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Brandenburg Ladendiebstahl: Immer häufiger Diebesbanden unterwegs
Brandenburg Ladendiebstahl: Immer häufiger Diebesbanden unterwegs
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00:20 22.06.2018
Ladendiebstähle sind im Handel ein Dauerärgernis.
Ladendiebstähle sind im Handel ein Dauerärgernis. Quelle: dpa
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Potsdam

Bandenmäßiger Ladendiebstahl ist für Brandenburgs Einzelhandel ein zunehmendes Problem. Das erklärte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Günter Päts, gegenüber der MAZ. Er schätzt, dass mindestens die Hälfte aller Ladendiebstähle im Land von kriminellen, oft osteuropäischen Diebesbanden ausgeht. „In den vergangenen 15 bis 20 Jahren haben diese Angriffe stark zugenommen“, sagte Päts.

Laut einer aktuellen Studie des Kölner Instituts EHI kosteten Ladendiebstähle die Einzelhändler in 2017 bundesweit rund 3,5 Milliarden Euro. Am häufigsten ließen Kriminelle kleine Produkte wie Alkohol oder Parfum mitgehen aber auch Markenkleidung und Schuhe.

Es werden weniger Ladendiebstähle angezeigt

Die Anzahl der gemeldeten Straftaten ist insgesamt jedoch rückläufig: Seit 2007 sank sie bundesweit von über 400.000 Delikten auf noch 353.000. Auch in Brandenburg ist die Tendenz sinkend. 2017 meldeten Händler bei der Polizei insgesamt 8960 Fälle von Ladendiebstahl; 2016 waren es noch 9017 und im Jahr 2015 sogar 9898 Fälle gewesen.

Am häufigsten werden kleine Waren wie Make-Up, Alkohol oder Videospiele geklaut. Quelle: dpa

Obwohl die Aufklärungsquote im Land konstant bei 90 Prozent liegt, wird nicht im Detail ausgewertet, ob Banden hinter den Straftaten stecken. Das EHI-Institut schätzt, dass wertmäßig rund ein Viertel aller Ladendiebstähle in Deutschland auf Banden und organisierte Kriminalität entfällt.

Täter gehen oft in Gruppen mit gezielter Aufgabenverteilung vor

Händler würden bundesweit angeben, dass Diebstähle noch immer stark in organisierter Form durchgeführt werden, berichten die Experten. Die Täter gehen oft in Gruppen mit gezielter Aufgabenverteilung vor, so das EHI. Auch Günter Päts berichtet von durchdachten Techniken. „Sie gehen ganz gezielt vor, indem beispielsweise Mitarbeiter abgelenkt werden und sich andere Bandenmitglieder die Taschen vollstopfen“. berichtet er.

Langzeittendenz: Mehr schwere Diebstähle von Banden und mit Waffen

Offiziell zeigt die Studie des EHI, dass rund sechs Prozent aller Diebereien den sogenannten „schweren Diebstählen“ zuzuschreiben sind. Hierbei gehen die Täter bewaffnet oder bandenmäßig vor. Auch Fälle, in denen Sicherheitsetiketten entfernt oder verschlossene Vitrinen aufgebrochen wurden, zählen hierzu.

Seit 2007 hat sich ihre Zahl der Studie zufolge um rund 156 Prozent erhöht. Allerdings verzeichneten die Händler zumindest im vergangenen Jahr wieder einen Rückgang um 6,6 Prozent im Vergleich zu 2016 auf rund 21 000 Fälle in Deutschland.

Günter Päts: „In Brandenburg ist die Dunkelziffer wahrscheinlich zwei- bis dreimal so hoch wie die offiziellen Zahlen.“ Quelle: Andreas Vogel

Günter Päts schätzt, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt. „In Brandenburg ist sie wahrscheinlich zwei- bis dreimal so hoch wie die offiziellen Zahlen“, sagte er. Beim EHI gehen die Wissenschaftler von einer Dunkelziffer von über 98 Prozent bei den schweren Diebstählen aus. Ein Rückbezug von weniger Anzeigen auf weniger Diebereien sei nicht möglich, heißt es in der Studie.

Handelsverband kritisiert Polizei und Staatskanzlei

„Ladendiebstahl wird in Brandenburg nicht konsequent genug verfolgt“, erklärt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes die sinkende Tendenz bei gemeldeten Straftaten. Polizei und Staatskanzlei des Landes Brandenburg würden das Problem der Einzelhändler nicht ernst genug nehmen, kritisiert der Branchensprecher.

„Die Täter werden von der Polizei mitgenommen und bedrohen zwei Stunden später die Mitarbeiter im Laden“, berichtet Päts, der Schulungen zum Thema Sicherheit gibt. Werden Diebe erwischt, so würden sie schnell durch andere Bandenmitglieder ausgetauscht. „Da wird es immer schwieriger, die Mitarbeiter zu motivieren.“

„Wir wünschen uns schnellere Reaktionen“

Auch weil die Diebesbanden zunehmend aggressiver auftreten, würden viele Angestellte bei wiederholten Diebstählen die Augen verschließen. „Wir wünschen uns schnellere Reaktionen und kürzere Fristen für die Verurteilung“, sagte Päts.

„Wir wünschen uns schnellere ReaktionenDie derzeitige Situation sei auch wegen der eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten frustrierend. Deshalb fordern die Einzelhändler bundesweit mehr Rechte. Der Handelsverband in Brandenburg spricht sich unter anderen dafür aus, Taschenkontrollen durch die Ladenbesitzer zu erlauben.

Von Victoria Barnack