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Brandenburg In Brandenburg wird immer weniger Raps angebaut
Brandenburg In Brandenburg wird immer weniger Raps angebaut
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00:25 06.07.2019
Weizenernte auf einem Feld in Brandenburg
Weizenernte auf einem Feld in Brandenburg Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Dallgow-Döberitz

Weniger Getreide, ein deutlicher Einbruch beim Raps und schlechte Aussichten für Bio-Landbau: Der Deutsche Bauernverband (DBV) erwartet auch 2019 eine unterdurchschnittliche Getreideernte. Laut DBV-Präsident Joachim Rukwied ist das eine Folge der extremen Trockenheit im Sommer 2018. „Diese hielt bis zur Aussaat des Wintergetreides im vergangenen Herbst an“, sagte Rukwied am Mittwoch in seiner Ernteprognose auf einem Hof in Dallgow-Döberitz (Havelland). Er geht deutschlandweit von einer Getreideernte in Höhe von 47 Millionen Tonnen aus – neun Millionen Tonnen mehr als im für die Landwirte katastrophalen Vorjahr, aber gut eine Millionen Tonnen weniger als im Fünfjahres-Mittel der Jahre 2013 bis 2017.

Für Brandenburg rechnet der Landesbauernverband (LBV) mit einer Erntemenge von 2,5 Millionen Tonnen Getreide – 30 Prozent mehr als vor einem Jahr, aber sieben Prozent unter dem langjährigen Mittel. Für LBV-Präsident Henrik Wendorff bergen die Zahlen eine gute und eine schlechte Nachricht. „Wir haben einerseits 2019 keine für die Betriebe existenzbedrohende Dürre zu beklagen.“ Eine gute Ernte, mit der die Bauern die „herben Verluste des Vorjahres“ kompensieren könnten, sei gleichwohl nicht in Sicht. Wichtigstes Getreide für die Brandenburger Landwirte bleibt Wintrerroggen mit einer Anbaufläche von 180.000 Hektar (14 Prozent mehr als im Vorjahr). Gut ein Drittel des gesamten deutschen Winterroggens wird in der Mark produziert.

Geradezu dramatisch ist die Entwicklung laut Wendorff beim Rapsanbau. Hier rechnet der LBV mit einem Ernte von 213.000 Tonnen, 50 Prozent weniger als im langjährigen Mittel. Die Raps-Anbaufläche in Brandenburg ist mit derzeit 69.700 Hektar auf ein historisches Tief gesunken und liegt gut 43 Prozent unter dem Vorjahreswert. Auch bundesweit ging die Anbaufläche zurück, aber weniger stark als in Brandenburg.

Böden zu trocken für die Aussaat

Laut Wendorff entschieden sich im Herbst 2018 viele Landwirte gegen den Rapsanbau, infolge der Trockenheit erschien ihnen eine Aussaat nicht erfolgversprechend. Raps beschert den Landwirten angesichts von Marktpreisen um 350 Euro/Tonne zwar höhere Erträge als beispielweise Weizen oder Gerste (aktuell 160 bis 165 Euro/Tonne), ist aber auch anfälliger gegen Schädlinge wie den Erdfloh. Für die Verbraucher wird dieser Einbruch beim Rapsanbau wohl keine Folgen haben, so der LBV – wohl aber für viele Landwirte, die bislang Raps ans Vieh verfüttert hatten und stattdessen nun Soja aus dem Ausland zukaufen müssen.

Henrik Wendorff, (links), Chef des Landesbauernverbandes und Joachim Rukwied, sein Pendant auf Bundesebene Quelle: Bernd Settnik/dpa

Rukwied und Wendorff forderten erneut, dass die Landwirte eine Möglichkeit bekommen müssten, ihr unternehmerisches Risiko besser abzusichern. Am besten dafür geeignet ist nach Ansicht der Bauernlobby die Möglichkeit, steuerfreie Rücklagen für magere Jahre zu bilden und diese Reserven im Notfall anzuzapfen. „Die Politik nimmt diese Forderung bislang leider nicht auf“, beklagte Rukwied. Nachdenken müsse man auch über Versicherungslösungen nach dem Modell der Elementarschaden-Versicherungen gegen Hagel oder Starkregen.

Eher düster fallen Wendorffs Prognosen für die Bio-Landwirte in Brandenburg aus. „Eine Umstellung auf Öko-Landbau kann ich derzeit keinem reinen Ackerbauern empfehlen“, sagte er. Die Bauern liefern Gefahr, auf ihrem Bio-Getreide sitzenzubleiben. Das Angebot sei in der jüngeren Vergangenheit viel stärker gewachsen als die Nachfrage. Bei nicht-konventionell angebautem Roggen führte das zuletzt zu einem Preisverfall von etwa 40 Prozent.

Von Thorsten Keller