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Brandenburg Masken, Spritzen und Tests: Wachsen die Müllberge wegen Corona?
Brandenburg

In Brandenburg kaum mehr Müll durch Masken und Selbsttests

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07:48 01.05.2021
Was macht man mit diesem Abfall? Durch die Pandemie hat sich das Müllaufkommen in den Städten verändert.
Was macht man mit diesem Abfall? Durch die Pandemie hat sich das Müllaufkommen in den Städten verändert. Quelle: dpa
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Potsdam

Die Corona-Pandemie sorgt für neuartigen Abfall: Masken, Testmaterial und nicht zuletzt das Impfbesteck – bei allem handelt es sich um Einwegmaterialien, die es ohne die Pandemie in dieser Menge nicht gegeben hätte.

Ein Schnell-Testkit besteht aus Teststäbchen, Teststreifen und Testkapsel. Alles ist aus Kunststoff, und alles ist einzeln verpackt – aus hygienischen Gründen. „Weltweit stellt Roche aktuell 100 Millionen Antigen Schnelltests zur Verfügung“, sagt „Roche“-Sprecherin Maren Schulz. 13 neue Tests seien im Zuge der Pandemie entwickelt worden. „Um den weltweiten sehr hohen Bedarf an Lösungen zur SARS-CoV-2-Diagnostik zu bedienen, haben wir seit Beginn der Pandemie unsere Produktion massiv gesteigert“, sagt Schulz.

2,3 Millionen Testsets für Schüler

Allein die Schnelltests, die Brandenburgs Bildungsministerium für die Schulen geordert hat, dürften kleine Müllberge produzieren: Es sind mehr als 5 Millionen Stück. Und Brandenburg ist mit seinen etwa 290.000 Schülern ein eher kleines Bundesland. Der Nachbar Niedersachsen weist rund 840.000 ebenfalls testbedürftige Schüler auf. Da wirkt es wie eine Ironie, dass das Bundeskabinett gerade erst ein Verbot von Wegwerfprodukten aus Plastik beschlossen hat.

Dass die riesige Abfallmenge im Zuge der Coronakrise ökologisch problematisch sein könnte, findet der Landesgeschäftsführer des BUND Brandenburg, Axel Kruschat. „Das sieht man ja schon durch die vielen Masken, die überall herumliegen“, sagt er mit Blick auf ein allgegenwärtiges Straßenbild. „Wir sehen im Moment keine Alternative dazu.“ Da es wiederverwertbare Tests oder Impfbestecke nicht gebe, sei der Coronamüll wohl hinzunehmen, meint Kruschat. „Man muss in Zukunft sehen, ob man dafür nicht in anderen Bereichen nachsteuern kann“, so Kruschat.

Die Deutsche Wildtier Stiftung warnt vor achtlos weggeworfenem „Corona-Müll“, der zur Falle für Tiere werden könne. So könnten Singvogelküken an Gummibändern von Masken zugrunde gehen, weil Vögel den Abfall als Nistmaterial verwendeten. Auch anderer Müll wie Schutzkleidung sei eine Gefahr für die Tierwelt. Der neuartige Müll müsse ordentlich entsorgt werden, appelliert Stiftungsvorstand Klaus Hackländer.

Ministerium: Restmüllmenge steigt kaum

Zwar gibt es Anleitungen, wie man Masken mehrfach verwenden kann. Gemacht sind die Instrumente des Arbeitsschutzes laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, aber eigentlich nur zum einmaligen Gebrauch für eine Arbeitsschicht, also für acht Stunden. Danach gehören die aus mehreren Schichten Polypropylen gewebten und mit einem elektrostatisch empfindlichen Filtervlies versehenen Masken in den Restmüll.

Aus dem Umweltministerium kommt trotzdem Entwarnung. Tatsächlich müssten die Masken und die Testkits nach einmaligem Gebrauch in den Restmüll, der werde sich aber nicht sehr vergrößern, teilt Sprecherin Frauke Zelt mit. „In den vergangenen Jahren lag die spezifische Restabfallmenge im Land Brandenburg zwischen 135 und 138 Kilo pro Kopf“, sagt Zelt. „Höchstwahrscheinlich werden Abfälle von Testkits und Einmalmundschutze diese spezifische Abfallmenge um nicht mal ein Prozent erhöhen.“

Konsum-Müll nimmt zu

Sorgen bereite dem Umweltministerium eher die Tatsache, dass sich während Pandemie und Lockdown das Konsumverhalten geändert habe. Die vormalige Scheu der Verbraucher vor unnötigen Verpackungen habe sich während der Pandemie umgekehrt. „Ebenso hat sich der Unterwegsverzehr in Einwegverpackungen erhöht und die Abfallmengen im Gewerbe, zum Beispiel in der Gastronomie, haben sich verändert.“ Unterm Strich falle also doch mehr Müll an.

Bestätigt wird das auf kommunaler Ebene. Seit Pandemiebeginn sei die Abfallmengen aus kommunalen Haushalten generell leicht gestiegen, sagt zum Beispiel die Sprecherin der Stadt Potsdam, Juliane Güldner. Masken und Testkits fielen da kaum ins Gewicht. Beruhigend sei jedoch, dass die Bewohner verantwortungsvoll mit dem Müll umgingen. „Die meisten ,Corona-Abfälle’ werden von den Potsdamerinnen und Potsdamern korrekt über den Restabfall entsorgt“, so Güldner.

Von Rüdiger Braun