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Brandenburg Von Strausberg nach Syrien: IS-Helfer steht vor Gericht
Brandenburg Von Strausberg nach Syrien: IS-Helfer steht vor Gericht
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12:30 25.04.2019
Der Angeklagte soll in der Berliner Fussilet-Moschee verkehrt haben. Quelle: dpa
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Potsdam

Vor dem Berliner Kammergericht beginnt am kommenden Dienstag (30. April) der Prozess gegen einen der gefährlichsten Islamisten, die in Brandenburg gemeldet sind. Der Tschetschene Jusup B. muss sich wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland vor Gericht verantworten, teilte das Polizeipräsidium Potsdam am Donnerstag mit.

Umfangreiche Ermittlungen des Landeskriminalamtes Brandenburg und der Generalstaatsanwaltschaft Berlin hatten zu der Anklage geführt. Der Mann war im vergangenen Jahr festgenommen worden.

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Geld ins Krisengebiet geschickt

Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem 30-Jährigen vor, während seines etwa dreieinhalbjährigen Aufenthalts in Deutschland die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) unterstützt zu haben. So soll er mehrere Tausend Euro in das Krisengebiet nach Syrien geschickt haben. Außerdem soll er andere IS-Sympathisanten bei der Ausreise aus Deutschland ins syrische Kriegsgebiet unterstützt haben.

Jusup B. soll Teil eines islamistischen Netzwerks gewesen sein, dass sich rund um die inzwischen geschlossene Berliner Fussilet-Moschee gebildet hatte. In der Moabiter Moschee verkehrte auch der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri. Das Haus galt als Treffpunkt der radikal-salafistischen Szene.

Asylantrag wurde abgelehnt

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, „bewusst mit seinen Taten eine terroristische Vereinigung im Ausland unterstützt zu haben, deren Tätigkeit unter anderem darauf gerichtet ist, Mord und Totschlag zu begehen“, teilte die Brandenburger Polizei mit.

2011 war der heute 30-Jährige aus der russischen Föderation mit seiner Frau und einem Kind nach Deutschland eingereist, um Asyl zu beantragen. Er wurde in Strausberg untergebracht. Doch der Antrag wurde abgelehnt. Dagegen legte der Angeklagte Widerspruch ein. 2015 reiste Jusup B. aus, die Behörden vermuten, dass er nach Syrien ging.

Flucht nach Ecuador

Später soll er über die Türkei nach Ecuador geflohen sein, nachdem ein europäischer Haftbefehl gegen ihn erlassen worden war. Als er Anfang August 2018 auf dem niederländischen Flughafen Schipohl landete, nahmen ihn Ermittler fest. Eine Woche später wurde er nach Deutschland ausgeliefert.

Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden gilt Jusup B. als einer der gefährlichsten der rund ein Dutzend sogenannten islamistischen Gefährder, die sich in Brandenburg aufhalten. Mit der Festnahme des Tatverdächtigen wurde für die kriminalpolizeilichen Ermittlungen in der Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes Brandenburg eine achtköpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet. An der Auslieferung waren die Sicherheitsbehörden der Niederlande, des Bundeskriminalamts, des LKA Nordrhein-Westfalen und das LKA Brandenburg beteiligt, teilte die Polizei mit.

Von Torsten Gellner