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Brandenburg IT-Branche: Experten stark nachgefragt
Brandenburg IT-Branche: Experten stark nachgefragt
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15:31 05.06.2019
Stephan Goericke ist Geschäftsführer der ISQI GmbH Potsdam. Quelle: Firmenfoto
Potsdam

Experten für Software und Hardware sind in allen Branchen gefragt. Offene Stellen sind immer schwerer zu besetzen, warnt Bitkom, der Branchenverband der Digitalwirtschaft. 82000 unbesetzte für IT-Fachkräfte registrierte er zum Jahresende 2018, fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei einer Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen erklärte jedes dritte Unternehmen, das IT-Jobs langsamer besetzt werden können als andere Positionen. Der Fachkräftemangel könne schon bald zur bedrohlichen Wachstumsbremse werden, warnte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Bernhard Rohleder.

Stephan Goericke will das so nicht gelten lassen. Der Geschäftsführer der Potsdamer ISQI GmbH, der im regionalen IT-Netzwerk SIBB engagiert ist, sieht die Verantwortung für die Gewinnung von fachlichem Nachwuchs vor allem bei den Unternehmen selbst. „Der Schlüssel ist die Attraktivität des Arbeitsplatzes“, erklärt er. Und dabei gehe es nicht so sehr um die Höhe des Monatseinkommens, sondern verstärkt um sogenannte weiche Faktoren. Ist Home-Office möglich, wenn das kranke Kind zu Hause betreut werden muss oder die S-Bahn nicht fährt? Hilft die Firma bei der Suche nach einer Kita und übernimmt vielleicht sogar die Beiträge? Ermöglicht sie Teilzeitarbeit, auch für Führungskräfte? Und schließlich: Werden auch Auszubildende schon anständig bezahlt? Sind die Bedingungen gut, sollte es früher oder später möglich sein, eine offene Stelle zu besetzen, sagt Goericke.

Fachkenntnisse und Softskills sind gefragt

Für Bewerber ist der Weg in die Informationstechnik leicht, wenn sie die verlangten Fähigkeiten mitbringen. Das sind neben den fachlichen Kenntnissen vor allem sogenannte Softskills, also beispielsweise Selbstständigkeit und ein guter Umgang mit Kunden. In vielen Fällen geht es nicht ohne spezielle Branchenkenntnisse. Und natürlich muss der Bewerber sicher in Englisch sein. In Goerickes Unternehmen, der ISQI GmbH, ist Englisch ganz selbstverständlich die Firmensprache, in der auch die Berichte verfasst werden. ISQI zertifiziert weltweit das Know-How von IT-Fachkräften. In Potsdam hat das Unternehmen 40 Beschäftigte, außerdem gibt es Niederlassungen in London, Boston und Gorinchem (Niederlande).

Ein klassischer Weg in die IT-Branche ist berufliche Ausbildung zum Beispiel zum Fachinformatiker für Systemintegration. Ein Hochschulstudium mit Abschluss Bachelor oder Master ist ebenfalls möglich, aber aus Sicht von Goericke der betrieblichen Ausbildung nicht grundsätzlich überlegen. „Wichtig ist vor allem ein kontinuierlicher Weiterbildungsprozess“, betont er. Hier sei das Unternehmen selbst gefordert. Manche Faktoren allerdings haben Unternehmer gerade in berlinferneren Orten Brandenburgs nicht unbedingt selbst in der Hand, gibt Goericke zu. Zum Beispiel die Frage, ob es eine wohnortnahe Grundschule gibt und wie die Verkehrsanbindung des Standorts ist. Brandenburg habe zudem noch immer ein gewisses Imageproblem. Das Land stehe noch zu wenig für Selbstbewusstsein, Modernität und Lebensqualität. Und für Regionen wie die Prignitz und die Lausitz reiche eine Ausrichtung auf den Verflechtungsraum mit Berlin nicht aus. Hier gelte es, Verzahnungen etwa mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Hamburg oder Dresden zu fördern und zu bewerben, um die örtliche IT-Wirtschaft zu stärken.

Arbeitsmarkt für IT-Fachleute

Laut Statistischem Bundesamt arbeiten 2018 rund eine Million IT-Fachleute in Deutschland, darunter etwa 800000 als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

20 000 offene Stellen meldete im vergangenen Jahr die Bundesagentur für Arbeit, ein Zuwachs um 16 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen, die eine IT-Tätigkeit anstreben, ist gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent auf 23000 gesunken. Die Arbeitslosenquote in diesem Teilbereich fällt mit 2,7 Prozent gering aus.

Der Frauenanteil unter den IT-Beschäftigten war 2018 mit 16 Prozent nach wie vor sehr gering. Eine Veränderung ist noch nicht in Sicht. Bei den 16000 im vergangenen Jahr neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen lag der Frauenanteil bei acht Prozent. Unter den Studierenden im Fachbereich Informatik waren immer 21 Prozent Frauen.

Von Ulrich Nettelstroth

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