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Brandenburg Immer mehr Eltern lassen ihr Kind später einschulen
Brandenburg Immer mehr Eltern lassen ihr Kind später einschulen
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06:29 18.10.2016
Manche Kinder in Brandenburg müssen schon mit fünf Jahren in die Schule. Quelle: dpa
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Potsdam

Schulranzen und Zuckertüte müssen warten: Die Zahl der Eltern, die ihr schulpflichtiges Kind lieber ein Jahr länger in der Kita lassen, steigt in Brandenburg weiter an. Zum aktuellen Schuljahr wurden laut Bildungsminister Günter Baaske (SPD) 3405 Rückstellungsanträge gestellt. Das waren 217 mehr als im vorigen Schuljahr. Gemessen an der Zahl von 22000 Kindern, die in diesem Jahr eingeschult wurden, ist die Rückstellungsquote damit erneut ähnlich hoch wie im vergangenen Jahr: 15,5 Prozent. Der Löwenanteil mit 2413 Anträgen fällt auf die sogenannten Sommerkinder, die zwischen dem 1. Juli und 30. September geboren sind.

Elternsprecher fordern früheren Stichtag

Für Elternsprecher Wolfgang Seelbach zeigt die anhaltend hohe Rückstellungsquote, dass die Brandenburger Stichtagsregelung reformiert werden muss. „Es gibt keine pädagogischen Gründe für eine Einschulung von Fünfjährigen“, sagte er. „Es sind rein finanzielle Gründe.“ Nach der Brandenburger Regelung müssen Kinder, die bis zum 30. September sechs Jahre alt sind, die Schule besuchen. Es werden also jedes Jahr auch viele Fünfjährige eingeschult. Der Landeselternrat fordert, dass der Stichtag auf den 30. Juni vorgezogen wird.

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Bildungsminister Baaske lehnt das weiter ab. Er verwies unlängst im Bildungsausschuss des Landtags darauf, dass in der überwiegenden Zahl der Fälle dem Elternwillen nach einer späteren Einschulung stattgegeben werde: 95 Prozent der Rückstellungsanträge wurden akzeptiert. Das Verfahren sei vereinfacht worden, Schulleiter seien stärker sensibilisiert, so Baaske.

Verfahren wurde vereinfacht, aber hohe Dunkelziffer

Elternsprecher Seelbach begrüßte, dass das Verfahren nun einfacher sei. „Ein Teil der Elternschaft traut sich aber nicht, Rückstellungsanträge zu stellen“, sagte er. Sie hätten Angst, dass sie oder ihre Kinder stigmatisiert würden. Vor allem auf dem Land sei der soziale Druck groß. „Man kennt den Schulleiter, befürchtet, dass die Kinder Nachteile erfahren, wenn man der Empfehlung des Schulleiters nicht folgt“, erklärte er.

Auch die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Kathrin Dannenberg, betonte, dass das Verfahren nun elternfreundlicher sei. „Eltern müssen nicht mehr einen so beschwerlichen Weg gehen. Wir wissen aber nicht, wie viele Eltern sich der Regelung unterwerfen und erst gar keinen Antrag stellen.“

Hinter den Rückstellungen steckt nicht immer nur der Elternwille. Auch die Gesundheitsämter geben häufiger Empfehlungen ab, Kinder lieber noch ein Jahr in der Kita zu lassen, etwa weil das Sprachvermögen noch nicht genug entwickelt ist. So haben die Potsdamer Amtsärzte für das laufende Schuljahr in 14,7 Prozent der Fälle eine Rückstellungsempfehlung ausgesprochen. Bildungsminister Baaske kündigte an, dass die Rückstellungsentwicklung in diesem Schuljahr vom Landesinstitut für Schule und Medien untersucht werden soll.

Von Torsten Gellner

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