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Brandenburg 600 Kilo Honig verseucht: Nachbar ruiniert Frühjahrsernte mit Glyphosat
Brandenburg 600 Kilo Honig verseucht: Nachbar ruiniert Frühjahrsernte mit Glyphosat
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00:23 20.05.2019
Honiggläser mit einem Totenkopf als Etikett stehen vor dem Landwirtschaftsministerium in Berlin Quelle: Ralf Hirschberger/dpa
Potsdam

 Auf diese 600 Kilogramm Honig hätte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) wohl gerne verzichtet. Das Brandenburger Imkerpaar Sebastian Seusing und Camille Hoonaert protestierte am Freitag zusammen mit anderen Imkern vor Klöckners Ministerium in der Berliner Wilhelmstraße – und brachte als Zeichen des Unmuts dort 600 Kilo jenes Honigs mit, der unverkäuflich geworden ist, nachdem ein Landwirt an einem ihrer Bienenstandorte das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat spritzte. Die Gläser trugen statt eines regulären Etiketts eine Banderole mit einem Totenkopf.

Der Bio-Imker Seusing aus Bernau (Barnim) hatte Ende April bemerkt, dass auf einem angrenzenden Acker ein glyphosathaltiges Herbizid aus dem Hause Monsanto („Durano TF“) ausgebracht worden war. Die etwa 70 Hektar große Fläche war zu diesem Zeitpunkt mit blühendem Löwenzahn bewachsen, Seusings Bienen nutzen das als Futterquelle. Der Bauer hatte Sebastian Seusing nicht über die Spritzaktion informiert, so dass der Imker keine Chance hatte, seinen Bienenvölker wegzuschaffen und an einen ungefährlichen Ort zu bringen.

10.000 Euro Schaden

Laboruntersuchungen der Berliner Aurelia-Stiftung, die sich für den Bienenschutz engagiert, bestätigten Seusings Befürchtungen: Sein Honig ist schwer belastet, der Glyphosat-Grenzwert wurde um 160-fache des Erlaubten überschritten. Thomas Radetzki, Chef der Aurelia-Stiftung und selbst Imkermeister, erklärt: „Sobald der Grenzwert überschritten wird, ist der Honig nicht mehr verkehrsfähig. Ich muss ihn dann entsorgen und darf ihn noch nicht einmal privat verzehren oder verschenken.“ Im konkreten Fall heißt das: 600 Kilogramm, die Frühjahrsernte, ist wertlos. Das Imkerpaar beziffert den wirtschaftlichen Schaden auf 10.000 Euro, die Entsorgungskosten sind dabei noch nicht eingepreist.

Die Imker Camille Hoonaert und Sebastian Seusing Quelle: Florian Amrhein

Der symbolische Protest vor dem Agrarministerium ist nur der erste Schritt in einem mutmaßlich langwierigen Kampf: Seusing und Hoonaert wollen nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben und den Bauern, der das Glyphosat verspritzt hat, zivilrechtlich auf Schadenersatz verklagen. „Wir wollen das als Musterverfahren durchziehen“, sagt Thomas Radetzki. Die Aurelia-Stiftung übernimmt die Prozesskosten und hat in einem ähnlich gelagerten Fall auch schon Erfolg gehabt.

Jahrelanger Rechtstreit

Seinerzeit musste ein Imker seinen Honig vernichten, weil die Bienen gentechnisch veränderte Pollen genascht hatten. Dieses Verfahren, der Streitwert lag allerdings deutlich unter dem im aktuellen Fall, landete zuletzt vor dem Europäischen Gerichtshof. Von der ersten Klage bis zum rechtskräftigen Beschluss gingen sechs Jahre ins Land. Darüber hinaus fordern die Imkerei und die Stiftung von der Bundesregierung, dass die Anwendung von Glyphosat und anderen Pestiziden in blühenden Pflanzenbeständen verboten wird.

Am Freitag meldete sich auch der WWF zu Wort. Die Umweltorganisation verlangt ein komplettes Verbot von Pestiziden in Naturschutzgebieten. „Dort haben diese Gifte absolut nichts verloren“, sagte Diana Pretzell, die beim WWF für Biodiversität zuständig ist. Scharf kritisiert der WWF das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Es hatte im Februar die Zulassung für 18 Pestizide verlängert. „Die Entscheidung ist umso abstruser, da das BVL selbst einige dieser Pestizide als bienenschädlich einstuft“, so Pretzell. Das Bundesamt ist Klöckners Ministerium unterstellt.

In Deutschland stehen mehr als die Hälfte der 560 Wildbienenarten auf der Roten Liste des Bundesamtes für Naturschutzes – sie gelten also in ihrem Bestand als gefährdet. Laut WWF werden 80 Prozent der Nutz- und Wildpflanzen von Honigbienen bestäubt, 20 Prozent von Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten.

Von Thorsten Keller

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