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Brandenburg Israelischer Botschafter: „Brandenburg ist ein wichtiger Partner“
Brandenburg Israelischer Botschafter: „Brandenburg ist ein wichtiger Partner“
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20:50 25.04.2018
Der israelische Botschafter, Jeremy Issacharoff, sprach gestern anlässlich des 70. Unabhängigkeitstages des Staates Israels zu den Abgeordneten im Brandenburger Landtag.
Der israelische Botschafter, Jeremy Issacharoff, sprach gestern anlässlich des 70. Unabhängigkeitstages des Staates Israels zu den Abgeordneten im Brandenburger Landtag. Quelle: Foto: dpa
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Potsdam

Sie sind gekommen, um zu zeigen, dass jüdisches Leben längst einen festen Platz in Brandenburg hat: Mitglieder der Jüdischen Gemeinden Potsdam und Barnim sowie der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit sitzen auf der Zuschauertribüne im Brandenburger Landtag. Sie tragen Kippa, die traditionelle jüdische Kopfbedeckung, obwohl das heute aus Sicht von Zentralratspräsident Josef Schuster für Juden im Alltag mehr als heikel sein kann. In Deutschland, ausgerechnet jenem Land also, von dem der schlimmste Judenmord seit Menschengedanken ausgegangen ist.

Eine feierliche Stille tritt ein, als der israelische Botschafter, Jeremy Issacharoff, ans Rednerpult des Landtags tritt. „Wir dürfen null Toleranz gegenüber Antisemitismus jeglicher Form zeigen“, sagt er an diesem Mittwoch vor den Brandenburger Abgeordneten. Sie applaudieren. Es ist seine erste Rede im Landtag. Anlässlich des 70. Unabhängigkeitstages des Staates Israels spricht er zu den Abgeordneten. Überschattet wird der Feiertag und sein Besuch von den hässlichen Vorfällen der vergangenen Wochen, die der Botschafter auch in seiner bewegenden Rede kritisiert. Er warnt vor einer neuen Form des Antisemitismus, die sich, wie er sagt, oftmals hinter der Kritik am Staat Israel versteckt.

Um Vorurteile zu bekämpfen sieht der israelische Botschafter deshalb vor allem die Bildung in der Verantwortung. „Wir müssen die jungen Menschen ermutigen, sich an das Geschehene zu erinnern und das Gedächtnis an die Shoa zu bewahren.“ Dies sei Aufgabe, die alle angehe. Sehr ergreifend sei für ihn das Engagement von märkischen Schülern des Oranienburger Oberstufenzentrums in Oberhavel gewesen, die er bei seinem Antrittsbesuch in Brandenburg im Januar kennengelernt hatte. Es müsse mehr solcher Schüleraustausche zwischen Israel und Deutschland geben, regt er an.

Viele Angriffe auf Juden in Brandenburg

Antisemitismus ist auch in Brandenburg ein Problem, wie aus aktuellen Zahlen der Staatskanzlei hervorgeht. Schulen sollen Vorfälle seit vergangenen Dezember melden.

Issacharoff, der seit sieben Monaten israelischer Botschafter in Deutschland ist, spricht auf Englisch zu den Parlamentariern. Er lobt die freundschaftlichen Beziehungen zum Land Brandenburg - keine Selbstverständlichkeit, wie er betont. Der vom Landtag als besondere Geste zum 70. Gründungsjubiläum des Staates Israels gegründete Israel-Freundeskreis sei eine Gelegenheit, die guten Beziehungen zwischen Israel und Brandenburg fortzusetzen. Ausdrücklich würdigt der israelische Botschafter das Engagement von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), den er als „engen, persönlichen Freund“ bezeichnet. „Brandenburg wird für uns als Partner auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.“

Ähnlich äußert sich Brandenburgs Regierungschef im Anschluss an die Rede im Landtag vor Journalisten. „Die Freundschaft zu Israel ist für mich eine Herzenssache“, sagt Woidke. Er wirkt stolz auf das ihm geschenkte Vertrauen. Für den Brandenburger Landtag sei der Besuch des israelischen Botschafters eine „große Ehre und ein Zeichen der Verbundenheit“ für das jahrzehntelange gute Verhältnis der beiden Länder.

Woidke will die Beziehungen zu Israel weiter vertiefen und wird am Sonntag zu einer Reise in das Land aufbrechen. Dort sollen unter anderem eine Zusammenarbeit mit der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem sowie eine Partnerschaft zwischen den Universitäten Potsdam und Tel Aviv unterzeichnet werden.

Der Ministerpräsident kritisiert den Angriff auf einen Israeli vor einer Woche in Berlin scharf: „Gerade wenn man in Deutschland lebt, schämt man sich dafür, dass es einen Antisemismus gibt, wie es ihn hierzulande seit Jahrzehnten nicht gab.“

In Berlin-Prenzlauer-Berg waren am 17. April ein 21-jähriger Israeli und sein Freund von drei arabisch sprechenden Männern antisemitisch beschimpft worden, weil sie die traditionelle jüdische Kopfbedeckung Kippa trugen. Einer der Männer schlug mit einem Gürtel auf den 21-Jährigen ein. Der mutmaßliche Täter sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Es handelt sich um einen Palästinenser aus Syrien, der seit 2015 in Deutschland lebt.

Wegen des Angriffs gab es gestern in mehreren deutschen Städten Solidaritätsaktionen mit Kippa geplant, so in Potsdam, Berlin und Erfurt. Die Teilnehmer der Kundgebungen sollten als Zeichen der Solidarität die traditionelle jüdische Kopfbedeckung Kippa tragen.

Ob sich Juden in Brandenburg nicht mehr mit Kippa auf die Straße trauen dürfen, will Israels Botschafter – ganz Diplomat – nicht kommentieren. „Ich persönlich fühle mich hier im Land und auch in Berlin sehr sicher und willkommen“, antwortet der israelische Botschaftergestern auf die Frage der MAZ im Anschluss an die Plenarsitzung. Trotzdem macht ihm der jüngste gewalttätige Angriff auf Juden in Berlin große Sorgen: „Das war blinder Hass.“

Von Diana Bade