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Brandenburg Immer mehr Gasthäuser schließen – Arbeitskräfte fehlen
Brandenburg Immer mehr Gasthäuser schließen – Arbeitskräfte fehlen
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13:56 23.06.2019
Eine Servicekraft zapft am 16.08.2013 in Kiel (Schleswig-Holstein) in einer Gaststätte ein Bier. Im Einzelhandel gibt es seit Jahren eine ausgeprägte Minijob-Kultur. Foto: Axel Heimken/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa
Potsdam

Obwohl die Beschäftigtenzahl in Brandenburgs Gastgewerbe seit Jahren zunimmt, bleibt die Umsatzentwicklung unter den Erwartungen. Im vergangenen Jahr erzielte die Branche nominal nur ein mageres Plus von 1,3 Prozent, preisbereinigt sogar ein Minus von 0,8 Prozent. Mehr als 600 Betriebe vor allem in den ländlichen Regionen haben nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in den vergangenen Jahren bereits aufgegeben. Brandenburgs Dehoga-Präsident Olaf Schöpe spricht von einem „fast dramatischen Gasthaussterben auf dem Lande“.

Mit mehr als 30 000 Beschäftigten und einem geschätzten Jahresumsatz von etwa einer Milliarde Euro ist die Branche nach Dehoga-Einschätzung eine tragende Säule der Brandenburger Wirtschaft. Zum Gastgewerbe gehören neben Hotels und Gaststätten Cafés, Pensionen, Ferienunterkünfte, Imbissstuben und Caterer.

Gastronomie leidet unter Personalmangel

Ursache für die schwierige Lage der Gastronomie ist laut Schöpe vor allem der Personalmangel. Dadurch hätten viele Betriebe ihre Öffnungszeiten und Angebote einschränken müssen. Dem Gastgewerbe fehlten vor allem Fachkräfte in dünn besiedelten Regionen. Dort sei die wirtschaftliche Lage anders als in den touristischen Zentren Brandenburgs, wie dem Scharmützelsee, Spreewald oder Potsdam.

Als wesentliche Ursache für den Mangel an Arbeitskräften sieht Schöpe die, wie er sagt, „geringe gesellschaftliche Wertschätzung“ der Branche. „Wir stehen unter dem Generalverdacht, dass es bei uns nur Schwarzarbeit gibt“, klagt der Verbandspräsident und Hotelchef. „Die jungen Leute haben nicht das Gefühl, dass sie in einer wertgeschätzten Branche arbeiten.“ Das schlage sich auch in der geringen Bereitschaft junger Menschen nieder, einen Gastronomiebetrieb zu gründen oder zu übernehmen.

Arbeits- und Ausbildungsplätze bleiben lange unbesetzt

Auch die Zahl der Auszubildenden im märkischen Gastgewerbe geht seit Jahren zurück, wie das Arbeitsministerium in Potsdam auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Landtag bestätigte. Gab es im Ausbildungsjahr 2013/2014 noch 1306 Nachwuchskräfte, waren es 2017/2018 nur noch 1103. Der Fachkräftemangel habe zu einem hohen Konkurrenzdruck der Unternehmen geführt. Während offene Arbeits- und Ausbildungsplätze oft sehr lange unbesetzt blieben, wachse die Arbeitsverdichtung für die vorhandenen Belegschaften.

Das fehlende Personal wirke sich auch auf die „Verfügbarkeit eines vielfältigen Dienstleistungsangebots für Gäste und Einheimische aus und kann ein gehemmtes Wirtschaftswachstum sowie eine verminderte Wirtschaftsleistung der Branche nach sich ziehen“, schreibt das Ministerium.

Aktivität und Lebensqualität in den Dörfern sinkt

Die sinkende Zahl gastronomischer Betriebe in den ländlichen Regionen trägt nach Beobachtungen Schöpes auch dazu bei, dass die Aktivität und Lebensqualität in den Dörfern sinkt. „Immer weniger junge Menschen haben Lust, auf dem Lande zu leben, wenn es dort nicht einmal mehr den kommunikativen Mittelpunkt einer Dorfkneipe oder eines Gasthofes gibt.“

Zwar gebe es genügend Programme der Landesregierung, dem Fachkräftemangel auch in anderen Branchen entgegenzuwirken, meint Schöpe. Doch es fehle an den „politischen Rahmenbedingungen“ und an der Wertschätzung durch die Politik. „Wenn über Strukturwandel gesprochen wird, darf es nicht nur um 5000 Industriearbeitsplätze gehen, sondern auch um die 20 000 Stellen in der Tourismusbranche, die erhalten werden wollen.

Nicht einzusehen sei, warum in Deutschland für Schulspeisen oder Essen im Gasthaus 19 Prozent Mehrwertsteuer gezahlt werden müssten, jede „Bockwurstbude“ entrichte aber nur sieben Prozent, sagt Schöpe. In 26 von 28 EU-Staaten gebe es für Beherbergungsleistungen einen günstigeren Steuersatz als in Deutschland. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse die Bundesrepublik hier nachziehen.

Von Manfred Rey