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Brandenburg Immer mehr Pflegebedürftige – Angehörige überlastet und überfordert
Brandenburg Immer mehr Pflegebedürftige – Angehörige überlastet und überfordert
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20:25 13.01.2019
Viele Menschen pflegen ihre Angehörigen selbst (Symbolbild).
Viele Menschen pflegen ihre Angehörigen selbst (Symbolbild). Quelle: Jana Bauch/dpa
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Potsdam

Die Belastung für pflegende Familienmitglieder in Brandenburg ist nach Ansicht von Experten dramatisch. „Wenn die Zahl der pflegenden Angehörigen weiter so zurückgeht wie zuletzt, wird es zu einem Kollaps des Systems kommen“, sagt die Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Brandenburg, Anne Baaske.

Angehörige seien überlastet

Angehörige seien mit der Pflege ihres Ehepartners oder ihrer Eltern zunehmend überfordert und extremen psychischen Belastungen ausgesetzt. „Familienmitglieder sind motiviert zu helfen, haben aber die Pflege eines Demenzkranken nicht gelernt“, betonte Baaske. Sie fordert eine stärkere Entlastung und bessere Unterstützung der pflegenden Angehörigen.

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In Brandenburg nimmt die Zahl der Pflegebedürftigen immer weiter zu. Laut Statistischem Landesamt gibt es derzeit 133 000 Menschen, die Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten. Das ist ein Anstieg um fast 20 Prozent gegenüber 2015. Da waren es noch rund 112 000 Pflegebedürftige. Experten erwarten eine weitere Zunahme, vor allen von Demenzkranken.

Bereitschaft zur Pflege sinkt

Knapp 80 Prozent aller Pflegebedürftigen in Brandenburg werden in den eigenen vier Wänden gepflegt – etwa je zur Hälfte von Angehörigen oder von ambulanten Pflegediensten. Insgesamt gibt es in Brandenburg etwa 100 000 pflegende Angehörige. Etwa 24 390 Menschen leben in einem Heim.

Lesen Sie auch den Kommentar von Igor Göldner

Sozialverbände schlagen inzwischen Alarm, dass die Bereitschaft zur Pflege durch Angehörige weiter sinkt. Die Situation der Pflege in Brandenburg ist auch Thema einer Anhörung von Experten am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Landtags.

Mehr Frauen pflegen

Nach dem Pflegereport 2018 der Krankenkasse Barmer stehen bundesweit 185 000 pflegende Angehörige kurz davor, diesen Dienst einzustellen. 164 000 Angehörige wollen danach nur mit mehr Unterstützung und einer größeren Entlastung weiter pflegen. In Deutschland gibt es 2,5 Millionen pflegende Angehörige, darunter 1,65 Millionen Frauen.

Eine Umfrage der Universität Bremen unter pflegenden Angehörigen ergab zudem, dass der körperliche oder seelische Verschleiß das größte Risiko der häuslichen Pflege ist. Vermehrt leiden sie unter Rückenschmerzen oder Kreislaufbeschwerden und sind zudem anfälliger für Infekte. Es gebe ein starkes Indiz dafür, dass Pflege krank macht, heißt es.

Personalmangel bei Pflegediensten

Professionelle Hilfe würden Angehörige zu selten in Anspruch nehmen, weil es den ambulanten Pflegediensten oft an Personal mangelt, sagte Brandenburgs AWO-Landeschefin Baaske. „Wir haben Wartelisten, weil wir trotz angemessener Bezahlung keine Mitarbeiter für unsere Pflegedienste finden.“ Dabei könnte es in vielen Fällen sinnvoll sein, einen Pflegedienst einzuschalten, der bestimmte Arbeiten abnehmen kann.

Doch ambulante Pflegeangebote werden immer noch zu selten genutzt, sagt Angelika Winkler, Geschäftsführerin beim Kompetenzzentrum Demenz im Land Brandenburg. Zwar habe sich durch die Reform der Pflegeversicherung einiges getan, weil seither auch Menschen mit Demenz einen Anspruch auf die gleichen Leistungen wie Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen erhalten. „Doch noch immer tun sich viele Angehörige schwer damit, einen Fremden zur Pflege ins Haus zu holen.“

Gut angenommen werden hingegen Schulungen für Angehörige von Pflegebedürftigen mit Demenz. Allein 60 solcher Kurse hat das Kompetenzzentrum Demenz im vergangenen Jahr angeboten.

Von Diana Bade