewerbe tätig ist. Die Sanierung der Villa wurde von der Firma „Dr. Stimming und Partner“ vorbereitet. 70 000 Euro Beraterhonorar soll dafür laut Bericht geflossen sein. Bereits zuvor war der gute Rat des Präsidenten für die IHK teuer: 50 000 Euro ließ sich Stimming den Wirtschaftsprüfern zufolge für andere Beratungsdienste vom Kammerkonto überweisen.

Nachdem die Vorwürfe im vergangenen Herbst publik geworden waren und Stimming seinen Rücktritt erklärt hatte, versprach die Kammer eine detaillierte Aufarbeitung und Transparenz. Doch am Freitag wollte bei der IHK Potsdam niemand die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfer kommentieren. Stattdessen verwies man auf eine Pressekonferenz, die kommenden Mittwoch im Anschluss an die Vollversammlung der IHK stattfinden soll. Dort soll die Aufarbeitung der Affäre eine zentrale Rolle spielen. Stimmings Nachfolge und auch die des im Januar zurückgetretenen Hauptgeschäftsführers René Kohl ist weiter offen.

Bei der Potsdamer Staatsanwaltschaft hat man den Prüfbericht „mit Interesse zur Kenntnis genommen“, wie Sprecherin Sarah Kress sagte. „Wir werden die Unterlagen in unsere Ermittlungen einbeziehen“, erklärte Kress. Seit Dezember ermittelt die Behörde gegen den ehemaligen Präsidenten wegen des Verdachts der Untreue. Zu einer Schadenssumme konnte Kress keine Angaben machen. „Dazu ist es noch zu früh“, so die Sprecherin.

Von Torsten Gellner

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