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Brandenburg Ist das Schloss Cecilienhof in Potsdam überhaupt bewohnbar?
Brandenburg Ist das Schloss Cecilienhof in Potsdam überhaupt bewohnbar?
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12:45 21.07.2019
Gefordert wird ein dauerhaftes, unentgeltliches Wohnrecht im Schloss Cecilienhof, Schloss Lindstedt oder in der Villa Liegnitz in Potsdam. Quelle: Christoph Soeder/dpa
Potsdam

Zu Putzen hätte er genug: 176 Räume, dazu dutzende Kammern, Dielen, Bäder und Flure - wenn sich Prinz Georg Friedrich von Hohenzollern - Nachfahre des Adelsgeschlechts - entgegen allen Erwartungen ein Wohnrecht in Schloss Cecilienhof im Potsdamer Neuen Garten erstreiten sollte, könnte er wohl Hilfe brauchen. Ein wahrhaft herrschaftliches Ambiente bietet Schloss Cecilienhof und dazu eine weltbekannte Adresse.

Die Nachfahren der Hohenzollern haben nun Anspruch auf Hunderte Kunstwerke erhoben - und ein Wohnrecht in den einst kaiserlichen Gemächern gefordert. Doch allzu gemütlich dürfte es dort nicht mehr werden.

Vor fast 75 Jahren zogen die letzten Nachfahren der Hohenzollern aus. Die Nachfahren haben nun Anspruch auf ein Wohnrecht in den einst kaiserlichen Gemächern gefordert. Allzu gemütlich dürfte es dort nicht mehr werden.

Vor fast 75 Jahren zogen die letzten Nachfahren der Preußen-Nachkommen aus. Der Zweite Weltkrieg war zu Ende. In der großen Festhalle wurde dann Weltgeschichte geschrieben: Die drei Siegermächte USA, Großbritannien und die Sowjetunion unterzeichneten dort das „Potsdamer Abkommen“, in dem festgelegt wurde, wie es mit Deutschland nach dem Krieg weiter gehen sollte. Ein Museum erinnert an den Akt.

Dauerhaftes unentgeltliches Wohnrecht gefordert

Eine Rückkehr der Nachkommen scheint überaus aberwitzig. Gefordert werde ein dauerhaftes, unentgeltliches Wohnrecht entweder im Schloss Cecilienhof, Schloss Lindstedt oder in der Villa Liegnitz in Potsdam, meldeten mehrere Medien. Doch sind im Schloss überhaupt bewohnbare Räume vorhanden? Das einstige Preußenhaus der Hohenzollern um den Ururenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., Georg Friedrich Prinz von Preußen, verhandelt mit dem Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg schon seit Jahren hinter verschlossenen Türen über die Rückgabe von Gemälden, historischen Zeugnissen und wertvollen Dokumenten.

„Das Gebäude ist heute ein Museum, da kann man nicht wohnen“, sagt Schlossbereichsleiter Harald Berndt. Die Brandenburger Kultur-Staatssekretärin, Ulrike Gutheil, empfahl augenzwinkernd, das angeschlossene Hotel ins Auge zu fassen.

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Das Kronprinzenpaar Wilhelm und Cecilie hatte nach Ende des Ersten Weltkrieges 1918 das letzte neu erbaute Schloss der Hohenzollern bezogen. „Alles war nach modernsten Standards gebaut, keine Feuchtigkeit, alles trocken und warm“, sagt Berndt. Zentralheizung, warmes Wasser, moderne Küchenräume, bleiverglaste Fenster und Kamine sorgten für Komfort, der heute wohl nur schwer wiederherstellbar wäre. Dazu eine geschmackvolle Ausstattung mit viel Kunst. Sechs Kinder wurden von dem Paar großgezogen.

Nach Abdankung des Kaisers lebten die Hohenzollern in Potsdam

Nach Abdankung des Kaisers lebten beide in Potsdam als Privatleute, gingen sogar in der Stadt einkaufen. Den großen Park um das Schloss musste sich die Familie bis Kriegsende mit Potsdamern teilen, die hier spazieren gingen.

Das Paar residierte mit beträchtlichem Wohlstand und einem Tross von Dienstboten. Einen Eindruck von der Schönheit der Räume vermitteln Führungen. „Die Originalausstattung ist leider selten noch vorhanden“, sagt Berndt. Nur knapp zwei Dutzend Fotografien existierten aus jener Zeit. Sie zeigten, wie die Räume ausgestattet waren.

Nach dem Abzug des Kronprinzenpaares nach Kriegsende liefen dann vom 17. Juli bis 2. August 1945 die Verhandlungen der Siegermächte. Zuvor mussten die Räume für die Teilnehmer hergerichtet werden. Für die Staatsmänner und ihre Begleiter wurden 36 Räume umdekoriert. In das grazile Schreibkabinett von Cecilie und ihrem Weißen Salon residierte dann Stalin, inmitten schwerer, brauner Ledergarnitur und an wuchtigem Schreibtisch. Ob er sich aus der heute noch vorhandenen Bibliothek bediente und im einzigen Buch in kyrillischer Schrift las - ein Werk des russischen Dichters Nekrassow (1821-1878) - ist unbekannt.

Vieles spurlos verschwunden

Und wohin ist das sonstige Original-Inventar und der persönliche Besitz nach der Flucht des Kronprinzenpaares verschwunden? Die meisten ausgelagerten Möbel fielen einem Brand zu Opfer. Von vielen anderen Dingen gibt es keine Spur. Heute sind dort noch einige Originalstücke oder Exponate aus dem Bestand anderer Schlösser der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg zu sehen.

Gestaunt wird bei Führungen, wenn sich die Türen zu den allerheiligsten Räumen öffnen: den Badezimmern. Noch völlig intakte Wandfliesen, in den Boden gelassene Wannen, Marmortische mit zwei Waschbecken, Toilette und Bidet. „Nur das Wasser ist aus Sicherheitsgründen abgestellt“, sagte Berndt. Alles darf nur angeschaut werden.

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Von RND/dpa

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